Unter­brin­gungs­ge­wahr­sam nach Ham­bur­ger Ord­nungs­recht – und ihre Über­prü­fung

Das Ham­bur­gi­sche Sicher­heitsund Ord­nungs­recht sieht als Rechts­mit­tel gegen die Beschwer­de­ent­schei­dung des Land­ge­richts grund­sätz­lich die Rechts­be­schwer­de gemäß §§ 70 ff. FamFG vor.

Unter­brin­gungs­ge­wahr­sam nach Ham­bur­ger Ord­nungs­recht – und ihre Über­prü­fung

Nach der im Sin­ne des § 40 Abs. 1 Satz 2 VwGO abdrän­gen­den Son­der­zu­wei­sung des § 13a Abs. 2 Satz 2 Hmb­SOG ist für das Ver­fah­ren über den Gewahr­sam gemäß § 13 Hmb­SOG das Buch 7 des FamFG in der jeweils gel­ten­den Fas­sung her­an­zu­zie­hen. In die­sem Buch, wel­ches das Ver­fah­ren für bun­des­recht­lich ange­ord­ne­te Frei­heits­ent­zie­hun­gen zum Gegen­stand hat, sind zwar die Rechts­mit­tel mit Aus­nah­me der ergän­zen­den Vor­schrift des § 429 FamFG nicht geson­dert gere­gelt. Indes fin­den die §§ 70 ff. FamFG als im Buch 1 ent­hal­te­ne all­ge­mei­ne Vor­schrif­ten Anwen­dung auf die in den wei­te­ren Büchern nor­mier­ten Ver­fah­ren [1].

Die Rechts­be­schwer­de­be­rech­ti­gung des Betrof­fe­nen folgt bereits dar­aus, dass des­sen (Erst)Beschwerde hin­sicht­lich des rich­ter­li­chen Gewahr­sams zurück­ge­wie­sen wor­den ist. Die­se for­mel­le Beschwer genügt; des­halb ist inso­weit ohne Bedeu­tung, ob auch für die Beschwer­de die Zuläs­sig­keits­vor­aus­set­zun­gen vor­lie­gen [2].

Wenn das Land­ge­richt die Rechts­be­schwer­de zuge­las­sen hat, hängt ihre Zuläs­sig­keit nicht davon ab, ob sie mit dem wei­ter­ver­folg­ten Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­an­trag abhän­gig vom Vor­lie­gen der Vor­aus­set­zun­gen des § 13a Abs. 2 Satz 3 Hmb­SOG oder des § 62 FamFG auch ohne Zulas­sung nach § 70 Abs. 3 Satz 1 Nr. 3, Satz 2 FamFG statt­haft wäre [3].

Sofern im Fall einer Frei­heits­ent­zie­hung nach § 13 Abs. 1 Nr. 2 bis 4 Hmb­SOG die amts­ge­richt­li­che Gewahr­sam­s­an­ord­nung in der Haupt­sa­che erle­digt ist, kön­nen nach § 13a Abs. 2 Satz 3 Hmb­SOG sowohl der Betrof­fe­ne als auch die betei­lig­te Poli­zei­be­hör­de die Rich­tig­keit der Ent­schei­dung nach­träg­lich im Ver­fah­ren der frei­wil­li­gen Gerichts­bar­keit vom Land­ge­richt über­prü­fen las­sen, ohne dass es auf ein fort­be­stehen­des Rechts­schutz­be­dürf­nis, nament­lich ein berech­tig­tes Inter­es­se im Sin­ne des § 62 FamFG, ankommt. Der Fort­fall der Beschwer wirkt sich inso­weit nicht auf die Zuläs­sig­keit der Beschwer­de aus [4]. Dar­auf, ob § 13a Abs. 2 Satz 3 Hmb­SOG auch die Zuläs­sig­keits­vor­aus­set­zun­gen für die Rechts­be­schwer­de modi­fi­ziert, kommt es vor­lie­gend nicht an.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 12. Febru­ar 2020 – StB 36/​18

  1. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 08.09.2016 StB 26/​16, NStZ-RR 2017, 24; vom 19.04.2018 StB 5/​18, NStZ-RR 2018, 262 f.; fer­ner Drews in Prütting/​Helms, FamFG, 4. Aufl., § 429 Rn. 1; Grot­kopp in Bah­ren­fuss, FamFG, 3. Aufl., § 429 Rn. 16[]
  2. s. BGH, Beschluss vom 03.02.2005 – V ZB 44/​04, BGHZ 162, 137, 138 f.; Keidel/​MeyerHolz, FamFG, 20. Aufl., § 74 Rn. 6; fer­ner BGH, Beschluss vom 18.04.2012 XII ZB 623/​11, NJW 2012, 2039 Rn. 3[]
  3. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 25.02.2010 – V ZB 172/​09, NVwZ 2010, 726, 727; vom 28.04.2011 – V ZB 292/​10 9; Keidel/​MeyerHolz, FamFG, 20. Aufl., § 70 Rn. 46 mwN[]
  4. vgl. Hans. OLG Ham­burg, Beschluss vom 21.05.1997 2 Wx 16/​97, NJW 1998, 2231 f.[]