Volks­zäh­lung 2011

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat eine gegen das Zen­sus­ge­setz 2011 (ZensG) gerich­te­te Ver­fas­sungs­be­schwer­de nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men.

Volks­zäh­lung 2011

Dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt war die Ver­fas­sungs­be­schwer­de nicht hin­rei­chend begrün­det: Nach § 92 BVerfGG bedarf es dazu der genau­en Bezeich­nung des mit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de ange­grif­fe­nen Hoheits­akts. Bei Rechts­nor­men reicht es daher regel­mä­ßig nicht aus, das gesam­te Gesetz zum Gegen­stand einer Ver­fas­sungs­be­schwer­de zu machen. Not­wen­dig ist viel­mehr die exak­te Bezeich­nung der mit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de ange­grif­fe­nen Bestim­mun­gen1. Die­sen Anfor­de­run­gen wird die Ver­fas­sungs­be­schwer­de nicht gerecht.

Die Beschwer­de­füh­rer bezeich­nen zunächst als Gegen­stand der Ver­fas­sungs­be­schwer­de das Zen­sus­ge­setz 2011 ins­ge­samt, ohne die ange­grif­fe­nen Rege­lun­gen im Ein­zel­nen zu benen­nen. Dem­entspre­chend bean­tra­gen sie auch, die­ses Gesetz als sol­ches, nicht ein­zel­ne sei­ner Rege­lun­gen, für mit den Grund­rech­ten unver­ein­bar zu erklä­ren. Soweit die Beschwer­de­füh­rer in der Beschwer­de­be­grün­dung dar­über hin­aus aus­füh­ren, die im Rah­men des Zen­sus 2011 erfol­gen­de Daten­er­he­bung nach den §§ 3 bis 8 ZensG und die Zusam­men­füh­rung die­ser Daten nach § 9 ZensG sei­en ein nicht zu recht­fer­ti­gen­der Grund­rechts­ein­griff, genügt dies den Anfor­de­run­gen von § 92 BVerfGG eben­falls nicht. Denn ange­sichts des umfang­rei­chen und detail­lier­ten Rege­lungs­ge­halts der §§ 3 bis 9 ZensG reicht deren undif­fe­ren­zier­te Nen­nung für eine hin­rei­chen­de Bezeich­nung des ange­grif­fe­nen Hoheits­akts nicht aus2.

Auch im Übri­gen genügt die Beschwer­de­be­grün­dung nicht den Anfor­de­run­gen von § 23 Abs. 1 Satz 2 Halb­satz 1 und § 92 BVerfGG, weil die Mög­lich­keit einer Grund­rechts­ver­let­zung durch die ange­grif­fe­nen Rege­lun­gen nicht hin­rei­chend sub­stan­ti­iert dar­ge­tan ist3. Ins­be­son­de­re lässt sich dem Beschwer­de­vor­brin­gen nicht aus­rei­chend ent­neh­men, wel­che Ein­grif­fe in das Recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung nach Art. 2 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit Art. 1 Abs. 1 GG, des­sen Ver­let­zung die Beschwer­de­füh­rer in ers­ter Linie rügen, der Zen­sus 2011 näher mit sich bringt. Die Beschwer­de­füh­rer legen weder dar, wel­ches Gewicht die­sen Ein­grif­fen im Ein­zel­nen zukommt noch im Hin­blick auf wel­che Wir­kun­gen die­se den Anfor­de­run­gen der Recht­spre­chung oder dem Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­grund­satz nicht genü­gen sol­len. Damit lässt sich auf der Grund­la­ge der Beschwer­de­be­grün­dung die Mög­lich­keit einer Grund­rechts­ver­let­zung nicht hin­rei­chend erken­nen.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 21. Sep­tem­ber 2010 – 1 BvR 1865/​10

  1. vgl. BVerfGE 109, 279, 305; BVerfG, Beschluss vom 21.04.1998 – 1 BvR 1086/​92, NVwZ 1998, 1287, 1288; BVerfGK 10, 365, 368 f.
  2. vgl. BVerfG, Beschluss vom 21.04.1998 – 1 BvR 1086/​92, NVwZ 1998, 1287, 1288
  3. vgl. BVerfGE 89, 155, 171