Weg­ge­schwom­me­ne Grund­stü­cke

„Weg­ge­schwom­me­ne Grund­stü­cke“ sind nur sol­che, die ihre Un­ter­neh­mens­zu­ge­hö­rig­keit nach der Schä­di­gung des Un­ter­neh­mens ver­lo­ren haben. Dar­an fehlt es, wenn bei der Ent­zie­hung des Un­ter­neh­mens ei­ni­ge da­zu­ge­hö­ri­ge Ver­mö­gens­ge­gen­stän­de nicht dem neu­en Un­ter­neh­mens­trä­ger zu­ge­wie­sen, son­dern zu Guns­ten eines an­de­ren Rechts­trä­gers ent­eig­net wur­den.

Weg­ge­schwom­me­ne Grund­stü­cke

Wer einen Antrag auf Rück­ga­be des Unter­neh­mens gestellt hat und dem Grun­de nach stel­len konn­te, kann nicht dane­ben oder statt­des­sen die Rück­ga­be ein­zel­ner Ver­mö­gens­ge­gen­stän­de ver­lan­gen (§ 3 Abs. 1 Satz 3 VermG). Der Berech­tig­te hat nicht die Wahl zwi­schen einem Anspruch auf das Unter­neh­men als Gan­zes und der Rück­for­de­rung ein­zel­ner sei­ner Tei­le, ins­be­son­de­re der Betriebs­grund­stü­cke. Das dient dem Zweck, lebens­fä­hi­ge Unter­neh­men zu erhal­ten und die Gläu­bi­ger vor einer Schmä­le­rung der Haf­tungs­grund­la­ge zu schüt­zen [1]. Dar­aus folgt aber zugleich, dass sich die­ser Vor­rang der Unter­neh­mens­re­sti­tu­ti­on auf die­je­ni­gen Ver­mö­gens­ge­gen­stän­de beschränkt, die im Zeit­punkt der Schä­di­gung zum Betriebs­ver­mö­gen des Unter­neh­mens gehör­ten [2]. Ob ein Ver­mö­gens­ge­gen­stand zum Betriebs­ver­mö­gen eines Unter­neh­mens gehört, rich­tet sich nach sei­ner Wid­mung zum Unter­neh­mens­zweck, also nach sei­ner betrieb­li­chen Zweck­be­stim­mung [3].

Nach der Sys­te­ma­tik des Ver­mö­gens­ge­set­zes sind soge­nann­te weg­ge­schwom­me­ne Unter­neh­mens­grund­stü­cke von der Rück­ga­be aus­ge­schlos­sen sind. Wie erwähnt, kann ein Berech­tig­ter, dem ein Unter­neh­men ent­zo­gen wur­de, nur die Rück­ga­be nach den Vor­schrif­ten über die Unter­neh­mens­re­sti­tu­ti­on ver­lan­gen, nicht hin­ge­gen die Rück­ga­be ein­zel­ner Gegen­stän­de, die im Zeit­punkt der Schä­di­gung zum Unter­neh­mens­ver­mö­gen gehör­ten (§ 3 Abs. 1 Satz 3 VermG). Das trägt unter ande­rem dem Umstand Rech­nung, dass der Zugriff auf ein Unter­neh­men als sol­ches die dar­in zusam­men­ge­fass­ten Ver­mö­gens­ge­gen­stän­de nur mit­tel­bar betrifft und die­se Gegen­stän­de zudem selbst im Rah­men der nor­ma­len (wei­te­ren) Unter­neh­mens­tä­tig­keit lau­fen­den Ver­än­de­run­gen unter­wor­fen sein kön­nen, ohne dass des­we­gen das Unter­neh­men ein ande­res wer­den muss. Ist das zurück­ver­lang­te Unter­neh­men mit dem ent­zo­ge­nen im Sin­ne von § 6 Abs. 1 Satz 1 VermG ver­gleich­bar, so bedeu­tet dies gleich­zei­tig, dass dem Unter­neh­men „zuge­schwom­me­ne“ Ver­mö­gens­ge­gen­stän­de vom Rück­über­tra­gungs­an­spruch nach § Abs. 1 Satz 1 VermG erfasst wer­den und dass auf „weg­ge­schwom­me­ne“ ver­zich­tet wer­den muss. Dar­an knüpft die Bestim­mung des § 6 Abs. 1 Satz 2 VermG an, wonach im Zeit­punkt der Rück­ga­be fest­zu­stel­len­de wesent­li­che Ver­schlech­te­run­gen oder wesent­li­che Ver­bes­se­run­gen der Ver­mö­gens- oder Ertrags­la­ge aus­zu­glei­chen sind [4].

Dar­aus ergibt sich aber, dass „weg­ge­schwom­me­ne Grund­stü­cke“ nur sol­che sind, die ihre Unter­neh­mens­zu­ge­hö­rig­keit – erst – nach der Schä­di­gung des Unter­neh­mens ver­lo­ren haben [5]. Davon ist auch das Ver­wal­tungs­ge­richt bei sei­ner Ent­schei­dung aus­ge­gan­gen. Folg­lich ist ein „Weg­schwim­men“ zu ver­nei­nen, wenn bei der Ent­zie­hung des Unter­neh­mens eini­ge dazu­ge­hö­ri­ge Ver­mö­gens­ge­gen­stän­de nicht dem neu­en Unter­neh­mens­trä­ger zuge­wie­sen, son­dern zu Guns­ten eines ande­ren Rechts­trä­gers ent­eig­net wur­den. Dann liegt eine auf die­se Ver­mö­gens­ge­gen­stän­de bezo­ge­ne beson­de­re Schä­di­gungs­maß­nah­me vor, der mit dem jeweils für sie gel­ten­den rück­ga­be­recht­li­chen Insti­tut Rech­nung zu tra­gen ist [6], regel­mä­ßig mit der Ein­zel­re­sti­tu­ti­on, gege­be­nen­falls aber – wenn die dop­pel­te Ent­zie­hung sich als Spal­tung des Unter­neh­mens in zwei oder meh­re­re selbst­stän­di­ge Teil­un­ter­neh­men dar­stellt – auch mit der Unter­neh­mens­re­sti­tu­ti­on.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 28. März 2012 – 8 B 76.11

  1. BVerwG, Urteil vom 06.04.1995 – 7 C 11.94, BVerw­GE 98, 154, 159 = Buch­holz 111 Art. 22 EV Nr. 10[]
  2. vgl. BVerwG, Urteil vom 13.02.1997 – 7 C 54.96, BVerw­GE 104, 92, 97 = Buch­holz 428 § 6 VermG Nr. 25[]
  3. BVerwG, Urteil vom 20.11.1997 – 7 C 40.96, Buch­holz 428 § 2 VermG Nr. 35 S. 49 f.[]
  4. BVerwG, Urteil vom 13.02.1997 – 7 C 54.96, BVerw­GE 104, 92, 94 f. = Buch­holz 428 § 6 VermG Nr. 25[]
  5. BVerwG, Urteil vom 13.02.1997 a.a.O. S. 93[]
  6. BVerwG, Urtei­le vom 13.02.1997 a.a.O. S. 97 und vom 20.11.1997 – 7 C 40.96, Buch­holz 428 § 2 VermG Nr. 35 S. 50 f.[]