Wind­rä­der gegen die Radar­an­la­gen der Bun­des­wehr

Stört eine Wind­ener­gie­an­la­ge die Funk­ti­ons­fä­hig­keit einer Radar­an­la­ge der Bun­des­wehr? Mit die­ser Fra­ge hat­te sich jetzt das Ver­wal­tungs­ge­richt Han­no­ver zu beschäf­ti­gen – und gab im Rah­men des einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes zunächst ein­mal dem Betrei­ber der Wind­ener­gie­an­la­ge Recht:

Wind­rä­der gegen die Radar­an­la­gen der Bun­des­wehr

Die Antrag­stel­le­rin errich­tet und betreibt Wind­ener­gie­an­la­gen im Gebiet der Stadt Bad Pyr­mont. Im Novem­ber 2009 erteil­te der Land­kreis Hameln-Pyr­mont der Antrag­stel­le­rin eine immis­si­ons­schutz­recht­li­che Geneh­mi­gung für die Errich­tung von drei Wind­ener­gie­an­la­gen im Bereich der Orts­tei­le Baar­sen und Neer­sen. Die Anla­gen­stand­or­te lie­gen etwa 34 km von der Radar­an­la­ge der Bun­des­wehr in Auen­hau­sen ent­fernt, die der Luft­ver­tei­di­gung dient. Gegen die Geneh­mi­gung einer der drei Anla­gen klagt die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Han­no­ver, weil sie durch deren Errich­tung die Funk­ti­ons­fä­hig­keit der Radar­an­la­ge und damit die Fähig­keit zur Luft­auf­klä­rung gefähr­det sieht. Die Kla­ge, über die das Ver­wal­tungs­ge­richt Han­no­ver noch nicht ent­schie­den hat, ent­fal­te­te auf­schie­ben­de Wir­kung, sodass die Antrag­stel­le­rin gehin­dert war, mit dem Bau der umstrit­te­nen Wind­ener­gie­an­la­ge zu begin­nen. Der Land­kreis Hameln-Pyr­mont hat es abge­lehnt, der Antrag­stel­le­rin die vor­zei­ti­ge Errich­tung der Anla­ge gleich­wohl zu ermög­li­chen.

Mit ihrem Antrag möch­te die Antrag­stel­le­rin die Anord­nung der sofor­ti­gen Voll­zie­hung und damit die Zulas­sung der vor­zei­ti­gen Errich­tung der Wind­ener­gie­an­la­ge errei­chen. Das Ver­wal­tungs­ge­richt Han­no­ver hat dem Antrag statt­ge­ge­ben: Nach dem gegen­wär­ti­gen Stand der Din­ge wird die Kla­ge der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ohne Erfolg blei­ben, weil die Bun­des­re­pu­blik bereits aus for­ma­len Grün­den gehin­dert ist, eine Beein­träch­ti­gung ihrer Radar­an­la­ge gel­tend zu machen. Über die pla­nungs­recht­li­che Zuläs­sig­keit der Anla­ge unter dem Gesichts­punkt der Radar­tech­nik sei bereits durch einen bestands­kräf­ti­gen Vor­be­scheid ent­schie­den wor­den. Dar­über hin­aus hat die Bun­des­re­pu­blik auch in der Sache nicht dar­ge­legt, dass von der umstrit­te­nen Wind­ener­gie­an­la­ge tat­säch­lich ein nach­tei­li­ger Ein­fluss auf die Radar­an­la­ge Auen­hau­sen aus­ge­hen wird. Die von der Bun­des­wehr her­an­ge­zo­ge­nen Model­le bezie­hen sich im Wesent­li­chen auf Wind­ener­gie­an­la­gen im Nah­be­reich einer Radar­an­la­ge, nicht aber auf eine Anla­ge, die in 34 km Ent­fer­nung liegt. Die Erör­te­rung des Sach­ver­halts mit den Exper­ten der Bun­des­wehr hat viel­mehr erge­ben, dass die Bun­des­wehr offen­bar selbst im Unkla­ren dar­über ist, ob und gege­be­nen­falls wie sich die umstrit­te­ne Wind­ener­gie­an­la­ge auf die Funk­ti­on der Radar­an­la­ge Auen­hau­sen aus­wir­ken wird.

Ver­wal­tungs­ge­richt Han­no­ver, Beschluss vom 21. Dezem­ber 2010 – 12 B 3465/​10