Abwech­selnd bei Vater und bei Mut­ter – und die Schü­ler­fahr­kos­ten

Für die Erstat­tung von Schü­ler­fahr­kos­ten kommt es auch dann allein auf die mel­de­recht­li­che Haupt­woh­nung und deren Ent­fer­nung zur nächst­ge­le­ge­nen Schu­le an, wenn der betrof­fe­ne Schü­ler nach der Schei­dung sei­ner Eltern im wöchent­li­chen Wech­sel bei Mut­ter und Vater wohnt (sog. „Dop­pel­re­si­denz­mo­dell“).

Abwech­selnd bei Vater und bei Mut­ter – und die Schü­ler­fahr­kos­ten

In dem jetzt vom Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz in Koblenz ent­schie­de­nen Fall besucht der Klä­ger ein Gym­na­si­um in Mainz. Er lebt nach der Schei­dung sei­ner Eltern im wöchent­li­chen Wech­sel glei­cher­ma­ßen bei der Mut­ter wie beim Vater. Sei­nen Antrag auf Über­nah­me der Fahr­kos­ten zur Schu­le lehn­te die beklag­te Stadt mit der Begrün­dung ab, sein Schul­weg, für des­sen Berech­nung allein die bei der Mut­ter gemel­de­te Haupt­woh­nung maß­geb­lich sei, betra­ge weni­ger als 4 km. Dass die Woh­nung sei­nes Vaters wesent­lich wei­ter von der Schu­le ent­fernt lie­ge, sei dem­ge­gen­über uner­heb­lich. Auf die hier­ge­gen erho­be­ne Kla­ge ver­pflich­te­te das Ver­wal­tungs­ge­richt Mainz die Stadt, die Fahr­kos­ten zur Hälf­te zu über­neh­men, weil der Klä­ger in glei­chem Umfang bei bei­den Eltern­tei­len woh­ne. Die­ses Urteil hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz nun­mehr abge­än­dert und die Kla­ge abge­wie­sen.

Für die Län­ge des Schul­wegs sei allein die Haupt­woh­nung im mel­de­recht­li­chen Sin­ne maß­ge­bend, so dass eine antei­li­ge Fahr­kos­ten­er­stat­tung auch dann aus­schei­de, wenn ein Schü­ler tat­säch­lich glei­cher­ma­ßen bei bei­den Eltern­tei­len woh­ne. Schon aus dem Wort­laut der ein­schlä­gi­gen Bestim­mun­gen des Lan­des­schul­ge­set­zes erge­be sich, dass für die Über­nah­me der Schü­ler­fahr­kos­ten nur eine Woh­nung zu berück­sich­ti­gen sei. Hier­bei kön­ne es sich nach Sinn und Zweck der Vor­schrif­ten nur um die Haupt­woh­nung im mel­de­recht­li­chen Sin­ne han­deln. Unnö­ti­ger Ver­wal­tungs­auf­wand wer­de durch die Anleh­nung an das Mel­de­recht ver­mie­den.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Urteil vom 17. Juni 2011 – 2 A 10395/​11.OVG