Abge­kürz­te Fir­men­be­zeich­nun­gen und der Mar­ken­schutz

Solan­ge die nicht abge­kürz­te Fir­men­be­zeich­nung ver­wen­det wird und geschützt ist, kann der Prü­fung, ob sich einer ihrer Bestand­tei­le als Schlag­wort eig­net, nicht allein eine dane­ben in Gebrauch genom­me­ne abge­kürz­te Fir­men­be­zeich­nung zugrun­de gelegt wer­den. Wer­den Bestand­tei­le einer Fir­ma sowohl für sich betrach­tet als auch in ihrer Ver­bin­dung vom Ver­kehr als beschrei­ben­de Sach­be­zeich­nung ver­stan­den, so kann ihnen aus ori­gi­nä­rer Kenn­zeich­nungs­kraft kein kenn­zei­chen­recht­li­cher Schutz als Fir­men­schlag­wort zuge­bil­ligt wer­den.

Abge­kürz­te Fir­men­be­zeich­nun­gen und der Mar­ken­schutz

Die rechts­er­hal­ten­de Benut­zung einer Mar­ke im Sin­ne von § 26 Abs. 1 Mar­kenG erfor­dert, dass die Mar­ke in übli­cher und sinn­vol­ler Wei­se für die Ware ver­wen­det wird, für die sie ein­ge­tra­gen ist 1. Wird die Mar­ke in einer von der Ein­tra­gung abwei­chen­den Form benutzt, liegt eine rechts­er­hal­ten­de Benut­zung nach § 26 Abs. 3 Mar­kenG nur vor, wenn die Abwei­chun­gen den kenn­zeich­nen­den Cha­rak­ter der Mar­ke nicht ver­än­dern. Das ist dann der Fall, wenn der Ver­kehr das abwei­chend benutz­te Zei­chen gera­de bei Wahr­neh­mung der Unter­schie­de dem Gesamt­ein­druck nach noch mit der ein­ge­tra­ge­nen Mar­ke gleich­setzt, das heißt in der benutz­ten Form noch die­sel­be Mar­ke sieht 2. Die­se Beur­tei­lung ist grund­sätz­lich dem Tatrich­ter vor­be­hal­ten und im Revi­si­ons­ver­fah­ren nur ein­ge­schränkt, ins­be­son­de­re auf zutref­fen­de Rechts­an­wen­dung und die Beach­tung der all­ge­mei­nen Lebens­er­fah­rung, über­prüf­bar 3.

Der Schutz des Unter­neh­mens­kenn­zei­chens nach § 5 Abs. 2 Satz 1 Mar­kenG ent­steht bei von Haus aus unter­schei­dungs­kräf­ti­gen Bezeich­nun­gen mit Auf­nah­me der Benut­zung im geschäft­li­chen Ver­kehr zur Kenn­zeich­nung des Geschäfts­be­triebs 4. Bei schlag­wort­fä­hi­gen Fir­men­be­stand­tei­len ist der Kenn­zei­chen­schutz, der ledig­lich die Eig­nung vor­aus­setzt, im Ver­kehr als Her­kunfts­hin­weis zu die­nen, aus der Gesamt­fir­ma abge­lei­tet und ent­steht daher bereits mit dem Schutz der voll­stän­di­gen Bezeich­nung 5. Dabei kann für einen Teil einer Fir­men­be­zeich­nung der vom Schutz des voll­stän­di­gen Fir­men­na­mens abge­lei­te­te Schutz als Unter­neh­mens­kenn­zei­chen im Sin­ne des § 5 Abs. 2 Mar­kenG bean­sprucht wer­den, sofern es sich um einen unter­schei­dungs­kräf­ti­gen Fir­men­be­stand­teil han­delt, der sei­ner Art nach im Ver­gleich zu den übri­gen Fir­men­be­stand­tei­len geeig­net erscheint, sich im Ver­kehr als schlag­wort­ar­ti­ger Hin­weis auf das Unter­neh­men durch­zu­set­zen 6. Ist dies zu beja­hen, kommt es nicht mehr dar­auf an, ob die frag­li­che Kurz­be­zeich­nung tat­säch­lich als Fir­men­schlag­wort in Allein­stel­lung ver­wen­det wird und ob sie sich im Ver­kehr durch­ge­setzt hat 7.

Zwar kann ein kenn­zeich­nungs­kräf­ti­ges Schlag­wort auch aus dem abge­kürz­ten Fir­men­kenn­zei­chen abge­lei­tet wer­den, wenn die Abkür­zung durch Inge­brauch­nah­me Schutz genießt. Solan­ge aber die eigent­li­che Fir­men­be­zeich­nung ver­wen­det wird und geschützt ist, kann der Prü­fung, ob sich einer ihrer Bestand­tei­le als Schlag­wort eig­net, nicht allein eine dane­ben in Gebrauch genom­me­ne abge­kürz­te Fir­men­be­zeich­nung zugrun­de gelegt wer­den.

Im vor­lie­gen­den Fall bedeu­tet dies für den Bun­des­ge­richts­hof: Da der Klä­ger nach den Fest­stel­lun­gen unter der Fir­ma "Fürst­lich Castell'sches Domä­nenamt Albrecht Fürst zu Cas­tell-Cas­tell" auf­tritt, hät­te das Beru­fungs­ge­richt der Prü­fung, ob der Begriff "Cas­tell" ein geschütz­tes Fir­men­schlag­wort dar­stellt, daher in ers­ter Linie die nicht abge­kürz­te Fir­men­be­zeich­nung zugrun­de legen müs­sen.

Ein Schutz des in der voll­stän­di­gen Fir­men­be­zeich­nung des Klä­gers ent­hal­te­nen Bestand­teils "Cas­tell" als Unter­neh­mens­schlag­wort gemäß § 5 Abs. 2 Mar­kenG setzt vor­aus, dass die Bezeich­nung "Cas­tell" unter­schei­dungs­kräf­tig und nach der Ver­kehrs­auf­fas­sung ihrer Natur nach geeig­net ist, wie ein Name des Unter­neh­mens zu wir­ken 8. Wer­den Bestand­tei­le einer Fir­ma sowohl für sich betrach­tet als auch in ihrer Ver­bin­dung vom Ver­kehr als beschrei­ben­de Sach­be­zeich­nung ver­stan­den, so kann ihnen aus ori­gi­nä­rer Kenn­zeich­nungs­kraft kein kenn­zei­chen­recht­li­cher Schutz als Fir­men­schlag­wort zuge­bil­ligt wer­den 9.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 31. Mai 2012 – I ZR 112/​10

  1. vgl. BGH, Urteil vom 21.07.2005 – I ZR 293/​02, GRUR 2005, 1047, 1049 = WRP 2005, 1527 OTTO; Urteil vom 18.12.2008 – I ZR 200/​06, GRUR 2009, 772 Rn. 39 = WRP 2009, 971 Augs­bur­ger Pup­pen­kis­te[]
  2. vgl. BGH, GRUR 2009, 772, Rn. 39 – Augs­bur­ger Pup­pen­kis­te; Urteil vom 19.11.2009 – I ZR 142/​07, GRUR 2010, 729 Rn. 17 = WRP 2010, 1046 MIXI[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 26.04.2001 – I ZR 212/​98, GRUR 2002, 167, 168 = WRP 2001, 1320 – Bit/​Bud; BGH, GRUR 2009, 772 Rn. 44 – Augs­bur­ger Pup­pen­kis­te[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 19.02.2009 – I ZR 135/​06, GRUR 2009, 685 Rn. 17 = WRP 2009, 803 ahd.de, mwN[]
  5. vgl. BGH, GRUR 2009, 685 Rn. 17 – ahd.de[]
  6. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urteil vom 28.01.1999 – I ZR 178/​96, GRUR 1999, 492, 493 = WRP 1999, 523 – Alt­ber­li­ner, mwN[]
  7. vgl. BGH, GRUR 1999, 492, 493 – Alt­ber­li­ner[]
  8. vgl. BGH, Urteil vom 27.09.1995 – I ZR 199/​93, GRUR 1996, 68, 69 = WRP 1997, 446 – Cot­ton Line[]
  9. vgl. BGH, Urteil vom 21.07.2005 – I ZR 318/​02, GRUR 2005, 873, 874 = WRP 2005, 1246 Star Enter­tain­ment[]