Arzt oder Heil­prak­ti­ker?

Ver­weist ein Heil­prak­ti­ker einen Pati­en­ten nicht an einen Arzt, obwohl dies medi­zi­nisch gebo­ten war, kann dies den Wider­ruf der Heil­prak­ti­ker­er­laub­nis recht­fer­ti­gen.

Arzt oder Heil­prak­ti­ker?

In einem jetzt vom Ver­wal­tungs­ge­richt Han­no­ver ent­schie­de­nen Fall wand­te sich der Antrag­stel­ler, ein in Bücke­burg täti­ger 67-jäh­ri­gen Heil­prak­ti­ker, gegen einen vom Land­kreis Schaum­burg erlas­se­nen Wider­ruf sei­ner Heil­prak­ti­ker­er­laub­nis. Das Ver­wal­tungs­ge­richt ging auf­grund der Zeu­gen­aus­sa­ge der Pati­en­tin und Aus­sa­gen ihrer Ange­hö­ri­gen davon aus, dass der Heil­prak­ti­ker die Pati­en­tin dar­in bestärk­te, fach­ärzt­li­che Hil­fe nicht in Anspruch zu neh­men, obwohl die Pati­en­tin im Juni 2005 fest­ge­stellt hat­te, dass ein Kno­ten in ihrer Brust vor­han­den war. Auch die vor­an­schrei­ten­de Defor­mie­rung der Brust bis hin zu einer blu­ten­den Wun­de ver­an­lass­te ihn nicht zum Abbruch der heil­prak­ti­schen Behand­lung und Über­wei­sung der Pati­en­tin an einen Fach­arzt. Das Ver­wal­tungs­ge­richt Han­no­ver folg­te nicht dem Vor­trag des Heil­prak­ti­kers, er habe Hin­wei­se auf eine fach­ärzt­lich gebo­te­ne Abklä­rung der Erkran­kung gege­ben. Zwar doku­men­tier­te er die äußer­li­chen Anzei­chen der Brust­krebs­er­kran­kung, die Schmerz­be­kun­dun­gen der Pati­en­tin und die von ihm durch­ge­führ­ten Behand­lun­gen zur Besei­ti­gung des Lymphs­taus, nicht aber den von ihm behaup­te­te Hin­weis. Statt­des­sen erhöh­te er ste­tig die heil­prak­ti­sche Behand­lungs­in­ten­si­tät. Die Pati­en­tin wur­de fort­lau­fend schwä­cher und brach im April 2007 zusam­men. Die Brust­krebs­er­kran­kung war zu die­sem Zeit­punkt in einem weit fort­ge­schrit­te­nen Sta­di­um und eine Viel­zahl von Orga­nen war bereits von Meta­sta­sen befal­len. Die Pati­en­tin ver­starb im Novem­ber 2008.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Han­no­ver sah die beruf­li­che Zuver­läs­sig­keit des Heil­prak­ti­kers zur Aus­übung sei­nes Berufs nicht mehr als gege­ben an. Es bestä­tigt die sofor­ti­ge Been­di­gung sei­ner Heil­prak­ti­ker­tä­tig­keit durch den Land­kreis Schaum­burg, weil es die drin­gen­de Gefahr sieht, dass es ande­ren­falls zu wei­te­ren Fehl­be­hand­lun­gen kom­men könn­te.

Ver­wal­tungs­ge­richt Han­no­ver, Beschluss vom 25. Juni 2010 – 5 B 2650/​10