Bun­des­rech­nungs­hof darf prü­fen

Der Bun­des­rech­nungs­hof ist berech­tigt, die Haus­halts- und Wirt­schafts­füh­rung des Ver­ban­des Deut­sche Gesetz­li­che Unfall­ver­si­che­rung e.V., DGUV, zu prü­fen.

Bun­des­rech­nungs­hof darf prü­fen

Der beklag­te DGUV ist der Spit­zen­ver­band der gewerb­li­chen Berufs­ge­nos­sen­schaf­ten und der Unfall­ver­si­che­rungs­trä­ger der öffent­li­chen Hand. Er wur­de vom Ver­wal­tungs­ge­richt 1ver­pflich­tet, Erhe­bun­gen von Beauf­trag­ten des Bun­des­rech­nungs­hofs über sei­ne Haus­halts- und Wirt­schafts­füh­rung zu dul­den, Ein­sicht in Unter­la­gen zu gewäh­ren und Aus­künf­te zu ertei­len. Vor dem Ver­wal­tungs­ge­richts­hof 2hat­te die Beru­fung des Beklag­ten Erfolg. Die Revi­si­on führ­te zur Wie­der­her­stel­lung des erst­in­stanz­li­chen Urteils.

Nach Auf­fas­sung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt wird dem Bun­des­rech­nungs­hof durch die Bun­des­haus­halts­ord­nung das gel­tend gemach­te Prü­fungs­recht bereits dann ein­ge­räumt, wenn min­des­tens ein Mit­glied des Beklag­ten der Prü­fung durch den Bun­des­rech­nungs­hof unter­liegt. Die­ses Norm­ver­ständ­nis ergibt sich ins­be­son­de­re aus dem Zweck der Rege­lung, eine unein­ge­schränk­te und umfas­sen­de öffent­li­che Finanz­kon­trol­le des Bun­des zu gewähr­leis­ten. Dazu gehört nicht nur die Finanz­kon­trol­le der Sozi­al­ver­si­che­rungs­trä­ger, die vom Bund Zuschüs­se oder Garan­ti­en erhal­ten. Die Kon­trol­le erstreckt sich auch auf die Ver­bän­de, denen sol­che Sozi­al­ver­si­che­rungs­trä­ger ange­hö­ren und die von ihnen mit­fi­nan­ziert wer­den.

In die­sem Fall erhal­ten zwei Mit­glie­der des Beklag­ten (Unfall­kas­se des Bun­des, Eisen­bahn-Unfall­kas­se) Bun­des­zu­schüs­se. Für ein wei­te­res Mit­glied (Unfall­kas­se Post und Tele­kom) bestand bis Ende letz­ten Jah­res eine Garan­tie­ver­pflich­tung des Bun­des. Grund­rechts­ver­let­zun­gen kann der DGUV nicht gel­tend machen. Als Ver­band grund­rechts­un­fä­hi­ger juris­ti­scher Per­so­nen des öffent­li­chen Rechts, der Auf­ga­ben öffent­li­cher Ver­wal­tung wahr­nimmt, kann er nicht Trä­ger von Grund­rech­ten sein. Mit dem rechts­staat­li­chen Gebot der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit ist das Prü­fungs­recht ver­ein­bar.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt Leip­zig, Urteil vom 23. Febru­ar 2011 – 8 C 53.09

  1. VG Mün­chen, Urteil v. 20.12.2007 – M 17 K 06.3439[]
  2. VGH Mün­chen, Urteil v. 30.11.2009 – 12 BV 08.573[]