Chef­arzt­be­hand­lung – und die Ope­ra­ti­on durch sei­nen Ver­tre­ter

Ver­ein­bart der Pati­ent vor einem geplan­ten Heil­ein­griff gegen zusätz­li­ches Hono­rar die Behand­lung durch den Chef­arzt der Kli­nik, so ist sei­ne Ein­wil­li­gungs­auf­klä­rung auf die Durch­füh­rung der Ope­ra­ti­on durch den Chef­arzt per­sön­lich beschränkt 1 .

Chef­arzt­be­hand­lung – und die Ope­ra­ti­on durch sei­nen Ver­tre­ter

Wird die Ope­ra­ti­on in einem sol­chen Fall durch einen, selbst vor­her nament­lich auf­ge­lis­te­ten Ver­tre­ter des Chef­arz­tes durch­ge­führt, so ist der Ein­griff man­gels Ein­wil­li­gungauf­klä­rung gleich­wohl rechts­wid­rig, wenn nicht der Pati­ent zuvor von der – tat­säch­lich bestehen­den und der Behand­lungs­sei­te nach­zu­wei­sen­den – unvor­her­ge­se­hen Ver­hin­de­rung des Chef­arz­tes infor­miert wor­den ist.

Bezahlt ein Pati­ent in einer sol­chen Situa­ti­on in dem Wis­sen, dass sich bei der durch den Ver­tre­ter des Chef­arz­tes durch­ge­führ­ten Ope­ra­ti­on ein­griff­spe­zi­fi­sche Risi­ken ver­wirk­licht haben, so liegt in einer Bezah­lung der Arzt­rech­nung kei­ne kon­klu­den­te nach­träg­li­che Bil­li­gung der Behand­ler­sub­sti­tu­ti­on 2. Dem eine Chef­arzt­rech­nung bezah­len­den Pati­en­ten fehlt regel­mä­ßig das erfor­der­li­che Erklä­rungs­be­wusst­sein, die Durch­füh­rung der Ope­ra­ti­on durch den Ver­tre­ter des Chef­arz­tes nach­träg­lich zu geneh­mi­gen.

Ist die Fra­ge der Stell­ver­tre­tung – wie hier – in AGB gere­gelt, ist zur wirk­sa­men Ver­tre­ter­re­ge­lung gemäß § 308 Nr. 4 BGB nur eine sol­che Klau­sel zuläs­sig, in der der Ein­tritt eines Ver­tre­ters des Wahl­arz­tes auf die Fäl­le beschränkt ist, in denen des­sen Ver­hin­de­rung im Zeit­punkt des Abschlus­ses der Wahl­leis­tungs­ver­ein­ba­rung nicht bereits fest­steht, etwa weil die Ver­hin­de­rung (Krank­heit, Urlaub etc.) selbst noch nicht abseh­bar oder weil noch nicht bekannt ist, dass ein bestimm­ter ver­hin­der­ter Wahl­arzt, auf den sich die Wahl­leis­tungs­ver­ein­ba­rung erstreckt, zu Behand­lung hin­zu­ge­zo­gen wer­den muss. Über­dies ist eine Stell­ver­tre­ter­ver­ein­ba­rung in AGB nach § 308 Nr. 4 BGB nur dann wirk­sam, wenn dar­in als Ver­tre­ter der stän­di­ge ärzt­li­che Ver­tre­ter bestimmt ist. Außer­dem muss auch der stän­di­ge ärzt­li­che Ver­tre­ter in der Ver­ein­ba­rung nament­lich benannt sein 3.

Sämt­li­che vor­ge­nann­ten Grund­sät­ze gel­ten unab­hän­gig davon, ob es um einen Hono­rar­an­spruch des Arz­tes oder um einen gegen den Arzt gerich­te­ten behand­lungs­ver­trag­li­chen Haf­tungs­an­spruch des Pati­en­ten geht.

Ober­lan­des­ge­richt Braun­schweig – Urteil vom 25. Sep­tem­ber 2013 – 1 U 24/​12

  1. vgl. BGH, Urteil vom 11.05.2010 – VI ZR 252/​08, Rn. 7[]
  2. ent­ge­gen OLG Köln, Urteil vom 12.10.1995 – 5 U 234/​94, VersR 1997, 115[]
  3. Anschluss an BGH, Urteil vom 20.12.2007 – III ZR 144/​07, Rn. 9 – 11[]