Die AGB des Kran­un­ter­neh­mers – und die Haf­tung für die Bodenverhältnisse

Rege­lun­gen in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen eines Kran­un­ter­neh­mers, mit denen wie in Zif­fer 20 Abs. 1 Satz 1, 2 und 4 der AGB-BSK Kran und Trans­port 2008 dem Auf­trag­ge­ber ein­schrän­kungs­los und ohne Fest­le­gung von Mit­wir­kungs­pflich­ten des Kran­un­ter­neh­mers die Ver­ant­wort­lich­keit für die Eig­nung der Boden­ver­hält­nis­se für den ver­ein­bar­ten Kran­ein­satz und die Ver­pflich­tung, auf die Lage und das Vor­han­den­sein von unter­ir­di­schen Hohl­räu­men am Ein­satz­ort unauf­ge­for­dert hin­zu­wei­sen, auf­er­legt wer­den, benach­tei­li­gen den Auf­trag­ge­ber unan­ge­mes­sen und sind des­halb unwirksam.

Die AGB des Kran­un­ter­neh­mers – und die Haf­tung für die Bodenverhältnisse

Im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Streit­fall stellt der Ver­trag der Bestel­le­rin und der Kran­un­ter­neh­me­rin einen Fracht­ver­trag dar. Zwar lässt sich der Ver­ein­ba­rung nicht ent­neh­men, dass die Kran­un­ter­neh­me­rin den abzu­bre­chen­den Ofen in ihre Obhut neh­men und vor Schä­den bewah­ren soll­te, wie dies im Regel­fall für einen Fracht­ver­trag typisch ist. Geht es jedoch wie im Streit­fall dar­um, durch Kran­ar­beit eine Last von einem Ort zum ande­ren zu brin­gen, han­delt es sich um ein Fracht­ge­schäft als Unter­art des Werk­ver­tra­ges [1].

Eine ver­schul­dens­un­ab­hän­gi­ge, sum­men­mä­ßig begrenz­te Haf­tung der Bestel­le­rin gemäß § 414 Abs. 1 HGB in der bis zum 24.04.2013 gel­ten­den Fas­sung, die im Streit­fall noch maß­geb­lich ist, kommt hier nicht in Betracht. Der von der Kran­un­ter­neh­me­rin gel­tend gemach­te Scha­den ist nicht durch einen der in § 414 Abs. 1 Nr. 1 bis 4 HGB genann­ten beson­de­ren Umstän­de entstanden.

Außer­halb des Anwen­dungs­be­reichs von § 414 Abs. 1 HGB haf­tet der Absen­der wegen der Ver­let­zung ver­trag­li­cher Pflich­ten nach den all­ge­mei­nen Regeln der § 241 Abs. 2, §§ 280, 311 BGB [2].

Eine Klau­sel in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen ist über­ra­schend im Sin­ne von § 305c Abs. 1 BGB, wenn sie nach ihrem Inhalt oder nach den Umstän­den, ins­be­son­de­re nach dem äuße­ren Erschei­nungs­bild des Ver­trags, so unge­wöhn­lich ist, dass der Ver­trags­part­ner des Ver­wen­ders nicht mit ihr zu rech­nen brauch­te. Ein Über­ra­schungs­ef­fekt im Sin­ne von § 305c BGB kann sich auch aus der Stel­lung der Klau­sel im Gesamt­werk der all­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen erge­ben. Dabei kommt es aller­dings nicht dar­auf an, an wel­cher Stel­le des Klau­sel­werks die ent­spre­chen­de Klau­sel steht, weil alle Bestim­mun­gen grund­sätz­lich gleich bedeut­sam sind und nicht durch die Plat­zie­rung einer Vor­schrift im Klau­sel­werk auf deren Bedeu­tung geschlos­sen wer­den kann. In der Stel­lung der Klau­sel kann ein Über­ra­schungs­ef­fekt viel­mehr dann lie­gen, wenn die­se in einem sys­te­ma­ti­schen Zusam­men­hang steht, in dem der Ver­trags­part­ner sie nicht zu erwar­ten braucht [3].

Im vor­lie­gen­den Fall hat­te die Kran­un­ter­neh­me­rin aller­dings die AGB-BSK Kran und Trans­port 2008 nicht voll­stän­dig zu ihren All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen gemacht. Die von ihr ver­wen­de­te Klau­sel Zif­fer 20 ist nicht in vol­lem Umfang iden­tisch mit Zif­fer 20 der AGB-BSK Kran und Trans­port 2008. Die ers­ten drei Sät­ze des ers­ten Absat­zes der Klau­sel Zif­fer 20 der All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen der Kran­un­ter­neh­me­rin und der zwei­te Absatz sind wort­gleich mit den ers­ten drei Sät­zen des ers­ten Absat­zes und dem zwei­ten Absatz von Zif­fer 20 AGB-BSK Kran und Trans­port 2008. Nach dem ers­ten Absatz der jewei­li­gen Zif­fer 20 ist der Auf­trag­ge­ber dafür ver­ant­wort­lich, dass die Ver­hält­nis­se am Ein­satz­ort eine ord­nungs­ge­mä­ße und gefahr­lo­se Durch­füh­rung des Auf­tra­ges gestat­ten (Satz 1). Ins­be­son­de­re ist der Auf­trag­ge­ber dafür ver­ant­wort­lich, dass die Boden­ver­hält­nis­se am Kran­stand­platz den auf­tre­ten­den Boden­drü­cken gewach­sen sind (Satz 2). Außer­dem ist der Auf­trag­ge­ber ver­ant­wort­lich für alle Anga­ben über unter­ir­di­sche Kabel­schäch­te, Ver­sor­gungs­lei­tun­gen, sons­ti­ge Erd­lei­tun­gen und Hohl­räu­me, die die Trag­fä­hig­keit des Bodens an der Ein­satz­stel­le oder den Zufahrt­we­gen beein­träch­tig­ten könn­ten (Satz 3). Nach dem jeweils zwei­ten Absatz gel­ten Anga­ben und Erklä­run­gen Drit­ter, deren sich der Auf­trag­ge­ber zur Erfül­lung der ihm oblie­gen­den Ver­pflich­tun­gen bedient, als Eigen­er­klä­run­gen des Auftraggebers.

Zif­fer 20 Abs. 1 Satz 4 der AGB-BSK Kran und Trans­port 2008 und Zif­fer 20 Abs. 1 Satz 4 der All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen der Kran­un­ter­neh­me­rin, die jeweils für den Auf­trag­ge­ber die Pflicht begrün­den, auf bestimm­te Risi­ken des Ein­satz­or­tes beim Kran­ein­satz hin­zu­wei­sen, ent­spre­chen ein­an­der inhalt­lich, soweit es im Streit­fall dar­auf ankommt; Satz 4 des ers­ten Absat­zes von Zif­fer 20 AGB-BSK Kran und Trans­port 2008 begrün­det gegen­über den All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen der Kran­un­ter­neh­me­rin noch wei­ter­ge­hen­de Pflich­ten für den Auftraggeber.

Für den fünf­ten Satz im ers­ten Absatz von Zif­fer 20 der All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen der Kran­un­ter­neh­me­rin, der eine Scha­dens­er­satz­pflicht des Auf­trag­ge­bers bei einer schuld­haf­ten Ver­let­zung sei­ner Hin­weis­pflicht vor­sieht, gibt es in Zif­fer 20 AGB-BSK Kran und Trans­port 2008 kei­ne Ent­spre­chung. Eine ver­gleich­ba­re Rege­lung für die schuld­haf­te Ver­let­zung von Hin­weis­pflich­ten fin­det sich jedoch – zusam­men mit der Rege­lung von wei­te­ren, eine Scha­dens­er­satz­pflicht des Auf­trag­ge­bers begrün­den­den Pflich­ten­ver­let­zun­gen – in Zif­fer 22 AGB-BSK Kran und Trans­port 2008.

Da die von der Kran­un­ter­neh­me­rin 1 ver­wen­de­ten All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen in ihrer Struk­tur und ihrem Inhalt, eben­so wie die hier maß­geb­li­che Klau­sel, weit­ge­hend den AGB-BSK Kran und Trans­port 2008 ent­spre­chen, begeg­net die Annah­me des Beru­fungs­ge­richts kei­nen recht­li­chen Beden­ken, pro­fes­sio­nel­le Bau- und Abbruch­un­ter­neh­men als Auf­trag­ge­ber von Kran­ar­bei­ten müss­ten auf indus­tri­el­len Groß­bau­stel­len mit der Ver­wen­dung ent­spre­chen­der Klau­seln rech­nen [4].

Die Rege­lun­gen in Zif­fer 20 der All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen der Kran­un­ter­neh­me­rin sind infol­ge ihrer Stel­lung im Gesamt­werk eben­falls nicht über­ra­schend. Die All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen der Kran­un­ter­neh­me­rin sind, eben­so wie die AGB-BSK Kran und Trans­port 2008, denen sie weit­ge­hend ent­spre­chen, in einen All­ge­mei­nen Teil und einen Beson­de­ren Teil geglie­dert. Sie unter­schei­den in ihrem All­ge­mei­nen Teil zwi­schen zwei Regel­leis­tungs­ty­pen und zwar zwi­schen der Kran­ge­stel­lung und der Kran­ar­beit. Den bei­den Regel­leis­tungs­ty­pen ent­spre­chend unter­teilt sich der Beson­de­re Teil der AGB-BSK Kran und Trans­port 2008 in zwei mit „Kran­ge­stel­lung“ und „Kran­ar­bei­ten und Trans­port­leis­tun­gen“ über­schrie­be­ne Abschnit­te. Die Zif­fer 20 befin­det sich im zwei­ten Abschnitt des Beson­de­ren Teils unter der Über­schrift „Kran­ar­bei­ten und Trans­port­leis­tun­gen.“ Die­ser Abschnitt ist wie­der­um in zwei Tei­le unter­teilt, die mit „Pflich­ten des Auf­trag­neh­mers und Haf­tung“ und „Pflich­ten des Auf­trag­ge­bers und Haf­tung“ über­schrie­ben sind. Die in Rede ste­hen­de Klau­sel der Zif­fer 20 fin­det sich sys­te­ma­tisch rich­tig in dem mit „Pflich­ten des Auf­trag­ge­bers und Haf­tung“ über­schrie­be­nen Unter­ab­schnitt; der Auf­trag­ge­ber kann sie hier erwarten.

Im vor­lie­gen­den Streit­fall­hal­ten die Sät­ze 1, 2 und 4 des ers­ten Absat­zes von Zif­fer 20 der All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen der Kran­un­ter­neh­me­rin jedoch der Inhalts­kon­trol­le nach § 307 Abs. 1 BGB, der gemäß § 310 Abs. 1 Satz 2 BGB auch bei Ver­wen­dung gegen­über einem Unter­neh­mer Anwen­dung fin­det, nicht stand. Zif­fer 20 Abs. 1 Satz 1 und 2 der All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen der Kran­un­ter­neh­me­rin wei­sen dem Auf­trag­ge­ber das Risi­ko der Trag­fä­hig­keit des Bodens beim Kran­ein­satz zu. Sie sehen eine Ver­ant­wort­lich­keit des Auf­trag­ge­bers dafür vor, dass die Boden­ver­hält­nis­se am Be- und Ent­la­de­ort und am Kran­stand­platz sowie den Zufahrts­we­gen den auf­tre­ten­den Boden­drü­cken und sons­ti­gen Bean­spru­chun­gen gewach­sen sind. Satz 4 der Rege­lung bestimmt, dass der Auf­trag­ge­ber inso­weit auf Gefah­ren unauf­ge­for­dert hin­zu­wei­sen hat. Die­se Rege­lun­gen benach­tei­li­gen die Bestel­le­rin unan­ge­mes­sen, soweit sie ihr unein­ge­schränkt und ohne Fest­le­gung von Mit­wir­kungs­pflich­ten der Kran­un­ter­neh­me­rin Risi­ken im Zusam­men­hang mit der Beschaf­fen­heit des Grund und Bodens und ein­schrän­kungs- und anlass­los Hin­weis­pflich­ten auferlegen.

Aller­dings ist es grund­sätz­lich nicht unan­ge­mes­sen, dem Auf­trag­ge­ber die Ver­ant­wort­lich­keit für die Boden­be­schaf­fen­heit im Ver­hält­nis zu einem von ihm beauf­trag­ten, auf einer Bau­stel­le täti­gen Unter­neh­mer aufzuerlegen.

In der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ist aner­kannt, dass der Bestel­ler einer Werk­leis­tung alles ihm Zumut­ba­re und Mög­li­che zu unter­neh­men hat, um den Werk­un­ter­neh­mer bei der Erfül­lung sei­ner Ver­trags­pflich­ten vor Scha­den zu bewah­ren, und zwar auch vor Schä­den an sei­nem Arbeits­ge­rät [5]. Die­ser Grund­satz gilt auch im Fracht­recht [6].

Im Regel­fall wird der Auf­trag­ge­ber einer Leis­tung, die an einem Bau­werk zu erbrin­gen ist, Eigen­tü­mer oder Besit­zer des Grund­stücks sein. Er wird aus die­sem Grund die ört­li­chen Gege­ben­hei­ten bes­ser ken­nen als der Auf­trag­neh­mer. Dazu zäh­len nicht erkenn­ba­re unter­ir­di­sche Risi­ken. Des­halb erscheint es gerecht­fer­tigt, ihm das Risi­ko der Eig­nung der Boden­be­schaf­fen­heit für die Aus­füh­rung des Auf­trags zuzu­wei­sen. Ist der Auf­trag­ge­ber nicht der Grund­stücks­ei­gen­tü­mer oder der Besit­zer, son­dern – wie im Streit­fall – der für die Bau­stel­le ver­ant­wort­li­che Bau­un­ter­neh­mer oder Abbruch­un­ter­neh­mer, ist die­se Risi­ko­zu­wei­sung eben­falls ange­mes­sen. Der Unter­neh­mer, der auf­grund eines Auf­trags des Eigen­tü­mers oder Besit­zers tätig wird, kann sich erfor­der­li­che Infor­ma­tio­nen über die Boden­ver­hält­nis­se vom Eigen­tü­mer oder Besit­zer auf­grund des bestehen­den Ver­trags­ver­hält­nis­ses beschaf­fen. Des­halb ist es gerecht­fer­tigt, ihm als Bestel­ler einer mit Gefahr ver­bun­de­nen Arbeit im Ver­hält­nis zu einem Sub­un­ter­neh­mer die Ver­ant­wort­lich­keit für die auf der Bau­stel­le vor­han­de­nen Boden­ver­hält­nis­se zuzu­wei­sen [7].

Für eine Ver­ant­wort­lich­keit des Bestel­lers von auf einer Bau­stel­le aus­zu­füh­ren­den Werk­leis­tun­gen für den Bau­grund spricht die Rege­lung des § 645 BGB. Wenn es Sache des Bestel­lers ist, den Stoff für die Her­stel­lung des Werks zu lie­fern, muss er auch die Ver­ant­wor­tung dafür tra­gen, dass der Stoff zur Her­stel­lung des Werks taug­lich ist, und zwar ohne Rück­sicht auf ein etwai­ges Ver­schul­den. Der sich aus der Beschaf­fen­heit des Stoffs erge­ben­den Gefahr für das Gelin­gen des Werks steht der Bestel­ler, wenn er den Stoff zur Ver­fü­gung stel­len soll, näher als der Unter­neh­mer. Der Bun­des­ge­richts­hof hat dem Werk­un­ter­neh­mer des­halb unter Her­an­zie­hung des in § 645 Abs. 1 BGB zum Aus­druck kom­men­den Rechts­ge­dan­kens einen Anspruch auf Ver­gü­tung für von ihm erbrach­te Werk­leis­tun­gen zuer­kannt, wenn sei­ne Werk­leis­tung infol­ge von Umstän­den unter­geht, die in der Per­son des Bestel­lers lie­gen [8], auch wenn es an einem Ver­schul­den des Bestel­lers fehlt. Dabei ist der Begriff des Stoffs im Sin­ne von § 645 Abs. 1 BGB weit aus­zu­le­gen. Er umfasst alle Gegen­stän­de, an denen oder mit denen das Werk her­zu­stel­len ist. Die für bei­de Ver­trags­tei­le nicht erkenn­ba­re Schwie­rig­keit des Bau­grun­des wird des­halb nach ver­brei­te­ter Ansicht gemäß § 645 BGB dem Bestel­ler zuge­wie­sen [9].

Die­se Wer­tung fin­det sich auch in § 7 Abs. 1 Nr. 6 VOB/​A [10]. Danach hat der Auf­trag­ge­ber die für die Aus­füh­rung der Bau­leis­tung wesent­li­chen Ver­hält­nis­se der Bau­stel­le, zu der ins­be­son­de­re die Boden­ver­hält­nis­se gehö­ren, so zu beschrei­ben, dass der sich um einen Bau­auf­trag bewer­ben­de Unter­neh­mer ihre Aus­wir­kun­gen auf die bau­li­che Anla­ge und die Bau­aus­füh­rung hin­rei­chend beur­tei­len kann.

Die Zuord­nung des Risi­kos der Boden­ver­hält­nis­se auf den Bestel­ler stellt aller­dings eine Aus­nah­me dar. Nach § 644 Abs. 1 BGB trägt grund­sätz­lich der Unter­neh­mer die (Vergütungs)Gefahr bis zur Abnah­me des Werks. Der Werk­un­ter­neh­mer erhält kei­ne Ver­gü­tung, wenn die Aus­füh­rung des Werks vor der Abnah­me unmög­lich wird oder das Werk sich ver­schlech­tert oder unter­geht. Hier­aus folgt, dass der Werk­un­ter­neh­mer selbst dafür ver­ant­wort­lich ist, wenn sei­ne für die Her­stel­lung oder die Aus­füh­rung des Werks ein­ge­setz­ten Gerät­schaf­ten zu Scha­den kom­men. Dies ent­spricht der Bil­lig­keit, weil der Ein­satz der Gerä­te in der Sphä­re des Werk­un­ter­neh­mers erfolgt. Dies gilt auch bei der Beauf­tra­gung von Kran­ar­bei­ten. Dem Auf­trag­neh­mer sind die spe­zi­fi­schen Merk­ma­le der Fahr­zeu­ge, wie etwa die Achs­las­ten, die Gesamt­ge­wich­te und die Stütz­drü­cke bekannt, die in sei­nen Risi­ko­be­reich fal­len. Er kennt die auf­tre­ten­den; und vom Fahr­zeug aus­ge­hen­den Boden­be­las­tun­gen und ist des­halb in der Lage, die Anfor­de­run­gen an die Boden­be­schaf­fen­heit für einen siche­ren Kran­be­trieb ein­zu­schät­zen. Aus die­sem Grund hat der Kran­un­ter­neh­mer als Auf­trag­neh­mer eines Werk­ver­trags die Fra­ge der Trag­fä­hig­keit des Grund und Bodens des Stand­plat­zes in eige­ner Ver­ant­wor­tung zu prü­fen [11]. Dies ist des­halb gerecht­fer­tigt, weil der Kran­un­ter­neh­mer durch den Kran­ein­satz – eben­so wie ein Abbruch­un­ter­neh­mer, der mit schwe­rem Gerät ein Gebäu­de abbricht – neue; vom Auf­trag­ge­ber nicht beherrsch­ba­re Gefah­ren schafft [12].

Zif­fer 20 Abs. 1 Satz 1 und 2 der All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen der Kran­un­ter­neh­me­rin wei­chen von der gesetz­li­chen Risi­ko­ver­tei­lung in den §§ 644, 645 BGB inso­weit ab, als sie das Risi­ko des Kran­un­ter­neh­mers infol­ge typi­scher­wei­se durch den Kran­ein­satz ver­ur­sach­ter Mehr­be­las­tun­gen des Bodens auf den Auf­trag­ge­ber ver­la­gern. Damit wird die auf einer Aus­nah­me­re­ge­lung beru­hen­de Zuord­nung der Eig­nung des Grund und Bodens für die Aus­füh­rung des Auf­trags auf den Auf­trag­ge­ber aus­ge­wei­tet. In der hier zur Über­prü­fung ste­hen­den Form benach­tei­ligt eine sol­che Risi­ko­ver­la­ge­rung den Bestel­ler unan­ge­mes­sen im Sin­ne von § 307 Abs. 1 BGB.

Nach den Rege­lun­gen in den All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen der Kran­un­ter­neh­me­rin ist es Sache des Auf­trag­neh­mers, das für die Durch­füh­rung des kon­kre­ten Auf­trags geeig­ne­te Gerät aus­zu­wäh­len (Zif­fer 14 der All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen der Kran­un­ter­neh­me­rin, ent­spricht Zif­fer 14 AGB-BSK Kran und Trans­port 2008). Eine Ver­pflich­tung des Kran­un­ter­neh­mers, den Auf­trag­ge­ber in die Aus­wahl des Krans ein­zu­be­zie­hen und ihn vor dem Arbeits­ein­satz des Geräts über die dabei auf­tre­ten­den Boden­be­las­tun­gen und die hier­aus resul­tie­ren­den Anfor­de­run­gen an die Boden­be­schaf­fen­heit auf­zu­klä­ren, sehen die All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen der Kran­un­ter­neh­me­rin nicht vor. Ins­be­son­de­re wird die Risi­ko­ver­la­ge­rung für die Sta­bi­li­tät des Bau­grunds durch die Bean­spru­chung durch den Kran nicht von einer vor­he­ri­gen Abstim­mung mit dem Auf­trag­ge­ber abhän­gig gemacht. Wird dem Auf­trag­ge­ber mit einer ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung die Ver­ant­wort­lich­keit für eine zur Aus­füh­rung des Auf­tra­ges aus­rei­chen­de Boden­sta­bi­li­tät auch inso­weit auf­ge­bür­det, als es um die beim Betrieb eines Krans typi­scher­wei­se auf­tre­ten­den erhöh­ten und im Ein­zel­fall extre­men Boden­be­las­tun­gen geht, wird ihm damit ein durch ihn weder beherrsch­ba­res noch beein­fluss­ba­res Risi­ko auf­er­legt. Dies wird im Streit­fall beson­ders deut­lich. Aus­weis­lich des von der Bestel­le­rin erteil­ten Auf­trags waren die abzu­bre­chen­den bei­den Stahl­kon­struk­tio­nen jeweils 45 Ton­nen schwer, der aus­zu­he­ben­de Ofen hat­te ein Gewicht von 80 Ton­nen. Der von der Kran­un­ter­neh­me­rin ein­ge­setz­te Kran hat­te ein Eigen­ge­wicht von 350 Ton­nen, er trug außer­dem ein Kon­ter­ge­wicht von 105 Ton­nen. Das Gesamt­ge­wicht des Krans ein­schließ­lich Traglast betrug zum Unfall­zeit­punkt mit­hin rund 500 Ton­nen. Wird dem Bestel­ler bei sol­chen außer­ge­wöhn­li­chen Boden­be­las­tun­gen eine ein­sei­ti­ge, durch kei­ne Mit­wir­kungs­pflich­ten des Kran­be­trei­bers gemil­der­te Ver­ant­wort­lich­keit für die Boden­sta­bi­li­tät auf­er­legt, wider­spricht dies einer­seits dem Haf­tungs­ge­fü­ge des Werk­ver­trags­rechts, ande­rer­seits der von der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung aus­nahms­wei­se ange­nom­me­nen Haf­tung des Bestel­lers für in sei­ner Sphä­re lie­gen­de Umstände.

Zif­fer 20 Abs. 1 Satz 4 der All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen der Kran­un­ter­neh­me­rin erlegt dem Auf­trag­ge­ber die Ver­ant­wort­lich­keit für das Vor­han­den­sein von Hohl­räu­men im Boden an der Ein­satz­stel­le des Krans und die Pflicht auf, auf deren Vor­han­den­sein unauf­ge­for­dert hin­zu­wei­sen. Auch die­se Rege­lung benach­tei­ligt die Bestel­le­rin als Auf­trag­ge­be­rin unan­ge­mes­sen. Die Rege­lung in den All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen weist die­ses Risi­ko dem Auf­trag­ge­ber unab­hän­gig davon zu, ob er auf die Aus­wahl der Ein­satz­stel­le Ein­fluss neh­men kann und ob er über­haupt von der vor­ge­se­he­nen Ein­satz­stel­le Kennt­nis erlangt. Für den Auf­trag­ge­ber des Kran­un­ter­neh­mers ist des­halb nicht erkenn­bar, auf wel­che Ört­lich­kei­ten sich sei­ne Unter­su­chungs- und Mit­tei­lungs­pflich­ten beziehen.

Rechts­fol­ge der Nich­tig­keit der Rege­lun­gen in Satz 1, 2 und 4 des ers­ten Absat­zes von Zif­fer 20 der All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen der Kran­un­ter­neh­me­rin ist, dass der gesetz­li­che Haf­tungs­maß­stab ein­greift. Danach muss der Kran­un­ter­neh­mer grund­sätz­lich in eige­ner Ver­ant­wor­tung die Trag­fä­hig­keit des Bodens am Stand­platz des Krans über­prü­fen. Dies muss jeden­falls dann gel­ten, wenn der Kran­un­ter­neh­mer den Ein­satz­ort aus­wählt, ohne den Auf­trag­ge­ber bei der Aus­wahl des Ein­satz­or­tes hin­zu­zu­zie­hen. Im Streit­fall muss nicht ent­schie­den wer­den, ob etwas ande­res zu gel­ten hat, wenn der Auf­trag­ge­ber den Ein­satz­ort vor­gibt, weil eine sol­che Fall­ge­stal­tung nach den Fest­stel­lun­gen des Beru­fungs­ge­richts nicht vorliegt.

Wenn die Kran­un­ter­neh­me­rin die Bestel­le­rin als die für die Bau­stel­le ver­ant­wort­li­che Abbruch­un­ter­neh­me­rin in die Aus­wahl des Ein­satz­or­tes ein­be­zo­gen hät­te, kommt eine Ver­ant­wort­lich­keit der Bestel­le­rin gemäß § 280 Abs. 1 BGB, gege­be­nen­falls unter Berück­sich­ti­gung eines der Kran­un­ter­neh­me­rin zur Last fal­len­den Mit­ver­schul­dens, in Betracht, wenn die Bestel­le­rin dabei ihr oblie­gen­de Pflich­ten schuld­haft ver­letzt haben sollte.

Bei einem Fracht­ver­trag trifft den Absen­der – eben­so wie den Werk­be­stel­ler beim all­ge­mei­nen Werk­ver­trag – die Pflicht, vor und nach dem Ver­trags­schluss in zumut­ba­rem Umfang dafür zu sor­gen, dass Rechts­gü­ter und Ver­mö­gen des Fracht­füh­rers (Unter­neh­mers) nicht beein­träch­tigt wer­den [13]. Hier­zu gehört die Pflicht, über bekann­te Risi­ken für die Aus­füh­rung des vom Fracht­füh­rer geschul­de­ten Werks auf­zu­klä­ren. Ein Scha­dens­er­satz­an­spruch kommt danach in Betracht, wenn der Auf­trag­ge­ber von Kran­ar­bei­ten infol­ge sei­ner bes­se­ren Kennt­nis­se von den Boden­ver­hält­nis­sen am vor­ge­se­he­nen Auf­stel­lungs­ort des Krans weiß oder wis­sen muss, dass der Boden nicht erkenn­ba­re Gefahr­stel­len birgt und dies für den Kran­un­ter­neh­mer von Bedeu­tung ist. In einem sol­chen Fall kön­nen den Auf­trag­ge­ber Hin­weis­pflich­ten tref­fen, wenn er Erkennt­nis­se über Gefah­ren­stel­len im Umkreis der mög­li­chen Plat­zie­rung des Krans hat.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 28. Janu­ar 2016 – I ZR 60/​14

  1. BGH, Urteil vom 15.12 1994 – I ZR 196/​92, NJW-RR 1995, 415; Kol­ler aaO § 407 HGB Rn. 10, 35; vgl. auch Zif­fer I. 4. AGB-BSK Kran und Trans­port 2008[]
  2. Kol­ler aaO § 407 HGB Rn. 111; Pokrant in Pokrant/​Gran, Trans­port- und Logis­tik­recht, 10. Aufl. Rn. 1006[]
  3. BGH, Urteil vom 09.12 2009 – XII ZR 109/​08, BGHZ 183, 299 Rn. 16 f.; Urteil vom 21.07.2010 – XII ZR 189/​09, NJW 2010, 3152 Rn. 27[]
  4. vgl. auch BGH, Urteil vom 12.10.1995 – I ZR 172/​93, TranspR 1996, 198 ff.[]
  5. BGH, Urteil vom 09.07.1959 – VII ZR 149/​58, VersR 1959, 948; Urteil vom 03.10.1974 – VII ZR 156/​72, VersR 1975, 41[]
  6. vgl. Kol­ler aaO § 407 HGB Rn. 111[]
  7. vgl. BGH, VersR 1975, 41[]
  8. BGH, Urteil vom 21.08.1997 – VII ZR 17/​96, BGHZ 136, 303, 308; Palandt/​Sprau, BGB, 75. Aufl., § 645 Rn. 8 f.[]
  9. Staudinger/​Peters/​Jacoby, BGB, Neu­be­ar­bei­tung 2014, § 645 Rn. 12 mwN[]
  10. Lau­sen in Heiermann/​Zeiss, juris­PK-Ver­ga­be­recht, 4. Aufl., § 7 VOB/​A Rn. 69[]
  11. OLG Mün­chen, TranspR 1996, 312, 315[]
  12. vgl. BGH, Urteil vom 26.09.1978 – VI ZR 150/​77, NJW 1979, 309, 310[]
  13. Kol­ler aaO § 407 HGB Rn. 111[]