Die anschei­nend rich­ti­ge Tele­fon­rech­nung

Ein Anscheins­be­weis für die Rich­tig­keit einer Tele­fon­rech­nung setzt vor­aus, dass ein zer­ti­fi­zier­tes Abrech­nungs­sys­tem gemäß § 45g Abs. 2 TKG genutzt wird und bei recht­zei­ti­gen Ein­wen­dun­gen des Kun­den eine tech­ni­sche Prü­fung gemäß § 45i Abs. 2 Satz 2, Abs. 3 Satz 2 TKG durch­ge­führt wur­de, die kei­ne Hin­wei­se auf Feh­ler oder Mani­pu­la­tio­nen erbracht hat.

Die anschei­nend rich­ti­ge Tele­fon­rech­nung

Die Dar­le­gungs- und Beweis­last dafür, dass der Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­dienst – tech­nisch feh­ler­frei bis zum Über­ga­be­punkt – erbracht wur­de, trägt gemäß § 45i Abs. 3 Satz 1 TKG der Diens­te­an­bie­ter 1. Fer­ner trägt er, obgleich dies nicht aus­drück­lich im Gesetz gere­gelt ist, nach den all­ge­mei­nen zivil­recht­li­chen Grund­sät­zen die Dar­le­gungs- und Beweis­last für die rich­ti­ge Berech­nung der Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­dienst­leis­tung, für die er das Ent­gelt bean­sprucht 2. In der Recht­spre­chung der Instanz­ge­rich­te und in der Lite­ra­tur wird aller­dings über­wie­gend ver­tre­ten, dass zuguns­ten des Diens­te­an­bie­ters ein Anscheins­be­weis für die Rich­tig­keit der Tele­fon­rech­nung ein­grei­fen kann 3. Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs sind die Grund­sät­ze über den Beweis des ers­ten Anscheins bei typi­schen Gesche­hens­ab­läu­fen anwend­bar, das heißt in Fäl­len, in denen ein bestimm­ter Sach­ver­halt fest­steht, der nach der all­ge­mei­nen Lebens­er­fah­rung auf eine bestimm­te Ursa­che oder auf einen bestimm­ten Ablauf als maß­geb­lich für den Ein­tritt eines bestimm­ten Erfol­ges hin­weist. Dabei bedeu­tet Typi­zi­tät nicht, dass die Ursäch­lich­keit einer Tat­sa­che für den Erfolg bei allen Sach­ver­hal­ten der Fall­grup­pe immer vor­han­den sein muss; sie muss aber so häu­fig gege­ben sein, dass die Wahr­schein­lich­keit, einen sol­chen Fall vor sich zu haben, sehr groß ist 4.

Für Rech­nun­gen über Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­leis­tun­gen kann, was das Beru­fungs­ge­richt ver­kannt hat, nicht schlecht­hin von einem sol­cher­ma­ßen typi­schen Gesche­hens­ab­lauf aus­ge­gan­gen wer­den, dass die von den Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­diens­te­an­bie­tern ver­wen­de­ten tech­ni­schen Anla­gen das Ver­bin­dungs­auf­kom­men kor­rekt erfas­sen und das Ent­gelt zutref­fend berech­nen. Viel­mehr ist zu for­dern, dass ein zer­ti­fi­zier­tes Abrech­nungs­sys­tem gemäß § 45g Abs. 2 TKG genutzt wird 5 und bei Ein­wen­dun­gen des Kun­den eine tech­ni­sche Prü­fung gemäß § 45i Abs. 2 Satz 2, Abs. 3 Satz 2 TKG durch­ge­führt wur­de, die kei­ne Hin­wei­se auf Feh­ler oder Mani­pu­la­tio­nen erbracht hat 6. Eine sol­che Prü­fung ist aller­dings ent­behr­lich, wenn der Kun­de die Abrech­nung nicht nach Maß­ga­be des § 45i Abs. 1 Satz 1 TKG recht­zei­tig bean­stan­det hat 7. Dies ergibt sich aus dem Wort­laut des § 45i Abs. 1 Satz 2 TKG "Im Fal­le der Bean­stan­dung …" und aus § 45i Abs. 3 Satz 3 TKG, der bei der Rege­lung der Beweis­last auf die tech­ni­sche Prü­fung "nach Absatz 1" Bezug nimmt, wel­cher eine Bean­stan­dung vor­aus­setzt.

Aber selbst wenn die vor­ste­hen­den Vor­aus­set­zun­gen für das Vor­lie­gen eines Anscheins­be­wei­ses für die Rich­tig­keit der Erfas­sung und der Abrech­nung der Ver­bin­dun­gen, deren Bezah­lung die Klä­ge­rin bean­sprucht, fest­ge­stellt wür­den, könn­te ein sol­cher Beweis zumin­dest nach dem der­zei­ti­gen Sach- und Streit­stand der Ent­schei­dung nicht zugrun­de gelegt wer­den, da er jeden­falls erschüt­tert wäre. Ein Anscheins­be­weis ist ent­kräf­tet, wenn Tat­sa­chen vor­lie­gen, aus denen sich die ernst­haf­te Mög­lich­keit eines abwei­chen­den Gesche­hens­ab­laufs ergibt 8. Dies ist hier der Fall, da die von der Klä­ge­rin vor­ge­leg­ten Abrech­nun­gen, wie die Revi­si­on mit Recht rügt, zumin­dest teil­wei­se rech­ne­risch nicht nach­voll­zieh­bar und damit unschlüs­sig sind. Die in der Revi­si­ons­be­grün­dung inso­weit ange­führ­ten Berech­nungs­bei­spie­le hat der Bun­des­ge­richts­hof über­prüft. Sie tref­fen zu. Die jeweils aus­ge­wor­fe­nen Beträ­ge sind mit den ange­ge­be­nen Nut­zungs­dau­ern und den zu den jewei­li­gen Tagen und Uhr­zei­ten gel­ten­den Tari­fen nicht in Ein­klang zu brin­gen und wei­chen zum Nach­teil des Beklag­ten von dem rech­ne­risch rich­ti­gen Ergeb­nis ab. Dies lässt begrün­de­te Zwei­fel dar­an auf­kom­men, dass die Sys­te­me, die zur Erfas­sung der jewei­li­gen Ver­bin­dun­gen oder zur Berech­nung des Ent­gelt­an­spruchs der V. GmbH ver­wen­det wur­den, zuver­läs­sig arbei­ten, und lässt es als mög­lich erschei­nen, dass ein aty­pi­scher Gesche­hens­ab­lauf vor­liegt.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 7. Febru­ar 2013 – III ZR 200/​11

  1. sie­he auch BGH, Urteil vom 24.06.2004 – III ZR 104/​03, NJW 2004, 3183[]
  2. Dah­l­ke in Beck’scher TKG-Kom­men­tar, 3. Aufl., § 45i Rn. 33; Kes­sel in Arndt/​Fetzer/​Scherer, TKG, § 45i Rn. 65; Schlot­ter in Ber­li­ner Kom­men­tar zum TKG, 2. Aufl., § 45i Rn. 27; sie­he auch Stel­lung­nah­me des Bun­des­rats zum Ent­wurf eines Geset­zes zur Ände­rung tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­recht­li­cher Vor­schrif­ten, BR-Drucks. 92/​05 [Beschluss] S. 9[]
  3. z.B. OLG Bre­men MMR 2012, 93; OLG Hamm MMR 2004, 337, 338; LG Trier, Urteil vom 26.07.2005 – 1 S 40/​05; AG Bonn MMR 2008, 67; AG Leer MMR 2007, 473, 474; Kes­sel aaO Rn. 62 ff; Schlot­ter aaO Rn. 28; zu § 16 TKV sie­he Nie­ßen in Mans­sen, Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons- und Mul­ti­me­dia­recht, Stand Juli 2003, C § 41/​§ 16 TKV Rn. 36 ff m. umfangr. Nach­wei­sen aus der älte­ren Recht­spre­chung[]
  4. z.B. BGH, Urteil vom 22.11.2007 – III ZR 280/​06, VersR 2008, 1067 Rn. 11 mwN[]
  5. Schlot­ter aaO[]
  6. OLG Bre­men; OLG Hamm; AG Bonn; Schlot­ter jew. aaO[]
  7. vgl. hier­zu BGH, Urteil vom 24.06.2004 – III ZR 104/​03, NJW 2004, 3183, 3185[]
  8. st. Rspr., z.B. BGH, Urteil vom 13.02.2007 – VI ZR 58/​06, VersR 2007, 681 Rn. 10 mwN[]