Die Preis­än­de­rungs­klau­seln von Gas­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men

Klau­seln zur Gas­preis­än­de­rung in Son­der­kun­den­ver­trä­gen, die sich dar­auf beschrän­ken, das für Tarif­kun­den­ver­hält­nis­se vor­ge­se­he­ne Ände­rungs­recht des § 4 Abs. 1 und 2 AVB­GasV in Bezug zu neh­men, genü­gen nicht den Anfor­de­run­gen und sind des­halb unwirk­sam.

Die Preis­än­de­rungs­klau­seln von Gas­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men

So hat der Bun­des­ge­richts­hof in dem hier vor­lie­gen­den Fall der Ver­brau­cher­zen­tra­le Nord­rhein-West­fa­len ent­schie­den, die von einem Gas­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men, die Rück­zah­lung von Gas­preis­ent­gel­ten, die in der Zeit vom Janu­ar 2003 bis Okto­ber 2005 auf Gas­preis­er­hö­hun­gen gezahlt wor­den sind, ver­langt hat. Dazu sind der Ver­brau­cher­zen­tra­le die Rech­te von 25 Kun­den in den Gas­ver­triebs­re­gio­nen „Ost-Süd­west­fa­len“ und „Ruhr-Lip­pe“ abge­tre­ten wor­den. Im betref­fen­den Zeit­raum erhöh­te die Beklag­te die Gas­prei­se ins­ge­samt vier Mal. Die 25 Kun­den bezahl­ten – zum Teil unter dem Vor­be­halt der Rück­for­de­rung – die ihnen für das gelie­fer­te Gas in Rech­nung gestell­ten Ent­gel­te ein­schließ­lich der Erhö­hungs­be­trä­ge. Der Klä­ger hält die Gas­preis­er­hö­hun­gen für unwirk­sam und for­dert die Beträ­ge, die über den Ende 2002 von der Beklag­ten ver­lang­ten Preis hin­aus­ge­hen, von der Beklag­ten zurück.

In § 4 der Ver­ord­nung über All­ge­mei­ne Bedin­gun­gen für die Gas­ver­sor­gung von Tarif­kun­den (AVB­GasV; in der bis zum 7. Novem­ber 2006 gel­ten­den Fas­sung) ist fest­ge­hal­ten:

Art der Ver­sor­gung
(1) Das Gas­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men stellt zu den jewei­li­gen all­ge­mei­nen Tari­fen und Bedin­gun­gen Gas zur Ver­fü­gung. …
(2) Ände­run­gen der all­ge­mei­nen Tari­fe und Bedin­gun­gen wer­den erst nach öffent­li­cher Bekannt­ga­be wirk­sam. …

Das Land­ge­richt Dort­mund [1] hat der auf Zah­lung von ins­ge­samt 16.128,63 € gerich­te­ten Kla­ge statt­ge­ge­ben. Das Ober­lan­des­ge­richt Hamm [2] hat die Beru­fung der Beklag­ten zurück­ge­wie­sen. Nun hat­te der Bun­des­ge­richts­hof über die zuge­las­se­ne Revi­si­on der Beklag­ten zu ent­schei­den:

Mit Beschluss vom 9. Febru­ar 2011 hat­te der Bun­des­ge­richts­hof zunächst das Ver­fah­ren aus­ge­setzt und dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on zwei Fra­gen zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­ge­legt. Hier­bei ging es um die Aus­le­gung bestimm­ter Vor­schrif­ten der Klau­sel- und der Gas­richt­li­nie. Der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on hat durch Urteil vom 21. März 2013 [3] ent­schie­den, dass es für die Fra­ge, ob eine Gas­preis­än­de­rungs­klau­sel den Anfor­de­run­gen der genann­ten Richt­li­ni­en an Treu und Glau­ben, Aus­ge­wo­gen­heit und Trans­pa­renz genügt, ins­be­son­de­re dar­auf ankommt,

  • ob der Anlass und der Modus der Ände­rung die­ser Ent­gel­te in dem Ver­trag so trans­pa­rent dar­ge­stellt wer­den, dass der Ver­brau­cher die etwai­gen Ände­run­gen der Ent­gel­te anhand kla­rer und ver­ständ­li­cher Kri­te­ri­en abse­hen kann, und dass das Feh­len der betref­fen­den Infor­ma­ti­on vor Ver­trags­ab­schluss grund­sätz­lich nicht allein dadurch aus­ge­gli­chen wer­den kann, dass der Ver­brau­cher wäh­rend der Durch­füh­rung des Ver­trags mit ange­mes­se­ner Frist im Vor­aus über die Ände­rung der Ent­gel­te sowie über sein Recht unter­rich­tet wird, den Ver­trag zu kün­di­gen, wenn er die­se Ände­rung nicht hin­neh­men will, und
  • ob von der dem Ver­brau­cher ein­ge­räum­ten Kün­di­gungs­mög­lich­keit unter den gege­be­nen Bedin­gun­gen tat­säch­lich Gebrauch gemacht wer­den kann.

Nach Auf­fas­sung des Bun­des­ge­richts­hofs genü­gen die in Son­der­kun­den­ver­trä­gen die­ses Gas­ver­sor­gungs­un­ter­neh­mens ent­hal­te­ne Preis­än­de­rungs­klau­sel, die sich auf eine Inbe­zug­nah­me von § 4 Abs. 1 und 2 AVB­GasV beschränkt, nicht den Anfor­de­run­gen, die der Euro­päi­sche Gerichts­hof in sei­ner Ent­schei­dung für die Gerich­te der Mit­glied­staa­ten ver­bind­lich fest­ge­legt hat. Daher sind sie unwirk­sam. Der Bun­des­ge­richts­hof hat die Revi­si­on der Beklag­ten zurück­ge­wie­sen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 31. Juli 2013 – VIII ZR 162/​09

  1. LG Dort­mund, Urteil vom 18.01.2008 – 6 O 341/​06[]
  2. OLG Hamm, Urteil vom 29.05.2009 – 19 U 52/​08[]
  3. EuGH vom 21.03.2013 – C‑92/​11, RWE Ver­trieb[]