„Die schöns­ten Wan­der­we­ge der Wan­der­hu­re“

Da der Buch­ti­tels „Die schöns­ten Wan­der­we­ge der Wan­der­hu­re“ in sei­ner sati­risch-iro­ni­schen For­mu­lie­rung eine Kom­bi­na­ti­on des heu­ti­gen Ver­gnü­gens an „schö­nen Wan­der­we­gen“ mit einer mit­tel­al­ter­li­chen „Wan­der­hu­re“ schafft, ist er bereits selbst „Kunst“ und genießt den Schutz des Arti­kels 5 Abs. 3 GG.

„Die schöns­ten Wan­der­we­ge der Wan­der­hu­re“

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Ver­wen­dung des Buch­ti­tels „Die schöns­ten Wan­der­we­ge der Wan­der­hu­re“ für eine Samm­lung von Kurz­bei­trä­gen als recht­mä­ßig beur­teilt und die gegen­tei­li­ge Ent­schei­dung des Land­ge­richts Düs­sel­dorf auf­ge­ho­ben. Gleich­zei­tig ist der auf Unter­las­sung gerich­te­ten Antrag zurück­ge­wie­sen wor­den. Die Antrag­stel­le­rin ver­legt die Bücher der „Wan­der­hu­ren-Rei­he“ und hat gegen die Ver­wen­dung des Buch­ti­tels „Die schöns­ten Wan­der­we­ge der Wan­der­hu­re“, das von einem ande­ren Ver­lags­haus ver­legt wird, geklagt.

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Düs­sel­dorf sei dem Land­ge­richt inso­weit zuzu­stim­men, dass die Titel der von der Antrag­stel­le­rin ver­leg­ten Bücher der „Wan­der­hu­ren-Rei­he“ im Sin­ne des § 15 Abs. 3 Mar­kenG „bekannt“ sei­en und damit den erwei­ter­ten Schutz die­ser Vor­schrift bean­spru­chen könn­ten. Auch sei davon aus­zu­ge­hen, dass die Antrags­geg­ne­rin die­se Bekannt­heit für ihre Zwe­cke aus­nut­zen wol­le. Dies erfol­ge jedoch nicht in recht­wid­ri­ger Wei­se.

Der von der Antrags­geg­ne­rin genutz­te Titel „Die schöns­ten Wan­der­we­ge der Wan­der­hu­re“ genie­ße als „Kunst“ den Schutz des Arti­kels 5 Abs. 3 GG. Da der Titel in sei­ner sati­risch-iro­ni­schen For­mu­lie­rung eine Kom­bi­na­ti­on des heu­ti­gen Ver­gnü­gens an „schö­nen Wan­der­we­gen“ mit einer mit­tel­al­ter­li­chen „Wan­der­hu­re“ schaf­fe, sei er bereits selbst „Kunst“. Der Titel ste­he zudem in einem engen Bezug zu dem ers­ten Bei­trag des Buches, der sich kri­tisch mit der wirt­schaft­li­chen Ver­wer­tung von Best­sel­lern aus­ein­an­der­set­ze und hier­zu auch das Bei­spiel der Wan­der­hu­ren-Roma­ne auf­grei­fe. Der grund­ge­setz­lich geschütz­ten Kunst­frei­heit ste­he zwar das Grund­recht der Antrag­stel­le­rin auf Schutz ihres Eigen­tums aus Art. 14 GG gegen­über. Die Abwä­gung bei­der Grund­rech­te fie­le hier aber zuguns­ten der Kunst­frei­heit aus. Die Antrag­stel­le­rin müs­se sich einer Kri­tik stel­len, die durch die Ver­wen­dung des Bei­spiels der „Wan­der­hu­re“ in beson­de­rer Form Auf­merk­sam­keit fin­de.

Der Antrag­stel­le­rin ste­he kein Unter­las­sungs­an­spruch gem. § 15 Abs. 3, 4 Mar­kenG zu.

Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf, Urteil vom 5. August 2014 – I‑20 U 63/​14