E‑Zigarette im Tabak­wa­ren­ge­schäft

Im Streit um die E‑Zigarette als zulas­sungs­pflich­ti­ges Arz­nei­mit­tel, hat nun nach dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len [1] auch das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Sach­sen-Anhalt auf die Beschwer­de eines Antrag­stel­lers hin ent­schie­den, dass es sich bei dem Niko­tin-Liquid um ein Genuss­mit­tel han­delt und eine Ein­ord­nung als Arz­nei­mit­tel nicht gerecht­fer­tigt ist.

E‑Zigarette im Tabak­wa­ren­ge­schäft

In dem hier vor­lie­gen­den Fall betreibt die Antrag­stel­le­rin in Mag­de­burg ein Tabak­wa­ren­ge­schäft. Mit Ver­fü­gung vom 18. März 2012 unter­sag­te ihr die Lan­des­haupt­stadt Mag­de­burg den Ver­kauf eines soge­nann­ten Niko­tin-Liquids, wel­ches zum Gebrauch in elek­tri­schen Ziga­ret­ten ver­wen­det wird. Bei dem Liquid han­delt es sich um ein Flüs­sig­keits­ge­misch, wel­ches über­wie­gend Pro­py­len­gly­col und pflanz­li­ches Gly­ce­rin sowie zu einem gerin­gen Anteil Nah­rungs­mit­tel­aro­men und Niko­tin ent­hält. Beim Gebrauch der elek­tri­schen Ziga­ret­te wird das Liquid ver­dampft und der Benut­zer atmet beim Inha­lie­ren den niko­tin­hal­ti­gen Dampf ein.

Nach Auf­fas­sung der Lan­des­haupt­stadt Mag­de­burg han­de­le es sich bei dem Liquid wegen des Inhalts­stof­fes Niko­tin um ein zulas­sungs­pflich­ti­ges Arz­nei­mit­tel, wel­ches ohne – die hier nicht vor­han­de­ne – Zulas­sung nicht ver­kauft wer­den dür­fe. Ein gegen das Ver­kaufs­ver­bot beim Ver­wal­tungs­ge­richt Mag­de­burg [2] gerich­te­ter Antrag auf Gewäh­rung vor­läu­fi­gen Rechts­schut­zes blieb ohne Erfolg. Dar­uf­hin ist vor dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Sach­sen-Anhalt Beschwer­de ein­ge­legt wor­den.

Nach Auf­fas­sung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts kann Niko­tin zwar auch zu medi­zi­ni­schen Zwe­cken (z. B. in Niko­tin­pflas­tern zur Rau­cher­ent­wöh­nung) ein­ge­setzt wer­den. In der Anwen­dungs­form der sog. elek­tri­schen Ziga­ret­te feh­le es dem Niko­tin jedoch an der für ein Arz­nei­mit­tel erfor­der­li­chen the­ra­peu­ti­schen oder vor­beu­gen­den Zweck­be­stim­mung. Im kon­kre­ten Fall sei das Niko­tin-Liquid auch nicht vom Her­stel­ler mit einer Heil­wir­kung bewor­ben wor­den. Es gehe viel­mehr dar­um, das Ver­lan­gen des Ver­wen­ders nach Niko­tin zu befrie­di­gen. In die­sem Sin­ne han­de­le es sich bei dem Niko­tin-Liquid um ein Genuss­mit­tel. Der Umstand, dass es sich bei Niko­tin um einen gif­ti­gen Gefahr­stoff han­de­le, recht­fer­ti­ge für sich bese­hen noch nicht die Ein­ord­nung als Arz­nei­mit­tel. Daher ist das Ver­kaufs­ver­bot vor­läu­fig außer Voll­zug gesetzt wor­den.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Sach­sen-Anhalt, Beschluss vom 5. Juni 2012 – 3 M 129/​12

  1. OVG NRW, Beschluss vom 23.04.2012 – 13 B 127/​12[]
  2. VG Mag­de­burg, Beschluss vom 30.03.2012 – 1 B 86/​12 MD[]