Ein­schrän­kung des Waren­ver­zeich­nis­ses im Mar­ken­lö­schungs­ver­fah­ren

Das Bun­des­pa­tent­ge­richt ist nicht nach § 82 Abs. 1 Satz 1 Mar­kenG in Ver­bin­dung mit § 139 ZPO ver­pflich­tet, den Mar­ken­in­ha­ber im Löschungs­ver­fah­ren auf die Sach­dien­lich­keit einer Ein­schrän­kung des Waren- oder Dienst­leis­tungs­ver­zeich­nis­ses hin­zu­wei­sen. Im Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren ist die Ent­schei­dung des Bun­des­pa­tent­ge­richts daher auch nicht auf­zu­he­ben, um dem Mar­ken­in­ha­ber Gele­gen­heit zur Ein­schrän­kung des Waren- und Dienst­leis­tungs­ver­zeich­nis­ses zu geben.

Ein­schrän­kung des Waren­ver­zeich­nis­ses im Mar­ken­lö­schungs­ver­fah­ren

Der Grund­satz des Ver­trau­ens­schut­zes und der Anspruch der Par­tei­en auf ein fai­res Gerichts­ver­fah­ren gebie­ten es zwar, von der Abwei­sung einer Kla­ge als unzu­läs­sig abzu­se­hen und das Beru­fungs­ver­fah­ren durch Zurück­ver­wei­sung wie­der­zu­eröff­nen, wenn das Beru­fungs­ge­richt unter Ver­let­zung der Pflicht aus § 139 Abs. 1 Satz 2 ZPO nicht auf die Stel­lung sach­dien­li­cher Anträ­ge hin­ge­wirkt hat [1].

Die­se Recht­spre­chung ist aber auf eine Fall­kon­stel­la­ti­on nicht über­trag­bar, in der der Mar­ken­in­ha­ber in einem Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren gege­be­nen­falls nach Erör­te­rung in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Bun­des­ge­richts­hof das Waren­ver­zeich­nis ein­schrän­ken will. § 82 Abs. 1 Satz 1 Mar­kenG in Ver­bin­dung mit § 139 ZPO ver­pflich­ten das Bun­des­pa­tent­ge­richt nicht, den Mar­ken­in­ha­ber im Löschungs­ver­fah­ren auf die Sach­dien­lich­keit einer Ein­schrän­kung des Warenund Dienst­leis­tungs­ver­zeich­nis­ses hin­zu­wei­sen. Eine Ein­schrän­kung des Waren- und Dienst­leis­tungs­ver­zeich­nis­ses stellt einen Teil­ver­zicht auf die Mar­ke dar [2].

Die aus § 139 ZPO fol­gen­de Pflicht des Rich­ters zur Pro­zess­lei­tung umfasst kei­ne Hin­wei­se zur Ände­rung der mate­ri­ell­recht­li­chen Grund­la­gen der Ent­schei­dung, wie dies bei einem Hin­weis zur Ein­schrän­kung des Warenund Dienst­leis­tungs­ver­zeich­nis­ses der Fall wäre. Durch einen ent­spre­chen­den Hin­weis ver­stie­ße das Gericht gegen sei­ne Pflicht zur Unpar­tei­lich­keit gegen­über den Betei­lig­ten. Etwas ande­res ergibt sich auch nicht aus der BGH-Ent­schei­dung „Yoghurt-Gums“ [3]. In jenem Ver­fah­ren hat­te das Bun­des­pa­tent­ge­richt durch einen feh­ler­haf­ten Hin­weis die Mar­ken­in­ha­be­rin davon abge­hal­ten, eine Beschrän­kung des Waren­ver­zeich­nis­ses bereits in der münd­li­chen Ver­hand­lung zu erklä­ren.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 8. März 2012 – I ZB 13/​11

  1. vgl. BGH, Urteil vom 12.05.2010 – I ZR 121/​08, GRUR 2010, 633 Rn. 37 = WRP 2010, 912 Som­mer unse­res Lebens; Urteil vom 06.10.2011 – I ZR 54/​10, GRUR 2012, 405 Rn. 16 = WRP 2012, 461 Kre­dit­kon­trol­le[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 13.12.2007 – I ZB 39/​05, GRUR 2008, 719 Rn. 32 = WRP 2008, 1098 idw Infor­ma­ti­ons­dienst Wis­sen­schaft[]
  3. BGH, Beschluss vom 09.09.2010 I ZB 81/​09, GRUR 2011, 654 = WRP 2011, 753[]