Einst­wei­li­ge Ver­fü­gung in Patent­strei­tig­kei­ten

Vor­aus­set­zung für den Erlass einer einst­wei­li­gen Ver­fü­gung in Patent­strei­tig­kei­ten ist, dass die Ver­let­zungs­fra­ge ohne Schwie­rig­kei­ten zwei­fels­frei beur­teilt wer­den kann. Der Erlass einer einst­wei­li­gen Ver­fü­gung hat nicht nur dann zu unter­blei­ben, wenn die Sub­sum­ti­on unter den Patent­an­spruch mit Zwei­feln behaf­tet ist, son­dern auch dann, wenn recht­lich zwei­fel­haft erscheint, ob das bean­stan­de­te Ver­hal­ten eine dem Patent­in­ha­ber gem. § 9 PatG vor­be­hal­te­ne Hand­lung ist.

Einst­wei­li­ge Ver­fü­gung in Patent­strei­tig­kei­ten

Ein Ver­fü­gungs­grund ist nur dann gege­ben, wenn die antrag­stel­len­de Par­tei ein beson­de­res Rechts­schutz­be­dürf­nis hat, wel­ches nur durch einen im Ver­fah­ren des vor­läu­fi­gen Rechts­schut­zes erstrit­te­nen Voll­stre­ckungs­ti­tel befrie­digt wer­den kann. Anders als im Recht des unlau­te­ren Wett­be­werbs wird das Bestehen eines Ver­fü­gungs­grun­des im Patent­recht nicht ver­mu­tet. Die Rege­lung des § 12 Abs. 2 UWG ist einer ana­lo­gen Anwen­dung man­gels plan­wid­ri­ger Rege­lungs­lü­cke nicht zugäng­lich 1. Daher ist auf den jewei­li­gen Ein­zel­fall bezo­gen zu prü­fen, ob bei Berück­sich­ti­gung aller Umstän­de und unter Abwä­gung der Inter­es­sen der Par­tei­en der antrag­stel­len­den Par­tei ein Zuwar­ten bis zum Abschluss des erst­in­stanz­li­chen Haupt­sa­che­ver­fah­rens durch Urteil nicht zuge­mu­tet wer­den kann.

In Patent­ver­let­zungs­strei­tig­kei­ten sind an das Vor­lie­gen eines Ver­fü­gungs­grun­des hohe Anfor­de­run­gen zu stel­len, da eine Unter­las­sungs­ver­fü­gung in beson­ders ein­schnei­den­der Wei­se in die gewerb­li­che Tätig­keit des Antrags­geg­ners ein­greift, der sich im einst­wei­li­gen Ver­fü­gungs­ver­fah­ren zudem in der schwie­ri­gen Situa­ti­on sieht, die Ver­let­zungs­fra­ge sowie die Fra­ge der Rechts­be­stän­dig­keit des gel­tend gemach­ten Ver­fü­gungs­pa­tents bin­nen sehr kur­zer Zeit über­prü­fen zu müs­sen 2.

Indes dür­fen vor dem Hin­ter­grund, dass – der nicht unmit­tel­bar anwend­ba­re, bei der Aus­le­gung jedoch zu beach­ten­de 3 – Art. 50 Abs.1 lit. a des Über­ein­kom­mens der han­dels­be­zo­ge­nen Aspek­te der Rech­te des geis­ti­gen Eigen­tums (TRIPS) 4 eben­so wie die Richt­li­nie 2004/​48/​EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 29. April 2004 zur Durch­set­zung der Rech­te des geis­ti­gen Eigen­tums 5 die Durch­set­zung von Schutz­rech­ten auch im Wege des einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes sicher­stel­len wol­len, die Anfor­de­run­gen an das Vor­lie­gen des Ver­fü­gungs­grun­des nicht über­spannt wer­den.

Jedoch ist Vor­aus­set­zung für den Erlass einer einst­wei­li­gen Ver­fü­gung in Patent­strei­tig­kei­ten, dass die Ver­let­zungs­fra­ge ohne Schwie­rig­kei­ten beur­teilt wer­den kann, sie somit zwei­fels­frei ist und sich kei­ne durch­grei­fen­den Zwei­fel an der Schutz­fä­hig­keit des Ver­fü­gungs­schutz­rechts auf­drän­gen 6. Ergän­zend müs­sen die sich gegen­über­ste­hen­den Inter­es­sen der Par­tei­en bewer­tet und gegen­ein­an­der abge­wo­gen wer­den 7.

Land­ge­richt Mann­heim, Urteil vom 29. Okto­ber 2010 – 7 O 214/​10

  1. vgl. Köh­ler, in: Köhler/​Bornkamm, UWG, 28. Aufl. 2010, § 12 Rn. 3.14[]
  2. OLG Düs­sel­dorf Inst­GE 12, 114 – Harn­ka­the­terset[]
  3. BGH GRUR 2002, 1046, 1048 – Fax­kar­te, BGH GRUR 2006, 962, 966 – Rest­schad­stoff­ent­fer­nung[]
  4. vom 15.04.1994, BGBl. II, S. 1730[]
  5. vgl. Erwä­gungs­grund 22, Art. 9 Abs. 1 lit. a) und Abs. 4[]
  6. OLG Karls­ru­he, Urteil vom 22.09.2010 – 6 U 104/​10[]
  7. OLG Karls­ru­he, Urteil vom 08.07.2009 – 6 U 61/​09, Inst­GE 11, 143[]