Gebüh­ren für die Zulas­sung zur Anwalt­schaft

Nach § 192 Satz 1 BRAO n.F. kön­nen die Rechts­an­walts­kam­mern für die Bear­bei­tung von Anträ­gen auf Zulas­sung zur Rechts­an­walt­schaft Gebüh­ren zur Deckung des Ver­wal­tungs­auf­wands erhe­ben. Zustän­dig für die Fest­le­gung der Gebüh­ren­tat­be­stän­de sowie Fäl­lig­keit und Höhe der Gebüh­ren ist die Kam­mer­ver­samm­lung (§ 89 Abs. 2 Nr. 2 BRAO). Hier­bei fin­det nach § 192 Satz 2 BRAO n.F. das Ver­wal­tungs­kos­ten­ge­setz mit der Maß­ga­be Anwen­dung, dass die all­ge­mei­nen Grund­sät­ze für Kos­ten­ver­ord­nun­gen (§§ 27 VwKostG) ent­spre­chend gel­ten. § 3 Satz 1 VwKostG bestimmt inso­weit, dass die Gebüh­ren­sät­ze so zu bemes­sen sind, dass zwi­schen der den Ver­wal­tungs­auf­wand berück­sich­ti­gen­den Höhe der Gebühr einer­seits und der Bedeu­tung, dem wirt­schaft­li­chen Wert oder dem sons­ti­gen Nut­zen der Amts­hand­lung ande­rer­seits ein ange­mes­se­nes Ver­hält­nis besteht (soge­nann­tes Äqui­va­lenz­prin­zip). Ist gesetz­lich vor­ge­se­hen, dass Gebüh­ren nur zur Deckung des Ver­wal­tungs­auf­wands erho­ben wer­den, sind nach § 3 Satz 2 VwKostG die Gebüh­ren­sät­ze so zu bemes­sen, dass das geschätz­te Gebüh­ren­auf­kom­men den auf die Amts­hand­lun­gen ent­fal­len­den durch­schnitt­li­chen Per­so­nal- und Sach­auf­wand für den betref­fen­den Ver­wal­tungs­zweig nicht über­steigt (soge­nann­tes Kos­ten­de­ckungs­prin­zip).

Gebüh­ren für die Zulas­sung zur Anwalt­schaft

Durch die Neu­fas­sung des § 192 BRAO gemäß Art. 1 Nr. 57 des Geset­zes zur Moder­ni­sie­rung von Ver­fah­ren im anwalt­li­chen und nota­ri­el­len Berufs­recht 1 ist mit Wir­kung vom 1. Sep­tem­ber 2009 eine recht­li­che Ände­rung ein­ge­tre­ten. Vor­mals bestimm­te § 192 BRAO a.F. ledig­lich all­ge­mein, dass die Rechts­an­walts­kam­mern für Amts­hand­lun­gen nach der BRAO Ver­wal­tungs­ge­büh­ren erhe­ben konn­ten. Inso­weit war zwar auch damals bereits das Ver­wal­tungs­kos­ten­ge­setz anwend­bar (§ 1 Abs. 1 Nr. 2 VwKostG 2). Aller­dings war nicht aus­drück­lich bestimmt, dass die Gebüh­ren zur Deckung des Ver­wal­tungs­auf­wands erho­ben wer­den. Inso­weit konn­ten die Kam­mern die Gebüh­ren­sät­ze gege­be­nen­falls auch an § 3 Satz 1 VwKostG aus­rich­ten 3, wäh­rend nun­mehr § 3 Satz 2 VwKostG Prü­fungs­maß­stab ist 4.

Hier­aus folgt für den Bun­des­ge­richts­hof jedoch nicht, dass eine bestehen­de Gebüh­ren­ord­nung seit dem 1. Sep­tem­ber 2009 nich­tig gewor­den ist, da der dort fest­ge­setz­te Betrag nicht auf­wands­an­ge­mes­sen sei.

Zunächst ist zu beach­ten, dass dem Norm­ge­ber bei der Fest­set­zung von Gebüh­ren im Rah­men der §§ 2 ff. VwKostG ein Ent­schei­dungs- und Gestal­tungs­spiel­raum zusteht. Die Kon­trol­le der Gebüh­ren­be­mes­sung, die ihrer­seits häu­fig kom­ple­xe Kal­ku­la­tio­nen, Bewer­tun­gen, Ein­schät­zun­gen und Pro­gno­sen vor­aus­setzt, darf nicht über­spannt wer­den. Gebüh­ren wer­den in der Regel in Ver­fah­ren erho­ben, bei denen jede ein­zel­ne Gebühr nicht nach Kos­ten oder Wert und Vor­teil einer real erbrach­ten Leis­tung genau berech­net, son­dern viel­fach nur nach Wahr­schein­lich­keit und Ver­mu­tun­gen in gewis­sem Maße ver­grö­bert bestimmt und pau­scha­liert wer­den kann. Maß­geb­li­che Bestim­mungs­grö­ßen, wie die spe­zi­el­len Kos­ten der gebüh­ren­pflich­ti­gen öffent­li­chen Leis­tung, las­sen sich häu­fig nicht exakt und im Vor­aus ermit­teln und quan­ti­fi­zie­ren. Der Norm­ge­ber ist daher berech­tigt, gene­ra­li­sie­ren­de, typi­sie­ren­de und pau­scha­lie­ren­de Rege­lun­gen zu tref­fen 5. Dem­entspre­chend beschränkt sich die judi­ka­ti­ve Kon­trol­le dar­auf, ob die maß­geb­li­chen Grund­sät­ze der Gebüh­ren­be­mes­sung gröb­lich ver­letzt wor­den sind 6.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 10. Novem­ber 2011 – AnwZ (Brfg) 23/​11

  1. vom 30.07.2009, BGBl. I S. 2449, 2455[]
  2. sie­he auch BT-Drucks. 16/​11385 S. 46[]
  3. vgl. nur Feuerich/​Weyland/​Vossebürger, BRAO, 7. Aufl., § 192 a.F. Rn. 8 f.[]
  4. vgl. nur Henssler/​Prütting, BRAO, 3. Aufl., § 192 n.F. Rn. 4; sie­he auch BT-Drucks. aaO[]
  5. vgl. nur BVerfGE 108, 1, 19[]
  6. vgl. BVerfGE aaO zur gericht­li­chen Kon­troll­dich­te am Maß­stab finanz­ver­fas­sungs­recht­li­cher Recht­fer­ti­gung; BVerw­GE 12, 162, 166 und v. Drei­sing, VwKostG, § 3 Erl. 3 S. 39 zum Kos­ten­de­ckungs- und Äqui­va­lenz­prin­zip des § 3 VwKostG; spe­zi­ell zur Gebüh­ren­ord­nung von Rechts­an­walts­kam­mern sie­he auch Gaier/​Wolf/​Göcken/​Riedel, Anwalt­li­ches Berufs­recht, § 192 BRAO Rn. 9 m.w.N.[]