Beschluss­fas­sung im Umlauf­ver­fah­ren – und der nicht betei­lig­te GmbH-Gesell­schaf­ter

Die Nicht­la­dung eines Gesell­schaf­ters ist ein Ein­be­ru­fungs­man­gel, der nach der gefes­tig­ten Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ent­spre­chend § 241 Nr. 1 AktG zur Nich­tig­keit der in der Ver­samm­lung gefass­ten Gesell­schaf­ter­be­schlüs­se führt 1. Das gilt für die feh­len­de Betei­li­gung an Gesell­schaf­ter­be­schlüs­sen, die im Umlauf­ver­fah­ren gefasst wer­den, in glei­cher Wei­se.

Beschluss­fas­sung im Umlauf­ver­fah­ren – und der nicht betei­lig­te GmbH-Gesell­schaf­ter

Nach § 48 Abs. 2 GmbHG bedarf es der Abhal­tung einer Ver­samm­lung nicht, wenn sich sämt­li­che Gesell­schaf­ter in Text­form mit der zu tref­fen­den Bestim­mung oder mit der schrift­li­chen Abga­be der Stim­men ein­ver­stan­den erklä­ren. Wird einem Gesell­schaf­ter die Mög­lich­keit einer sol­chen Ein­ver­ständ­nis­er­klä­rung nicht ein­ge­räumt, so führt dies eben­so wie die Nicht­la­dung zu einer Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung zur Nich­tig­keit des gefass­ten Beschlus­ses 2.

Ist in der Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung einer GmbH das Zustan­de­kom­men eines bestimm­ten Beschlus­ses vom Ver­samm­lungs­lei­ter fest­ge­stellt wor­den, so ist der Beschluss mit dem fest­ge­stell­ten Inhalt vor­läu­fig ver­bind­lich 3 und bis zur Ent­schei­dung über die Beschluss­an­fech­tungs­kla­ge als gül­tig zu behan­deln 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 2. Juli 2019 – II ZR 406/​17

  1. BGH, Urteil vom 14.12 1961 – II ZR 97/​59, BGHZ 36, 207, 211; Urteil vom 17.10.1988 – II ZR 18/​88, ZIP 1989, 634, 636; Urteil vom 13.02.2006 – II ZR 200/​04, ZIP 2006, 707 Rn. 9; Beschluss vom 24.03.2016 – IX ZB 32/​15, ZIP 2016, 817 Rn. 21[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 16.01.2006 – II ZR 135/​04, ZIP 2006, 852 Rn. 10; Alt­mep­pen in Roth/​Altmeppen, GmbHG, 9. Aufl., Anh. § 47 Rn. 9; Zöllner/​Noack in Baumbach/​Hueck, GmbHG, 21. Aufl., Anh. § 47 Rn. 46; Römer­mann in Michalski/​Heidinger/​Leible/​J. Schmidt, GmbHG, 3. Aufl., Anh. § 47 Rn. 94 f.; Münch­Komm-GmbH­G/Wer­ten­bruch, 3. Aufl., Anh. § 47 Rn. 45; Scholz/​K. Schmidt, GmbHG, 11. Aufl., § 45 Rn. 65; Rai­ser in Ulmer/​Habersack/​Löbbe, GmbHG, 2. Aufl., Anh. § 47 Rn. 43[]
  3. BGH, Urteil vom 21.03.1988 – II ZR 308/​87, BGHZ 104, 66; Urteil vom 03.05.1999 – II ZR 119/​98, ZIP 1999, 1001, 1002; Urteil vom 11.02.2008 – II ZR 187/​06, ZIP 2008, 757 Rn. 22; Urteil vom 21.06.2010 – II ZR 230/​08, ZIP 2010, 1640 Rn. 16[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 04.04.2014 – V ZR 167/​13, ZMR 2015, 235 Rn. 6 f.; Urteil vom 26.10.2018 – V ZR 328/​17, NJW 2019, 1216 Rn. 24[]