Ehe­gat­ten-Bürg­schaft für die Akti­en­ge­sell­schaft

Eine für das Dar­le­hen einer Akti­en­ge­sell­schaft auf­grund Bürg­schafts­ver­trags mit­haf­ten­de, mit­tel­lo­se Ehe­frau kann sich nach einem aktu­el­len Urteil des Ober­lan­des­ge­richts Koblenz auch dann auf die Sit­ten­wid­rig­keit die­ses Ver­tra­ges beru­fen, wenn sie zwar Mit­glied des Ver­wal­tungs­ra­tes der AG, selbst aber nicht Aktio­nä­rin der AG ist.

Ehe­gat­ten-Bürg­schaft für die Akti­en­ge­sell­schaft

Der Ent­schei­dung liegt die Kla­ge einer Lea­sing­ge­sell­schaft zugrun­de, die nach der Kün­di­gung von Betriebs­mit­tel­dar­le­hen für eine Akti­en­ge­sell­schaft neben einem mit 50 Pro­zent betei­lig­ten Aktio­när auch des­sen für die Dar­le­hens­rück­zah­lung bür­gen­de mit­tel­lo­se Ehe­frau in Anspruch nimmt. Die Ehe­frau hat­te zum Zeit­punkt der Inan­spruch­nah­me ihren vor­mals 20%igen Akti­en­an­teil bereits an Drit­te ver­äu­ßert, war aber noch Mit­glied des Ver­wal­tungs­ra­tes der Akti­en­ge­sell­schaft. Das Land­ge­richt Bad Kreuz­nach hat die Ehe­frau und ihren Ehe­mann zur Zah­lung ver­ur­teilt (Urteil vom 27.10.2006 – 2 O 121/​06). Die Beru­fung der Ehe­frau hat­te Erfolg.

Auf­grund der Mit­tel­lo­sig­keit der Ehe­frau sei, so der 6. Zivil­se­nat, davon aus­zu­ge­hen, dass sie bei der Ein­ge­hung der Bürg­schafts­ver­pflich­tung im Sin­ne des § 138 BGB krass über­for­dert gewe­sen sei. Der Bürg­schafts­ver­trag sei des­halb sit­ten­wid­rig. Es bestehe die tat­säch­li­che Ver­mu­tung, dass sich die Ehe­frau bei der Über­nah­me der Bürg­schafts­ver­pflich­tung allein von der emo­tio­na­len Ver­bun­den­heit zu ihrem Ehe­mann habe lei­ten las­sen und die kla­gen­de Gesell­schaft dies in sitt­lich anstö­ßi­ger Wei­se aus­ge­nutzt habe. Für Letz­te­res sei bereits aus­rei­chend, dass sie davon abge­se­hen habe, sich über die maß­geb­li­chen finan­zi­el­len Umstän­de der Ehe­frau zu infor­mie­ren.

Der für die Wider­le­gung der Ver­mu­tung erfor­der­li­che Nach­weis eines eige­nen per­sön­li­chen oder wirt­schaft­li­chen Inter­es­ses der Ehe­frau sei der Gesell­schaft nicht gelun­gen. Die Tat­sa­che, dass sie noch Mit­glied des Ver­wal­tungs­ra­tes der AG war, sei hier­für nicht aus­rei­chend. Der Rechts­streit sei mit den von der Recht­spre­chung ent­schie­de­nen Fäl­len ver­gleich­bar, in denen sich der mit­tel­lo­se Geschäfts­füh­rer einer Gesell­schaft, an der ein Ange­hö­ri­ger als Gesell­schaf­ter betei­ligt ist, für eine Ver­bind­lich­keit der Gesell­schaft ver­bürgt habe. Ein Geschäfts­füh­rer habe näm­lich kein wesent­lich höhe­res finan­zi­el­les Inter­es­se an der Tätig­keit der Gesell­schaft, als bei­spiels­wei­se ein Ange­stell­ter der Gesell­schaft, des­sen Arbeits­platz sei­ne Exis­tenz­grund­la­ge dar­stel­le. Ent­spre­chen­des gel­te im vor­lie­gen­den Fall der Mit­glied­schaft im Ver­wal­tungs­rat, der über­wie­gend nur eine bera­ten­de oder beauf­sich­ti­gen­de Funk­ti­on habe. Die Revi­si­on gegen das Urteil hat der Senat nicht zuge­las­sen.

Ober­lan­des­ge­richt Koblenz, Urteil vom 28.02.2008 – 6 U 1553/​06