Gesell­schaf­ter­han­deln in der GbR

Eine Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts wird im Rechts­ver­kehr von ihren Gesell­schaf­tern ver­tre­ten, und zwar von allen Gesell­schaf­tern gemein­sam, soweit die Gesell­schaf­ter kei­ne ander­wei­ti­ge Rege­lung tref­fen. Inso­weit bestimmt § 709 Abs. 1 BGB, dass für jedes Geschäft die Zustim­mung aller Gesell­schaf­ter erfor­der­lich ist. Die­se Zustim­mung kann bei einem Rechts­ge­schäft, dass ursprüng­lich nicht von allen Gesell­schaf­tern vor­ge­nom­men wur­de, auch noch nach­träg­lich erteilt wer­den, indem der Gesell­schaf­ter, der ursprüng­lich nicht an dem Rechts­ge­schäft mit­ge­wirkt hat, die­ses nach­träg­lich geneh­migt. Die­se Geneh­mi­gung muss nicht aus­drüclich erklärt wer­den, sie kann auch kon­klu­dent, durch schlüs­si­ges Ver­hal­ten erfol­gen. Glei­ches gilt gemäß § 181 BGB auch für Rechts­ge­schäf­te, die ein Gesell­schaf­ter im Namen der Gesell­schaft mit sich selbst abge­schlos­sen hat. In die­sen Fäl­len stellt sich oft­mals die Fra­ge, wann einem Ver­hal­ten ein sol­cher Erklä­rungs­wert zukommt, wann also das Ver­hal­ten des Gesell­schaf­ters von dem betrof­fe­nen Geschäfts­part­ner als Geneh­mi­gung ver­stan­den wer­den kann.

Gesell­schaf­ter­han­deln in der GbR

Hier­zu ent­schied nun der Bun­des­ge­richts­hof, dass bei der Prü­fung, ob das nur von einem der bei­den gesamt­ver­tre­tungs­be­rech­tig­ten Gesell­schaf­ter einer Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts – ent­ge­gen § 181 BGB – vor­ge­nom­me­ne Rechts­ge­schäft von dem ande­ren kon­klu­dent geneh­migt wur­de, allein auf des­sen Kennt­nis­stand abzu­stel­len ist.

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs liegt eine Wil­lens­er­klä­rung trotz feh­len­den Erklä­rungs­be­wusst­seins vor, wenn der Erklä­ren­de bei Anwen­dung der im Ver­kehr erfor­der­li­chen Sorg­falt hät­te erken­nen und ver­mei­den kön­nen, dass sei­ne Äuße­rung nach Treu und Glau­ben und der Ver­kehrs­sit­te als Wil­lens­er­klä­rung auf­ge­fasst wer­den durf­te, und wenn der Emp­fän­ger sie auch tat­säch­lich so ver­stan­den hat [1].

Nach § 166 Abs. 1 BGB kann dem Ver­tre­te­nen das Wis­sen sei­nes Ver­tre­ters grund­sätz­lich nur dann zuge­rech­net wer­den, wenn letz­te­rer Ver­tre­tungs­macht hat­te oder der Ver­tre­te­ne im Nach­hin­ein das Han­deln des Ver­tre­ters geneh­migt hat [2]. Die Fra­ge, ob eine Wis­sens­zu­rech­nung zu Las­ten einer Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts auch dann mög­lich ist, wenn nur ein Gesamt­ver­tre­ter ohne hin­rei­chen­de Ver­tre­tungs­macht gehan­delt hat [3], konn­te in dem jetzt vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall jedoch dahin­ste­hen:

Bei der Prü­fung, ob die vom für die GbR ein­ge­gan­ge­ne Ver­ein­ba­rung kon­klu­dent geneh­migt wor­den ist, ist nicht auf den Kennt­nis­stand der GbR, son­dern auf den des geneh­mi­gen­den Gesell­schaf­ters in sei­ner Funk­ti­on als gesamt­ver­tre­tungs­be­rech­tig­ter Gesell­schaf­ter abzu­stel­len, so der Bun­des­ge­richts­hof. Denn bei der Gesamt­ver­tre­tung hängt die Wirk­sam­keit des Rechts­ge­schäfts ana­log § 177 Abs. 1 BGB von der Geneh­mi­gung der ande­ren ver­tre­tungs­be­rech­tig­ten Per­son ab [4].

Hin­zu kommt in dem jetzt vom BGH ent­schie­de­nen Fall, dass der han­deln­de Gesell­schaf­ter ein Insich­ge­schäft vor­ge­nom­men hat. Von daher bedarf es nicht nur einer Geneh­mi­gung des voll­macht­lo­sen Han­delns, son­dern zudem einer nach­träg­li­chen Befrei­ung von dem Ver­bot des § 181 BGB [5]. Unbe­scha­det der Fra­ge, ob der gesamt­ver­tre­tungs­be­rech­tig­te Klä­ger zu einer sol­chen Befrei­ung über­haupt berech­tigt war [6], steht jeden­falls § 181 BGB einer – auch hier für die Annah­me einer kon­klu­den­ten Geneh­mi­gung erfor­der­li­chen – Wis­sens­zu­rech­nung ent­ge­gen. Dies ergibt sich aus dem Schutz­zweck der Norm [7]. Danach soll sich der Ver­tre­te­ne eine Hand­lung sei­nes Ver­tre­ters dann nicht zurech­nen las­sen müs­sen, wenn die Gefahr eines Inter­es­sen­kon­flikts besteht. Die­ser Schutz wür­de jedoch umgan­gen wer­den, wenn dem einen Gesamt­ver­tre­ter das Wis­sen des zuvor – ent­ge­gen dem Ver­bot des § 181 BGB – han­deln­den ande­ren Gesamt­ver­tre­ters bei der Prü­fung einer kon­klu­den­ten Geneh­mi­gung zuge­rech­net und der Ver­tre­te­ne damit mög­li­cher­wei­se zu einem Rechts­ge­schäft ver­pflich­tet wer­den wür­de, vor des­sen Ein­ge­hung ihn § 181 BGB gera­de schüt­zen will.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 16. Dezem­ber 2009 – XII ZR 146/​07

  1. BGH, Urtei­le vom 13.07.2005 – VIII ZR 255/​04, NJW 2005, 2620, 2621 und vom 29.11.1994 – XI ZR 175/​93, NJW 1995, 953[]
  2. BGHZ 83, 293, 296; BGH, Urteil vom 08.11.1991 – V ZR 260/​90, NJW 1992, 899, 900; BGH, Urteil vom 20.01.1989 – V ZR 137/​87, NJW-RR 1989, 650; und vom 29.03.2000 – VIII ZR 81/​99, NJW 2000, 2272[]
  3. vgl. dazu etwa BGHZ 140, 54, 61 f.; BGH, Urteil vom 13.10.2000 – V ZR 349/​99, NJW 2001, 359, 360; Staub/​Habersack, HGB, 5. Aufl., § 125 Rdn. 24; Schmidt, Gesell­schafts­recht, 4. Aufl. S. 285 ff.; Ulmer/​Schä­fer, Münch­Komm-BGB, 5. Aufl., § 714 Rdn. 27; Staudinger/​Schilken, BGB, Neu­be­ar­bei­tung 2004 § 166 Rdn. 24[]
  4. BGH, Urteil vom 04.12.1981 – V ZR 241/​80, NJW 1982, 1036, 1037; BAG, NJW 1996, 2594, 2595; Palandt/​Heinrichs, BGB, 69. Aufl., § 167 Rdn. 13[]
  5. Palandt/​Heinrichs, aaO, § 181 Rdn. 15 a.E.[]
  6. vgl. hier­zu Ulmer/​Schäfer, aaO, § 714 Rdn. 30 m.w.N.[]
  7. vgl. dazu BGHZ 59, 236, 239 f.[]