Anla­ge­be­ra­tung für eine Fonds­be­tei­li­gung – und die Auf­klä­rungs­pflicht aus struk­tu­rel­len Grün­den

Das all­ge­mei­ne (abs­trak­te) Risi­ko, dass die Ver­wirk­li­chung des Anla­ge­kon­zepts bei Pflicht­wid­rig­kei­ten der Per­so­nen, in deren Hän­den die Geschi­cke der Anla­ge­ge­sell­schaft lie­gen, gefähr­det ist, kann als dem Anle­ger bekannt vor­aus­ge­setzt wer­den und bedarf grund­sätz­lich kei­ner beson­de­ren Auf­klä­rung.

Anla­ge­be­ra­tung für eine Fonds­be­tei­li­gung – und die Auf­klä­rungs­pflicht aus struk­tu­rel­len Grün­den

Pflicht­ver­let­zun­gen sind regel­mä­ßig kein spe­zi­fi­sches Risi­ko der Kapi­tal­an­la­ge. Anders kann es lie­gen, wenn bestimm­te Pflicht­ver­let­zun­gen aus struk­tu­rel­len Grün­den sehr nahe­lie­gend sind 1.

Auch der etwai­ge Erwerb einer gesell­schafts­recht­li­chen Betei­li­gung der Geschäfts­fü­he­rin an der Fonds­ma­nage­ment­ge­sell­schaft ist kein auf­klä­rungs­be­dürf­ti­ger Son­der­vor­teil, da es sich um kei­nen ihr unmit­tel­bar als Geschäfts­füh­re­rin gewähr­ten Son­der­vor­teil aus dem Ver­mö­gen der Fonds­ge­sell­schaft han­delt. Viel­mehr stammt die­ser Vor­teil aus dem Gesell­schafts­ver­mö­gen der Fonds­ma­nage­ment­ge­sell­schaft, wes­halb dahin­ste­hen kann, ob sie ihre Antei­le an die­ser unent­gelt­lich und ohne Rechts­grund erhal­ten hat.

Soweit dar­auf hin­ge­wie­sen wird, dass die Mög­lich­keit eines ein­zel­nen rein kapi­ta­lis­tisch bei­getre­te­nen Anla­ge­ge­sell­schaf­ters in einer Publi­kums­ge­sell­schaft, dem Geschäfts­füh­rer der Fond­ge­sell­schaft Wei­sun­gen zu ertei­len bzw. eine Wei­sungs­er­tei­lung durch die Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung zu errei­chen, sehr gering sei und einen der­art hohen Auf­wand erfor­de­re, der einen ver­nünf­ti­gen Anle­ger von der Zeich­nung einer sol­chen Anla­ge abhal­te, wird der für den Bun­des­ge­richts­hof maß­geb­li­che Aspekt nicht infra­ge gestellt. Denn für die Anla­ge­in­ter­es­sen­ten war im hier ent­schie­de­nen Fall aus dem Emis­si­ons­pro­spekt ersicht­lich, dass die Kom­ple­men­tä­rin und damit auch die Fonds­ge­sell­schaft von der Fonds­ma­nage­ment­ge­sell­schaft als Mut­ter­ge­sell­schaft kon­trol­liert wur­den und des­halb mög­li­cher­wei­se auch deren Inter­es­sen die­nen könn­ten, so dass für den bei­tre­ten­den Anle­ger nicht mehr bedeut­sam sein konn­te, wer Gesell­schaf­ter der Fonds­ma­nage­ment­ge­sell­schaft war.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 1. Okto­ber 2019 – II ZR 410/​18

  1. BGH, Urteil vom 09.05.2017 – II ZR 344/​15, ZIP 2017, 1267 Rn. 21 mwN[]