Immo­bi­li­en­dar­le­hen – und die Wider­rufs­be­leh­rung

Unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen infor­miert der Dar­le­hens­ge­ber einen Ver­brau­cher als Dar­le­hens­neh­mer klar und ver­ständ­lich über den Beginn der Wider­rufs­frist? Mit die­ser Fra­ge hat­te sich aktu­ell der Bun­des­ge­richts­hof im Fal­le eines Immo­bi­li­en­kre­dits zu befas­sen:

Immo­bi­li­en­dar­le­hen – und die Wider­rufs­be­leh­rung

In dem hier ent­schie­de­nen Fall schlos­sen die kla­gen­den Kre­dit­neh­mer als Ver­brau­cher im August 2010 mit der beklag­ten Spar­kas­se einen Immo­bi­li­ar­dar­le­hens­ver­trag über end­fäl­lig 273.000 € mit einer Lauf­zeit bis zum 30. Novem­ber 2026. Sie schrie­ben für zehn Jah­re eine Ver­zin­sung in Höhe von 3,95% p.a. fest. Den effek­ti­ven Jah­res­zins gab die Spar­kas­se mit 3,78% p.a. an. Sie erteil­te unter Nr. 14 des Dar­le­hens­ver­trags eine Wider­rufs­in­for­ma­ti­on, die unter ande­rem fol­gen­den Satz (ohne Fuß­no­te) ent­hielt: "Die Frist [gemeint: die Wider­rufs­frist] beginnt nach Abschluss des Ver­trags, aber erst, nach­dem der Dar­le­hens­neh­mer alle Pflicht­an­ga­ben nach § 492 Abs. 2 BGB (z.B. Anga­be des effek­ti­ven Jah­res­zin­ses, Anga­ben zum ein­zu­hal­ten­den Ver­fah­ren bei der Kün­di­gung des Ver­trags, Anga­be der für die Spar­kas­se zustän­di­gen Auf­sichts­be­hör­de) erhal­ten hat". Als Sicher­heit bestell­ten die Kre­dit­neh­mer eine Grund­schuld. Die Spar­kas­se stell­te den Kre­dit­neh­mern die Dar­le­hens­va­lu­ta zur Ver­fü­gung. Mit Schrei­ben vom 29. August 2013 wider­rie­fen die Kre­dit­neh­mer ihre auf Abschluss des Dar­le­hens­ver­trags gerich­te­te Wil­lens­er­klä­rung.

Ihre Kla­ge auf Fest­stel­lung, dass sie der Spar­kas­se "aus dem wider­ru­fe­nen Dar­le­hens­ver­trag" ledig­lich 265.737,99 € abzüg­lich Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Basis­zins­satz aus 32.778,30 € seit dem 30. Sep­tem­ber 2013 schul­den, und auf Leis­tung vor­ge­richt­li­cher Rechts­an­walts­kos­ten hat das Land­ge­richt Hei­del­berg erst­in­stanz­lich abge­wie­sen 1, die dage­gen gerich­te­te Beru­fung hat das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he zurück­ge­wie­sen 2. Auf die Revi­si­on der Kre­dit­ne­hemr hat der Bun­des­ge­richts­hof nun das Beru­fungs­ur­teil des Ober­lan­des­ge­richts Karls­ru­he auf­ge­ho­ben und die Sache zur neu­en Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Ober­lan­des­ge­richt zurück­ver­wie­sen:

In Über­ein­stim­mung mit sei­nem Urteil vom 23. Febru­ar 2016 3, das das­sel­be For­mu­lar des Deut­schen Spar­kas­sen­ver­lags betraf, hat das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he geur­teilt, die äuße­re Gestal­tung der Wider­rufs­in­for­ma­ti­on habe den gesetz­li­chen Anfor­de­run­gen genügt.

Im Ergeb­nis zu Recht ist das Ober­lan­des­ge­richt wei­ter davon aus­ge­gan­gen, die Wider­rufs­in­for­ma­ti­on sei inhalt­lich klar und ver­ständ­lich gewe­sen. Die Wen­dung, die Wider­rufs­frist begin­ne "nach Abschluss des Ver­trags, aber erst, nach­dem der Dar­le­hens­neh­mer alle Pflicht­an­ga­ben nach § 492 Abs. 2 BGB erhal­ten hat", infor­mier­te für sich klar und ver­ständ­lich über den Beginn der Wider­rufs­frist. Die von der Spar­kas­se zur Erläu­te­rung des Ver­wei­ses auf § 492 Abs. 2 BGB in einem Klam­mer­zu­satz ange­füg­ten Bei­spie­le ent­spra­chen zwar nicht den gesetz­li­chen Vor­ga­ben, weil sie mit den Anga­ben zum ein­zu­hal­ten­den Ver­fah­ren bei der Kün­di­gung des Ver­trags und der für die Spar­kas­se zustän­di­gen Auf­sichts­be­hör­de "Pflicht­an­ga­ben" benann­ten, die für den Immo­bi­li­ar­dar­le­hens­ver­trag der Kre­dit­neh­mer nicht ein­schlä­gig waren. In der Anga­be die­ser bei­den zusätz­li­chen Pflicht­an­ga­ben lag indes­sen das von den Kre­dit­neh­mern ange­nom­me­ne ver­trag­li­che Ange­bot der Spar­kas­se, das Anlau­fen der Wider­rufs­frist von der zusätz­li­chen Ertei­lung die­ser bei­den Anga­ben im Immo­bi­li­ar­dar­le­hens­ver­trag abhän­gig zu machen.

Das Beru­fungs­ur­teil hat­te gleich­wohl kei­nen Bestand, weil die Spar­kas­se im Immo­bi­li­ar­dar­le­hens­ver­trag kei­ne Anga­ben zu der für sie zustän­di­gen Auf­sichts­be­hör­de gemacht und damit nicht sämt­li­che Bedin­gun­gen erfüllt hat, von denen sie selbst das Anlau­fen der Wider­rufs­frist abhän­gig gemacht hat.

Das Ober­lan­des­ge­richt wird nach Zurück­ver­wei­sung der Sache nun­mehr der Fra­ge nach­zu­ge­hen haben, ob sich die Kre­dit­neh­mer im Zusam­men­hang mit der Aus­übung des Wider­rufs­rechts recht­miss­bräuch­lich ver­hal­ten haben und wel­che Rechts­fol­gen der Wider­ruf der Kre­dit­neh­mer – sei­ne Wirk­sam­keit unter­stellt – hat.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 22. Novem­ber 2016 – – XI ZR 434/​15

  1. LG Hei­del­berg, Urteil vom 14. Okto­ber 2014 – 2 O 168/​14[]
  2. OLG Karls­ru­he, Urteil vom 25. August 2015 – 17 U 179/​14[]
  3. BGH, Urteil vom 23. Febru­ar 2016 – XI ZR 101/​15, WM 2016, 706 Rn. 24 ff.[]