Kei­ne Bera­tung durch den Dis­count-Bro­ker

Zwi­schen einem Kapi­tal­an­le­ger und einer Direkt­bank, die aus­drück­lich allein so-genann­te Exe­cu­ti­on-only-Dienst­leis­tun­gen als Dis­count-Bro­ke­rin anbie­tet, kommt im Zusam­men­hang mit Wert­pa­pier­ge­schäf­ten grund­sätz­lich kein still­schwei­gend geschlos­se­ner Anla­ge­be­ra­tungs­ver­trag zustan­de. Eine Zurech­nung etwai­ger Bera­tungs­feh­ler eines vom Kapi­tal­an­le­ger mit sei­ner Bera­tung beauf­trag­ten selb­stän­di­gen Wert­pa­pier­dienst­leis­tungs­un­ter­neh­mens über § 278 BGB schei­det in der Regel aus, weil die Bera­tung nicht zum Pflich­ten­kreis einer sol­chen Direkt­bank gehört.

Kei­ne Bera­tung durch den Dis­count-Bro­ker

Bei gestaf­fel­ter Ein­schal­tung meh­re­rer Wert­pa­pier­dienst­leis­tungs­un­ter­neh­men ist grund­sätz­lich nur das kun­den­nä­he­re Unter­neh­men zur Befra­gung des Anle­gers hin­sicht­lich sei­ner Erfah­run­gen, Kennt­nis­se, Anla­ge­zie­le und finan­zi­el­len Ver­hält­nis­se ver­pflich­tet. Eine Pflicht zur Über­wa­chung des vor­ge­schal­te­ten Bera­tungs­un­ter­neh­mens besteht daher in der Regel nicht. Gleich­wohl kann eine haf­tungs­be­wehr­te Warn­pflicht als Neben­pflicht (§ 241 Abs. 2 BGB) der Exe­cu­ti­on-only-Dienst­leis­tung bestehen, wenn die kun­den­fer­ne­re Direkt­bank die tat­säch­li­che Fehl­be­ra­tung des Kun­den bei dem in Auf­trag gege­be­nen Wert­pa­pier­ge­schäft ent­we­der posi­tiv kennt oder wenn die­se Fehl­be­ra­tung auf­grund mas­si­ver Ver­dachts­mo­men­te objek­tiv evi­dent ist.

Die im Rah­men der Haf­tung der kre­dit­ge­ben­den Bank infol­ge eines kon­kre­ten Wis­sens­vor­sprungs ent­wi­ckel­te Beweis­erleich­te­rung bei insti­tu­tio­na­li­sier­tem Zusam­men­wir­ken 1 ist auf die Zusam­men­ar­beit zwei­er Wert­pa­pier­dienst­leis­tungs­un­ter­neh­men hin­sicht­lich der Erbrin­gung von Wert­pa­pier­dienst­leis­tun­gen nicht über­trag­bar. Nach all­ge­mei­nen Grund­sät­zen trägt daher der Kapi­tal­an­le­ger die Dar­le­gungs- und Beweis­last für die Kennt­nis der Direkt­bank von der tat­säch­li­chen Fehl­be­ra­tung bei dem in Auf­trag gege­be­nen Wert­pa­pier­ge­schäft bzw. für die sich auf­grund mas­si­ver Ver­dachts­mo­men­te auf­drän­gen­de objek­ti­ve Evi­denz die­ser Fehl­be­ra­tung.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 19. März 2013 – XI ZR 431/​11

  1. BGH, Urteil vom 16.05.2006 – XI ZR 6/​04, BGHZ 168, 1 Rn. 51 f.[]