Ver­bes­se­rungs­be­darf beim Bera­tungs­pro­to­koll in der Anla­ge­be­ra­tung

Die Bun­des­an­stalt für Finanz­dienst­leis­tungs­auf­sicht sieht Ver­bes­se­rungs­be­darf bei der prak­ti­schen Umset­zung der Doku­men­ta­ti­on der Anla­ge­be­ra­tung gegen­über Pri­vat­kun­den. Das hat die Aus­wer­tung der Markt­er­he­bung zum Bera­tungs­pro­to­koll erge­ben, die die BaFin nun­mehr abge­schlos­sen hat.

Ver­bes­se­rungs­be­darf beim Bera­tungs­pro­to­koll in der Anla­ge­be­ra­tung

Die Markt­er­he­bung hat­te die BaFin Anfang Febru­ar 2010 gestar­tet. Ziel war es zu klä­ren, wie die seit Jah­res­be­ginn gel­ten­den Vor­schrif­ten zur Doku­men­ta­ti­on der gegen­über Pri­vat­kun­den erbrach­ten Anla­ge­be­ra­tung umge­setzt wur­den. Dazu hat sie sys­te­ma­tisch die Ant­wor­ten von 302 Kre­dit- und Finanz­dienst­leis­tungs­in­sti­tu­ten sowie 1.099 Pro­to­kol­le von 192 Unter­neh­men zu Bera­tun­gen aus­ge­wer­tet, die die­se im Janu­ar durch­ge­führt hat­ten. Dane­ben hat die BaFin die Schu­lungs­un­ter­la­gen von 152 Insti­tu­ten ana­ly­siert.

Bei der Aus­wer­tung hat die BaFin fest­ge­stellt, dass die ver­wen­de­ten Pro­to­koll­vor­dru­cke zur Doku­men­ta­ti­on der Anla­ge­be­ra­tung bei 15 Kre­dit­in­sti­tu­ten und 37 Finanz­dienst­leis­tungs­in­sti­tu­ten unvoll­stän­dig waren. Ins­be­son­de­re ent­hiel­ten die­se Vor­dru­cke nur vor­for­mu­lier­te Ant­wort­mög­lich­kei­ten. Sie sahen kei­ne Mög­lich­keit vor, die zwin­gend ein­zu­ho­len­den Kun­den­an­ga­ben um wei­te­re Infor­ma­tio­nen des Kun­den zu sei­ner per­sön­li­chen Situa­ti­on und sei­nen indi­vi­du­el­len Anlie­gen sowie deren Gewich­tung ergän­zen zu kön­nen. Die BaFin erwar­tet jedoch, dass die Pro­to­koll­vor­dru­cke der Insti­tu­te nicht nur Text­bau­stei­ne ent­hal­ten, son­dern dass sie auch so genann­te Frei­t­ext­fel­der für indi­vi­du­el­le Kun­den­an­ga­ben vor­se­hen. Nur so ist gewähr­leis­tet, dass in einer Situa­ti­on, in der der Kun­de indi­vi­du­el­le Wün­sche äußert, die­se aus­rei­chend doku­men­tiert wer­den.

Ver­bes­se­rungs­be­darf sieht die BaFin aber auch bei den­je­ni­gen Insti­tu­ten, deren Pro­to­koll­vor­dru­cke über Frei­t­ext­fel­der zur Doku­men­ta­ti­on der indi­vi­du­el­len Anga­ben ver­fü­gen. Denn in rund zwei Drit­tel der aus­ge­wer­te­ten Pro­to­kol­le wur­den die­se Frei­t­ext­fel­der nicht genutzt. In die­sem Zusam­men­hang stell­te die BaFin auch fest, dass die Unter­la­gen zur Schu­lung der Mit­ar­bei­ter wenig prak­ti­sche Bei­spie­le für die Doku­men­ta­ti­on indi­vi­du­el­ler Anga­ben des Kun­den ent­hiel­ten.

Die Aus­wer­tung zeig­te zudem, dass die Mehr­heit der befrag­ten Kre­dit- und Finanz­dienst­leis­tungs­in­sti­tu­te eine Unter­zeich­nung des Bera­tungs­pro­to­kolls durch den Kun­den ver­langt. Ein Vier­tel der Insti­tu­te geht sogar so weit, die Aus­füh­rung des Wert­pa­pier­ge­schäfts abzu­leh­nen, wenn der Kun­de nicht unter­schreibt. Ob auch der Kun­de das Pro­to­koll unter­schrei­ben soll, wur­de bereits im Rah­men der Gesetz­ge­bung dis­ku­tiert. Im Ergeb­nis hat der Gesetz­ge­ber nur bestimmt, dass der Bera­ter das Pro­to­koll unter­schrei­ben muss. Des­halb dür­fen nach Ansicht der BaFin weder die Anla­ge­be­ra­tung noch die Erstel­lung und Aus­hän­di­gung des Pro­to­kolls von der Kun­den­un­ter­schrift abhän­gig gemacht wer­den.