Ver­brau­cher­dar­le­hen – und das ver­wirk­te Wider­rufs­recht

Die Auf­fas­sung der Gene­ral­an­wäl­tin des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on vom 11.07.2019 [1], eine Ver­wir­kung des Wider­spruchs­rechts kom­me bei Ver­si­che­rungs­ver­trä­gen unter den dort genann­ten Bedin­gun­gen nicht in Betracht, gibt dem Bun­des­ge­richts­hof kei­nen Anlass, unter uni­ons­recht­li­chen Gesichts­punk­ten an der Anwend­bar­keit des § 242 BGB auf das Wider­rufs­recht bei Ver­brau­cher­dar­le­hens­ver­trä­gen zu zwei­feln [2].

Ver­brau­cher­dar­le­hen – und das ver­wirk­te Wider­rufs­recht

Dass der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on in sei­nem Urteil vom 19.12 2019 [3] den von der Gene­ral­an­wäl­tin geäu­ßer­ten Gedan­ken nicht auf­ge­nom­men hat, war im Lich­te sei­ner Recht­spre­chung kon­se­quent. Eines Hin­wei­ses auf die­ses Urteil, das wie die sonst ein­schlä­gi­ge Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs zu ken­nen und mit­zu­ver­fol­gen von einem Rechts­an­walt zumal dann erwar­tet wer­den muss [4], wenn er ein bestimm­tes, noch nicht abge­schlos­se­nes Ver­fah­ren vor dem Gerichts­hof zur Grund­la­ge der Argu­men­ta­ti­on in sei­ner Rechts­mit­tel­schrift macht, bedurf­te es vor der Beschluss­fas­sung des Bun­des­ge­richts­hofs am 21.01.2020 nicht.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat bereits mit Beschluss vom 21.01.2020 [5] näher dar­ge­legt, dass die Unter­schei­dung zwi­schen "durch­ge­führ­ten" und noch nicht been­de­ten Ver­trä­gen in der Recht­spre­chung des Gerichts­hofs ange­legt ist und der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs zu § 242 BGB zugrun­de liegt. Die dem Urteil des Gerichts­hofs vom 19.12 2019 [3] z.T. unter­leg­te Aus­sa­ge, sofern es kei­nen spe­zi­al­ge­setz­li­chen Erlö­schens­tat­be­stand nach Been­di­gung eines Ver­brau­cher­ver­trags gebe, könn­ten auch die zur Ver­wir­kung ent­wi­ckel­ten all­ge­mei­nen Grund­sät­ze nach Been­di­gung des Ver­trags nicht ange­wandt wer­den, fin­det sich dort nicht.

Sie ist auch wei­te­ren Urtei­len des Uni­ons­ge­richts­hofs [6] nicht zu ent­neh­men.

, Beschluss vom 3. März 2020 – XI ZR 189/​19

  1. EuGH, Schluss­an­trä­ge der Gene­ral­an­wäl­tin vom 11.07.2019 C355, 356, 357, 479/​18, Rn. 76[]
  2. vgl. bereits BGH, Beschluss vom 21.01.2020 – XI ZR 189/​19, WM 2020, 371[]
  3. EuGH, Urteil vom 19.12.2019 C355, 356, 357, 479/​18 "Rust­Hack­ner" u.a., Rn. 91 ff.[][]
  4. vgl. BGH, Urtei­le vom 21.09.2000 – IX ZR 127/​99, WM 2000, 2431, 2435; und vom 23.09.2010 – IX ZR 26/​09, WM 2010, 2050 Rn. 17[]
  5. BGH, Beschluss vom 21.01.2020 – XI ZR 189/​19, WM 2020, 371[]
  6. EuGH, Urteil vom 10.05.2001 C144/​99 "Kommission/​Niederlande", Slg. 2001, I3541 Rn. 17; und vom 04.12.2003 C63/​01 "Evans", Slg 2003, I14447 Rn. 17[]