Kei­ne Kün­di­gung eines Unter­las­sungs­ver­tra­ges

Eine im Risi­ko­be­reich des Unter­las­sungs­schuld­ners lie­gen­de Ände­rung der Beur­tei­lung der tat­säch­li­chen Ver­hält­nis­se berech­tigt nach einem heu­te ver­kün­de­ten Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs nicht zur Kün­di­gung des Unter­las­sungs­ver­tra­ges.

Kei­ne Kün­di­gung eines Unter­las­sungs­ver­tra­ges

Dem heu­ti­gen Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs lag ein Rechts­streit zugrun­de, in dem die Beklag­te im März 2007 einen Arti­kel über drei ehe­ma­li­ge, zu die­ser Zeit noch inhaf­tier­te RAF-Ter­ro­ris­ten ver­öf­fent­lich­te, der mit einem Foto der Klä­ge­rin illus­triert war. Auf die Abmah­nung der Klä­ge­rin, die dar­auf hin­wies, dass sie in ähn­lich gela­ger­ten Fäl­len gegen meh­re­re ande­re Pres­se­or­ga­ne einst­wei­li­ge Ver­fü­gun­gen erwirkt habe, ver­pflich­te­te sich die Beklag­te zur Ver­mei­dung einer wei­te­ren Aus­ein­an­der­set­zung straf­be­wehrt, das Bild­nis der Klä­ge­rin im Zusam­men­hang mit Berich­ten über deren Haft­lo­cke­run­gen und/​oder bevor­ste­hen­de Ent­las­sung künf­tig nicht mehr zu ver­brei­ten. Da die einst­wei­li­gen Ver­fü­gun­gen kei­nen Bestand hat­ten, kün­dig­te die Beklag­te im Mai 2007 den Unter­las­sungs­ver­trag.

Die Klä­ge­rin begehr­te dar­auf die gericht­li­che Fest­stel­lung, dass die Ver­pflich­tung der Beklag­ten aus dem Unter­las­sungs­ver­trag fort­be­steht. Das erst­in­stanz­lich mit dem Rechts­streit befass­te Land­ge­richt Rott­weil hat die Kla­ge abge­wie­sen 1. Auf die Beru­fung der Klä­ge­rin hat jedoch das Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart das land­ge­richt­li­che Urteil auf­ge­ho­ben und der Kla­ge statt­ge­ge­ben 2. Die hier­ge­gen ein­ge­leg­te Revi­si­on des beklag­ten Pres­se­un­ter­neh­mens wur­de heu­te vom Bun­des­ge­richts­hof zurück gewie­sen:

Die Auf­he­bung der einst­wei­li­gen Ver­fü­gun­gen berech­tigt die Beklag­te nicht zur Kün­di­gung der Unter­las­sungs­ver­ein­ba­rung, so der Bun­des­ge­richts­hof. Sie stellt kei­nen wich­ti­gen Grund dar, auf­grund des­sen der Beklag­ten bei Abwä­gung aller Umstän­de die Fort­set­zung des Ver­trags­ver­hält­nis­ses nicht zuge­mu­tet wer­den kann (§ 314 Abs. 1 BGB) und lässt auch nicht die Geschäfts­grund­la­ge der Ver­ein­ba­rung ent­fal­len. Der Bun­des­ge­richts­hof hat die Aus­le­gung des Beru­fungs­ge­rich­tes nicht bean­stan­det, dass die Beklag­te das Risi­ko einer Auf­he­bung der einst­wei­li­gen Ver­fü­gun­gen ver­trag­lich über­nom­men hat. Eine sol­che Auf­he­bung ist auch nicht mit einer nach­träg­li­chen Geset­zes­än­de­rung ver­gleich­bar, die zur Kün­di­gung eines Unter­las­sungs­ver­trags berech­ti­gen kann.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 9. März 2010 – VI ZR 52/​09

  1. LG Rott­weil, Urteil vom 27.02.2008 – 1 O 70/​07[]
  2. OLG Stutt­gart, Urteil vom 21.01.2009 – 4 U 56/​08[]