Kon­for­mi­täts­be­wer­tungs­stel­len – und die von ihr nur befris­tet erteil­ten Akkre­di­tie­run­gen

Für eine Befris­tung der Akkre­di­tie­rung von Kon­for­mi­täts­be­wer­tungs­stel­len besteht nach Ansicht des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts kei­ne Rechts­grund­la­ge.

Kon­for­mi­täts­be­wer­tungs­stel­len – und die von ihr nur befris­tet erteil­ten Akkre­di­tie­run­gen

Kon­for­mi­täts­be­wer­tungs­stel­len prü­fen, ob Pro­duk­te, Ver­fah­ren und Dienst­leis­tun­gen jeweils ein­schlä­gi­gen Anfor­de­run­gen – etwa bestimm­ten Qua­li­täts­stan­dards – genü­gen. Dazu bedür­fen sie einer Akkre­di­tie­rung. Sie ist zu ertei­len, wenn der Bewer­ber sei­ne Kom­pe­tenz für die Durch­füh­rung der ent­spre­chen­den Prü­fun­gen nach­weist.

In dem hier vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Fall erteil­te die beklag­te Akkre­di­tie­rungs­stel­le dem Klä­ger, einem Lan­des­ge­sund­heits­amt, Akkre­di­tie­run­gen für ein Prüf­la­bor und ein medi­zi­ni­sches Labor jeweils befris­tet auf fünf Jah­re. Das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin hat der Kla­ge gegen die Befris­tung statt­ge­ge­ben 1. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg hat die hier­ge­gen gerich­te­te Beru­fung der Akkre­di­tie­rungs­stel­le zurück­ge­wie­sen 2. Und auch die Revi­si­on der Akkre­di­tie­rungs­stel­le hat­te nun vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt kei­nen Erfolg:

Für die Befris­tung der Akkre­di­tie­run­gen fehlt die erfor­der­li­che Rechts­grund­la­ge. Weder die uni­ons­recht­li­che Akkre­di­tie­rungs­ver­ord­nung – Ver­ord­nung (EG) Nr. 765/​2008 – noch das hier­zu ergan­ge­ne Gesetz über die Akkre­di­tie­rungs­stel­le ermäch­ti­gen die­se dazu, Akkre­di­tie­run­gen zu befris­ten. Nach dem Ver­wal­tungs­ver­fah­rens­ge­setz wäre die Befris­tung nur zuläs­sig, wenn sie durch eine Rechts­vor­schrift zuge­las­sen wäre oder dazu dien­te, die Erfül­lung der Vor­aus­set­zun­gen für die Akkre­di­tie­rung zu sichern. Bei­des ist nicht der Fall. Die All­ge­mei­nen Regeln zur Akkre­di­tie­rung von Kon­for­mi­täts­be­wer­tungs­stel­len sehen zwar eine regel­mä­ßi­ge fünf­jäh­ri­ge Befris­tung der Akkre­di­tie­rung vor, sind aber kei­ne Rechts­vor­schrif­ten. Sie wer­den als inter­ne Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten vom Akkre­di­tie­rungs­bei­rat bei dem Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Wirt­schaft und Ener­gie ermit­telt und bin­den nur die Behör­den. Nach außen – gegen­über den betrof­fe­nen Antrag­stel­lern – ent­fal­ten sie kei­ne Wir­kung. Daher kön­nen sie den gesetz­li­chen Anspruch, bei Nach­weis der erfor­der­li­chen Kom­pe­tenz eine Akkre­di­tie­rung zu erhal­ten, nicht ein­schrän­ken. Eine fünf­jäh­ri­ge Befris­tung der Akkre­di­tie­rung ist auch nicht erfor­der­lich, um die Erfül­lung der Akkre­di­tie­rungs­vor­aus­set­zun­gen zu sichern. Dies geschieht nach der Akkre­di­tie­rungs­ver­ord­nung und den gesetz­li­chen Bestim­mun­gen durch eine lau­fen­de Über­wa­chung der akkre­di­tier­ten Stel­len. Wer­den dabei Män­gel fest­ge­stellt, kann dies zur Beschrän­kung, Aus­set­zung oder Auf­he­bung der Akkre­di­tie­rung füh­ren.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 19. Sep­tem­ber 2018 – 8 C 6.17

  1. VG Ber­lin, Urteil vom 03.04.2015 – 4 K 512.13[]
  2. OVG Ber­lin-Bran­den­burg, Urteil vom 14.12.2016 – 1 B 26.14[]