Kon­kur­renz um eine Lini­en­ver­kehrs­ge­neh­mi­gung

Wenn sich meh­re­re Unter­neh­mer um eine Lini­en­ver­kehrs­ge­neh­mi­gung bewer­ben, aber nur einer von ihnen die begehr­te Geneh­mi­gung erhal­ten kann, dann gewähr­leis­tet Art. 12 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit Art. 3 Abs. 1 GG, dass jeder Bewer­ber eine fai­re Chan­ce erhält, ent­spre­chend den in § 13 PBefG gere­gel­ten Geneh­mi­gungs­vor­aus­set­zun­gen zum Zuge zu kom­men. Im Hin­blick auf die Berufs­frei­heit ist inso­weit die Kom­ple­men­tär­funk­ti­on des Ver­fah­rens für die Durch­set­zung der mate­ri­el­len Rech­te zu beach­ten. Art. 12 Abs. 1 GG gebie­tet – unab­hän­gig davon, ob durch die Ver­sa­gung einer Lini­en­ver­kehrs­ge­neh­mi­gung ledig­lich die Berufs­aus­übungs­frei­heit berührt wird oder ob im Ein­zel­fall die Berufs­wahl tan­giert ist – eine der Bedeu­tung der Berufs­frei­heit ange­mes­se­ne Ver­fah­rens­ge­stal­tung im Vor­feld der Aus­wahl­ent­schei­dung 1. Zudem erfor­dert Art. 3 Abs. 1 GG eine der Siche­rung des chan­cen­glei­chen Zugangs zur beruf­li­chen Tätig­keit ange­mes­se­ne Ver­fah­rens­ge­stal­tung 2.

Kon­kur­renz um eine Lini­en­ver­kehrs­ge­neh­mi­gung

Dar­an gemes­sen ist es ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den, dass die Geneh­mi­gungs­be­hör­de die bei ihr ein­ge­hen­den Anträ­ge ande­ren Unter­neh­men zur Kennt­nis gibt und die­sen die Mög­lich­keit ein­räumt, anschlie­ßend mit die­ser Kennt­nis eige­ne, kon­kur­rie­ren­de Anträ­ge zu stel­len. Ent­schei­det sich die Geneh­mi­gungs­be­hör­de für eine sol­che Ver­fah­rens­ge­stal­tung 3, setzt ein chan­cen­glei­cher Wett­be­werb aller­dings vor­aus, dass auch der ers­te Antrag­stel­ler auf die kon­kur­rie­ren­den Anträ­ge reagie­ren kann, weil er sonst gegen­über den Mit­be­wer­bern ohne sach­li­chen Grund benach­tei­ligt wür­de. Eine Mög­lich­keit zum „Nach­bes­sern“ von Anträ­gen ist bei die­ser Ver­fah­rens­ge­stal­tung nicht schlecht­hin unver­ein­bar mit einem fai­ren Wett­be­werb. Solan­ge sie allen Prä­ten­den­ten in glei­cher Wei­se und auf Grund­la­ge eines ver­gleich­ba­ren Kennt­nis­stan­des ein­ge­räumt wird, ist sie unter dem Gesichts­punkt der Chan­cen­gleich­heit nicht zu bean­stan­den. Not­wen­dig ist aller­dings, dass auch bei Abga­be der jeweils letz­ten Antrags­fas­sung die glei­chen Vor­aus­set­zun­gen gel­ten. Die Geneh­mi­gungs­be­hör­de darf des­halb grund­sätz­lich nicht zu einem für die Antrag­stel­ler nicht vor­her­seh­ba­ren, belie­bi­gen Zeit­punkt das Aus­wahl­ver­fah­ren für been­det erklä­ren, son­dern muss in der Regel im Vor­aus einen Ter­min zur Abga­be der letz­ten Antrags­fas­sung fest­le­gen.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 11. Okto­ber 2010 – 1 BvR 1425/​10

  1. vgl. BVerfGE 73, 280, 296; 82, 209, 227; BVerfGK 4, 1, 9; BVerfG, Beschluss vom 20.09.2002 – 1 BvR 819/​01, 1 BvR 826/​01, NJW-RR 2003, 203; Beschluss vom 03.08.2009 – 1 BvR 369/​08, NJW-RR 2009, 1502, 1503[]
  2. vgl. BVerfGE 116, 1, 17 f.[]
  3. vgl. dazu Hein­ze, PBefG, 2007, § 13 Anm. 10, S. 226, § 14 Anm. 3, S. 293 f.; krit. Wer­ner, GewArch 2004, 89, 91; vgl. auch BVerw­GE 118, 270, 276[]