Miet­wa­gen­wer­bung – im Tele­fon­buch unter "T"

§ 49 Abs. 4 Satz 5 PBefG ist eine Markt­ver­hal­tens­re­ge­lung im Sin­ne von § 4 Nr. 11 UWG. Eine als sol­che ohne wei­te­res erkenn­ba­re Anzei­ge eines Miet­wa­gen­un­ter­neh­mens, die in einem Tele­fon­buch unmit­tel­bar unter dem Buch­sta­ben „T“, nicht aber unter der Rubri­ken­über­schrift „Taxi“ plat­ziert ist, führt auch dann nicht zu einer Ver­wechs­lung mit dem Taxen­ver­kehr nach § 49 Abs. 4 Satz 5 PBefG, wenn das Miet­wa­gen­un­ter­neh­men auf die­se Wei­se einen Teil der Nach­fra­ge nach einem Taxi­trans­port auf sich zie­hen will. In einem sol­chen Fall liegt auch kei­ne unlau­te­re geziel­te Behin­de­rung im Sin­ne von § 4 Nr. 10 UWG vor.

Miet­wa­gen­wer­bung – im Tele­fon­buch unter "T"

Ein Ver­stoß gegen §§ 3, 4 Nr. 11 UWG in Ver­bin­dung mit § 49 Abs. 4 Satz 5 PBefG liegt nach dem Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs in einem sol­chen Fall nicht vor: Gemäß § 49 Abs. 4 Satz 5 PBefG darf Wer­bung für Miet­wa­gen­ver­kehr nicht geeig­net sein, zur Ver­wechs­lung mit dem Taxen­ver­kehr zu füh­ren. Die­se Vor­schrift ist eine Markt­ver­hal­tens­re­ge­lung im Sin­ne von § 4 Nr. 11 UWG. Sie bezweckt, den mit beson­de­ren Pflich­ten ver­bun­de­nen Betrieb des Taxen­ver­kehrs in gewis­sem Umfang vor der Kon­kur­renz des weni­ger belas­te­ten Miet­wa­gen­ver­kehrs zu schüt­zen. § 49 Abs. 4 Satz 5 PBefG soll Wett­be­werbs­ver­zer­run­gen zwi­schen bei­den Betriebs­ar­ten ver­mei­den, zu denen es käme, wenn der Miet­wa­gen­ver­kehr für das brei­te Publi­kum nicht mehr ohne wei­te­res vom Taxen­ver­kehr zu unter­schei­den wäre 1.

Die Wer­bung des Miet­wa­gen­un­ter­neh­mers ist jedoch nicht geeig­net, zur Ver­wechs­lung mit dem Taxen­ver­kehr zu füh­ren. Dies gilt zunächst für Text und Gestal­tung der Anzei­gen. Der situa­ti­ons­ad­äquat auf­merk­sa­me, durch­schnitt­lich infor­mier­te und ver­stän­di­ge Ver­brau­cher erkennt schon auf­grund der deut­lich her­aus­ge­stell­ten Über­schrift „Miet­wa­gen Mül­ler“, dass es sich nicht um die Anzei­ge eines Taxi­un­ter­neh­mens han­delt.

Aber auch die Posi­ti­on der Anzei­gen unmit­tel­bar unter dem Buch­sta­ben „T“ führt nicht zu einer rele­van­ten Ver­wechs­lung mit dem Taxen­ver­kehr. Die geson­der­te und deut­lich erkenn­ba­re Rubri­ken­über­schrift „Taxi“ fin­det sich erst in deut­li­chem Abstand im Tele­fon­buch von Lim­burg sogar erst auf der fol­gen­den Sei­te nach dem Buch­sta­ben „T“ und damit nach den bean­stan­de­ten Anzei­gen. Auch wenn der Miet­wa­gen­un­ter­neh­mer mit den Anzei­gen einen Teil der Nach­fra­ge nach einem Taxi­trans­port auf sich zie­hen will, haben die ange­spro­che­nen Ver­brau­cher unter die­sen Umstän­den kei­nen Anlass, die Anzei­ge des Miet­wa­gen­un­ter­neh­mers der Rubri­ken­über­schrift „Taxi“ zuzu­ord­nen. Soweit der Kun­de durch die Anzei­ge erfährt, dass der Miet­wa­gen­un­ter­neh­mer mit Flug­ha­fen­trans­fer und Kran­ken­fahr­ten bestimm­te Dienst­leis­tun­gen anbie­tet, die auch von Taxi­un­ter­neh­men aus­ge­führt wer­den, liegt dar­in eine zuläs­si­ge Infor­ma­ti­on über das Leis­tungs­an­ge­bot des Miet­wa­gen­un­ter­neh­mers. Miet­wa­gen­un­ter­neh­mer sind durch § 49 Abs. 4 Satz 5 PBefG nicht dar­an gehin­dert, für ihr Unter­neh­men auch und ins­be­son­de­re durch Her­vor­he­ben von Merk­ma­len, die ihr Gewer­be von der blo­ßen Fahr­zeug­ver­mie­tung unter­schei­den (etwa „Miet­wa­gen mit Fah­rer“ oder „Miet­fahr­ten“), in einer Wei­se zu wer­ben, wel­che die irre­füh­ren­de Bezeich­nung Taxi ver­mei­det 2.

Da die bean­stan­de­ten Anzei­gen nicht zu einer Ver­wechs­lung mit dem Taxen­ver­kehr füh­ren, kommt ein Ver­stoß gegen das Irre­füh­rungs­ver­bot nach § 5 Abs. 1 Satz 1 und Abs. 2 UWG gleich­falls nicht in Betracht.

Die bean­stan­de­te Anzei­ge stellt auch kei­ne unlau­te­re geziel­te Behin­de­rung im Sin­ne von § 4 Nr. 10 UWG dar 3.

Der Miet­wa­gen­un­ter­neh­mer fängt mit sei­ner Wer­bung Taxi-Kun­den nicht in unlau­te­rer Wei­se ab. Das Ein­drin­gen in einen frem­den Kun­den­kreis und das Aus­span­nen sowie Abfan­gen von Kun­den gehö­ren grund­sätz­lich zum Wesen des Wett­be­werbs. Eine unlau­te­re Behin­de­rung des Mit­be­wer­bers ist des­halb erst gege­ben, wenn auf Kun­den, die bereits dem Wett­be­wer­ber zuzu­rech­nen sind, in unan­ge­mes­se­ner Wei­se ein­ge­wirkt wird, um sie als eige­ne Kun­den zu gewin­nen oder zu erhal­ten. Eine sol­che unan­ge­mes­se­ne Ein­wir­kung auf den Kun­den liegt ins­be­son­de­re dann vor, wenn sich der Abfan­gen­de gewis­ser­ma­ßen zwi­schen den Mit­be­wer­ber und des­sen Kun­den stellt, um die­sem eine Ände­rung sei­nes Ent­schlus­ses, die Waren oder Dienst­leis­tun­gen des Mit­be­wer­bers in Anspruch zu neh­men, auf­zu­drän­gen 4.

Dar­an fehlt es im vor­lie­gen­den Fall. Der Miet­wa­gen­un­ter­neh­mer stellt sich nicht zwi­schen die Taxi­un­ter­neh­men und deren Kun­den, son­dern gleich­sam neben die­se, um den an einer Taxi­fahrt inter­es­sier­ten Ver­brau­chern sein Leis­tungs­an­ge­bot als frei wähl­ba­re Alter­na­ti­ve zu prä­sen­tie­ren. Ein durch­schnitt­lich ver­stän­di­ger Ver­brau­cher wird, wenn er auf der Suche nach der Tele­fon­num­mer eines Taxi­un­ter­neh­mens die bean­stan­de­ten Anzei­gen wahr­nimmt, durch die Wer­be­an­zei­ge des Miet­wa­gen­un­ter­neh­mers nicht davon abge­hal­ten wird, die Ein­trä­ge unter der Rubrik „Taxi“ in den Blick zu neh­men und auf die­ser Basis sei­ne geschäft­li­che Ent­schei­dung zu tref­fen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 24. Novem­ber 2011 – I ZR 154/​10

  1. vgl. BVerfG, Beschluss vom 08.11.1983 1 BvL 8/​81, BVerfGE 65, 237, 247[]
  2. BVerfGE 65, 237, 248[]
  3. vgl. Har­te-Hen­nin­g/Om­sels, UWG, 2. Aufl., § 4 Nr. 10 Rn. 81; Ohly in Piper/​Ohly/​Sosnitza, UWG, 5. Aufl., § 4 Rn. 10.49; aA zu § 1 UWG aF OLG Bam­berg, NJW-RR 1993, 50[]
  4. st. Rspr.; vgl. zuletzt BGH, Urteil vom 05.02.2009 I ZR 119/​06, GRUR 2009, 876 Rn. 21 = WRP 2009, 1086 Ände­rung der Vor­ein­stel­lung II, mwN[]