Schutz­maß­nah­men für Video­spie­le

Unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen genie­ßen tech­ni­sche Maß­nah­men zum Schutz urhe­ber­recht­lich geschütz­ter Video­spie­le ihrer­seits Schutz? Mit die­ser Fra­ge hat­te sich aktu­ell der Bun­des­ge­richts­hof zu befas­sen.

Schutz­maß­nah­men für Video­spie­le

In dem jetzt vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Streit­fall pro­du­ziert und ver­treibt die Klä­ge­rin Video­spie­le und Video­spiel-Kon­so­len, dar­un­ter die Kon­so­le "Nin­ten­do DS" und zahl­rei­che dafür pas­sen­de Spie­le. Sie ist Inha­be­rin der urhe­ber­recht­li­chen Schutz­rech­te an den Com­pu­ter­pro­gram­men, Sprach, Musik, Licht­bild- und Film­wer­ken, die Bestand­teil der Video­spie­le sind. Die Video­spie­le wer­den aus­schließ­lich auf beson­de­ren, nur für die Nin­ten­do-DS-Kon­so­le pas­sen­den Spei­cher­kar­ten ange­bo­ten, die in den Kar­ten­schacht der Kon­so­le ein­ge­steckt wer­den.

Die frü­he­re Beklag­te zu 1, deren Geschäfts­füh­rer die Beklag­ten zu 2 und 3 waren und über deren Ver­mö­gen im Lau­fe des Revi­si­ons­ver­fah­rens das Insol­venz­ver­fah­ren eröff­net und der jet­zi­ge Beklag­te zu 1 zum Insol­venz­ver­wal­ter bestellt wor­den ist, bot im Inter­net Adap­ter für die Nin­ten­do-DS-Kon­so­le an. Die­se Adap­ter sind den ori­gi­na­len Spei­cher­kar­ten in Form und Grö­ße genau nach­ge­bil­det, damit sie in den Kar­ten­schacht der Kon­so­le pas­sen. Sie ver­fü­gen über einen Ein­schub für eine Micro-SD-Kar­te oder über einen ein­ge­bau­ten Spei­cher­bau­stein ("Flash-Spei­cher"). Nut­zer der Kon­so­le kön­nen mit Hil­fe die­ser Adap­ter im Inter­net ange­bo­te­ne Raub­ko­pi­en der Spie­le auf der Kon­so­le ver­wen­den. Dazu laden sie sol­che Kopi­en der Spie­le aus dem Inter­net her­un­ter und über­tra­gen die­se sodann ent­we­der auf eine Micro-SD-Kar­te, die anschlie­ßend in den Adap­ter ein­ge­steckt wird, oder unmit­tel­bar auf den ein­ge­bau­ten Spei­cher­bau­stein des Adap­ters.

Die Klä­ge­rin sieht in dem Ver­trieb der Adap­ter einen Ver­stoß gegen § 95a Abs. 3 UrhG. Die­se Bestim­mung regelt den Schutz wirk­sa­mer tech­ni­scher Maß­nah­men, die ihrer­seits dem Schutz urhe­ber­recht­lich geschütz­ter Wer­ke die­nen. Die Klä­ge­rin hat die Beklag­ten auf Unter­las­sung und Scha­dens­er­satz in Anspruch genom­men.

Das erst­in­stanz­lich mit dem Rechts­streit befass­te Land­ge­richt Mün­chen – I hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben 1. Die hier­ge­gen gerich­te­te Beru­fung der Beklag­ten wies das Ober­lan­des­ge­richt Mün­chen zurück 2. Auf die Revi­si­on der Beklag­ten hat nun jedoch der Bun­des­ge­richts­hof das Beru­fungs­ur­teil weit­ge­hend auf­ge­ho­ben und die Sache an das Ober­lan­des­ge­richt Mün­chen zurück­ver­wie­sen:

Nach § 95a Abs. 3 Nr. 3 UrhG ist (unter ande­rem) der Ver­kauf von Vor­rich­tun­gen ver­bo­ten, die haupt­säch­lich her­ge­stellt wer­den, um die Umge­hung wirk­sa­mer tech­ni­scher Maß­nah­men zu ermög­li­chen. Die­se Vor­schrift schützt nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs auch tech­ni­sche Maß­nah­men zum Schutz für Video­spie­le. Bei der kon­kre­ten Aus­ge­stal­tung der von der Klä­ge­rin her­ge­stell­ten Kar­ten und Kon­so­len han­delt es sich um eine sol­che Schutz­maß­nah­me. Dadurch, dass Kar­ten und Kon­so­len in ihren Abmes­sun­gen so auf­ein­an­der abge­stimmt sind, dass aus­schließ­lich Nin­ten­do-DS-Kar­ten in die Nin­ten­do-DS-Kon­so­len pas­sen, wird ver­hin­dert, dass Raub­ko­pi­en von Video­spie­len der Klä­ge­rin auf den Kon­so­len abge­spielt und damit unbe­fugt ver­viel­fäl­tigt wer­den kön­nen. Die von der Beklag­ten zu 1 ver­trie­be­nen Adap­ter­kar­ten sind auch haupt­säch­lich zur Umge­hung die­ser Schutz­vor­rich­tung her­ge­stellt wor­den. Die Mög­lich­keit des Abspie­lens von Raub­ko­pi­en bil­det den maß­geb­li­chen wirt­schaft­li­chen Anreiz zum Kauf der Adap­ter; die lega­len Ein­satz­mög­lich­kei­ten der Adap­ter tre­ten dem­ge­gen­über ein­deu­tig in den Hin­ter­grund. Das Beru­fungs­ge­richt hat aller­dings nicht geprüft, ob der Ein­satz der tech­ni­schen Schutz­maß­nah­me den Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit wahrt und lega­le Nut­zungs­mög­lich­kei­ten nicht in über­mä­ßi­ger Wei­se beschränkt wer­den.

Die vom Beru­fungs­ge­richt bis­lang getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen recht­fer­ti­gen nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs auch nicht die Annah­me, dass der jet­zi­ge Beklag­te zu 1 als Insol­venz­ver­wal­ter und die Beklag­ten zu 2 und 3 als Geschäfts­füh­rer wegen des rechts­wid­ri­gen Ver­triebs der Adap­ter­kar­ten durch die frü­he­re Beklag­te zu 1 auf Unter­las­sung haf­ten. Auch der von der Klä­ge­rin erho­be­ne Scha­dens­er­satz­an­spruch konn­te auf der Grund­la­ge der Fest­stel­lun­gen des Beru­fungs­ge­richts nicht bejaht wer­den. Der Bun­des­ge­richts­hof hat die Sache daher inso­weit an das Beru­fungs­ge­richt zurück­ver­wie­sen, das die erfor­der­li­chen Fest­stel­lun­gen nach­zu­ho­len hat.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 27. Novem­ber 2014 – I ZR 124/​11 – Video­spiel­kon­so­len II

  1. LG Mün­chen I, Urteil vom 14.10.2009 – 21 O 22196/​08, MMR 2010, 341[]
  2. OLG Mün­chen, Urteil vom 09.06.2011 – 6 U 5037/​09[]