Steu­er­be­ra­ter und Fach­ver­lag – kei­ne gemein­sa­me Home­page

Eine gemein­sam vom einem Ver­lag und einer Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaft betrie­be­ner Inter­net­auf­tritt kann für die betei­lig­ten Steu­er­be­ra­ter eine Berufs­pflicht­ver­let­zung gemäß §§ 56, 57 Abs. 2 und Abs. 4 Nr. 1 StBerG, § 5 Abs. 2, §§ 41, 52 BOStB (unzu­läs­si­ge Koope­ra­ti­on mit einem Gewer­be­trei­ben­den, unzu­läs­si­ge gewerb­li­che Tätig­keit) dar­stel­len.

Steu­er­be­ra­ter und Fach­ver­lag – kei­ne gemein­sa­me Home­page

Zwar beur­teilt der Bun­des­ge­richts­hof die Ein­schal­tung eines gewerb­li­chen Unter­neh­mens zur Gestal­tung der Inter­net­platt­form sowie eine gut­ach­ter­li­che Mit­wir­kung der Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaft an in dem gemein­sa­men Inter­net­auf­tritt bewor­be­nen Ver­lags­pro­duk­ten noch als berufs­recht­lich unbe­denk­lich. Dar­über hin­aus hält der Bun­des­ge­richts­hof den gemein­sa­men Inter­net­auf­tritt jedoch für berufs­rechts­wid­rig und beur­teilt die­sen Sach­ver­halt inso­weit nicht anhand sei­ner bis­he­ri­gen Recht­spre­chung zu gemein­sa­men Wer­be­ver­an­stal­tun­gen von Steu­er­be­ra­tern mit Gewer­be­trei­ben­den 1 2/​02, BGHR StBerG § 57 Abs. 4 Nr. 1 Gewerb­li­che Tätig­keit 2 = NJW 2003, 1540)). Denn eine Über­tra­gung die­ser Recht­spre­chung auch auf einen gemein­sa­men Inter­net­auf­tritt wird nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs der von den betei­lig­ten Unter­neh­men ver­folg­ten Mar­ke­ting­stra­te­gie nicht gerecht, da die bei­den auf der­sel­ben Web­site wer­ben­de Gesell­schaf­ten ihre jewei­li­gen Pro­duk­te vor­lie­gend gera­de nicht iso­liert neben­ein­an­der bewer­ben und ledig­lich aus der gemein­sa­men Wer­bung Syn­er­gie­ef­fek­te erzie­len.

Im vor­lie­gend vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall wur­de der Inter­net­auf­tritt unter der ein­heit­li­chen Mar­ke "KONZ" vor­ge­nom­men wur­de, für die bereits eine auf dem Markt ein­ge­führ­te Pro­dukt­li­nie vor­han­den war, die mit dem gemein­sa­men Inter­net­auf­tritt auch bewor­ben wur­de. Damit liegt nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs nicht nur ein gemein­sa­mer Inter­net­auf­tritt vor, son­dern ein ein­heit­li­cher, maß­geb­lich auch gewerb­li­cher Ver­trieb einer gemein­sa­men Pro­dukt­li­nie, die neben den auf dem Markt bereits ein­ge­führ­ten Pro­duk­ten wie "Steu­er­rat­ge­ber" und "Steu­er­soft­ware" auch noch das wei­te­re Pro­dukt "Steu­er­be­ra­tung" umfasst. Hier­mit muss­te sich das Tat­ge­richt schon des­halb aus­ein­an­der­set­zen, weil nach den Urteils­fest­stel­lun­gen beim Ankli­cken des Stich­wor­tes "Steu­er­be­ra­tung" bzw. spä­ter "Steu­er­erklä­rung" der obe­re Teil der Inter­net­sei­te bis zur Menü­leis­te unver­än­dert blieb und – getrenn­te – "Ver­ant­wort­lich­kei­ten und Nut­zungs­be­din­gun­gen für die ein­zel­nen Berei­che der Inter­net­sei­te" über­haupt nur bei Ankli­cken des am Ende der Sei­te ange­brach­ten Stich­worts "Impres­sum" sicht­bar wur­den. Bei die­ser opti­schen Auf­ma­chung liegt aus der maß­geb­li­chen Sicht eines ver­stän­di­gen Ver­brau­chers die Annah­me der Ver­mark­tung einer gemein­sa­men ein­heit­li­chen Pro­dukt­li­nie auf der Hand, bei der bei­de Part­ner vom Gesamt­erfolg der Ver­mark­tung wirt­schaft­lich pro­fi­tie­ren woll­ten. Der gemein­sa­me Ver­trieb einer ein­heit­li­chen Pro­dukt­li­nie wäre eine nach § 56 StBerG ver­bo­te­ne Koope­ra­ti­on mit einem Gewer­be­trei­ben­den und zugleich eine ver­bo­te­ne gewerb­li­che Tätig­keit im Sin­ne des § 57 Abs. 4 Nr. 1 StBerG.

Dabei liegt für den Bun­des­ge­richts­hof zudem nahe, dass bei einem unvor­ein­ge­nom­me­nen Inter­net­nut­zer der Web­site unge­ach­tet der Impres­s­ums­an­ga­ben der Ein­druck ent­ste­hen konn­te, gar soll­te, der bekann­te Steu­er­rat­ge­ber "KONZ, 1000 ganz lega­le Steu­er­tricks" und die "KONZ Steu­er­soft­ware" sei­en von den Steu­er­be­ra­tern der KONZ Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaft mbH mit­ver­fasst wor­den, ihre Qua­li­tät wür­de von den Steu­er­be­ra­tern mit­ver­ant­wor­tet. Die Fra­ge, ob der gemein­sa­me Inter­net­auf­tritt unter der ein­heit­li­chen Mar­ke "KONZ" eine unzu­läs­si­ge Koope­ra­ti­on dar­stellt, bedarf dabei für den Bun­des­ge­richts­hofs bereits vor dem Hin­ter­grund des im Jah­re 2006 mit dem Ver­lag geschlos­se­nen Mar­ken­li­zenz­ver­trags einer Erör­te­rung. Denn die Gefahr einer unzu­läs­si­gen Ein­fluss­nah­me auf die unab­hän­gi­ge Berufs­aus­übung ist beson­ders groß bei Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaf­ten, die kapi­tal­mä­ßig oder auf ande­re Wei­se von berufs­frem­den Per­so­nen beein­flusst wer­den kön­nen 2. Hier ergibt sich die Gefahr der Ein­fluss­nah­me schon allein aus dem Umstand, dass die Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaft ihren Namen von einem gewerb­lich täti­gen Unter­neh­men ablei­tet, das Steu­er­li­te­ra­tur und Steu­er­soft­ware ver­mark­tet. Denn der Erfolg oder Miss­erfolg der KONZ­Steu­er­li­te­ra­tur könn­te Aus­wir­kun­gen auf das Publi­kums­in­ter­es­se an der KONZ Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaft mbH haben, die die Mar­ke "KONZ" eben­falls in ihrem Namen trägt.

Der Umstand, dass die Steu­er­be­ra­ter­kam­mer die Ver­wen­dung die­ses Namens nicht bean­stan­det hat, wird frei­lich bei der Fra­ge des Ver­schul­dens, gege­be­nen­falls sei­nes Aus­ma­ßes, maß­geb­lich zu berück­sich­ti­gen sein. Eine Ver­fah­rens­ein­stel­lung für den Fall einer Bereit­schaft des ange­schul­dig­ten Steu­er­be­ra­ters, die Gestal­tung der Inter­net­wer­bung in Abstim­mung mit der Steu­er­be­ra­ter­kam­mer maß­geb­lich zu ändern, könn­te nahe lie­gen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 16. März 2011 – StBSt ® 3/​10

  1. BGH, Urteil vom 25.02.2003 – StbSt ((R[]
  2. Gehre/​Koslowski, Steu­er­be­ra­tungs­ge­setz, 06. Aufl., § 57 Rn. 25[]