Über­wa­chung des Lern­er­folgs im Fern­un­ter­richt

Ein Ver­trag über einen Fern­lehr­gang ist nach § 7 Abs. 1 Fer­nUSG 1 nich­tig, wenn der Anbie­ter für die­sen Fern­lehr­gang nicht die nach § 12 Abs. 1 Satz 1 Fer­nUSG erfor­der­li­che Zulas­sung hat.

Über­wa­chung des Lern­er­folgs im Fern­un­ter­richt

Ein sol­cher, der Zulas­sung unter­lie­gen­der Fern­lehr­gang zeich­net sich durch zwei Kri­te­ri­en aus:

  1. Der Anbie­ter ist auf ver­trag­li­cher Grund­la­ge zur ent­gelt­li­chen Ver­mitt­lung von Kennt­nis­sen und Fähig­kei­ten ver­pflich­tet, bei der Ler­nen­de über­wie­gend räum­lich von dem Anbie­ter als Leh­ren­der getrennt ist.
  2. Nach dem geschlos­se­nen Ver­trag ist eine Über­wa­chung des Lern­er­folgs durch den Anbie­ter oder sei­nen Beauf­trag­ten geschul­det (§ 1 Abs. 1 Nr. 2 Fer­nUSG).

Zu eben die­ser ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Über­wa­chung des Lern­er­folgs als Vor­aus­set­zung für die Anwen­dung des Fern­un­ter­richts­schutz­ge­set­zes hat jetzt der Bun­des­ge­richts­hof in einem aktu­el­len Urteil Stel­lung gen­nom­men. Und er hat die Meß­lat­te für die erfor­der­li­che Über­wa­chung – zum Schutz des Ler­nen­den – rela­tiv nied­rig gehan­gen:

Die vom Gesetz vor­ge­se­he­ne Über­wa­chung des Lern­er­folgs ist hin­sicht­lich ihrer Vor­aus­set­zun­gen im Gesetz nicht näher bestimmt. Unter Berück­sich­tung der Ent­ste­hungs­ge­schich­te der Norm und der Inten­ti­on des Gesetz­ge­bers ist die­ses Tat­be­stands­merk­mal jedoch weit aus­zu­le­gen.

Der Gesetz­ge­ber woll­te wegen eines gestie­ge­nen Inter­es­ses an Fern­lehr­gän­gen den Ver­brau­cher­schutz in die­sem Bereich stär­ken. Ins­be­son­de­re waren Män­gel beim Ange­bot von Fern­lehr­gän­gen der­ge­stalt fest­ge­stellt wor­den, dass Ange­bo­te von gerin­ger metho­di­scher und fach­li­cher Qua­li­tät ange­bo­ten wur­den, die nicht geeig­net sind, das in der Wer­bung genann­te Lehr­gangs­ziel zu errei­chen. Die bis­lang gel­ten­den Rechts­vor­schrif­ten waren als nicht hin­rei­chend ange­se­hen wor­den, da sie nicht die beson­de­re Situa­ti­on eines Fern­un­ter­richts­in­ter­es­sen­ten berück­sich­tig­ten, der immer Schwie­rig­kei­ten haben wird, sei­ne eige­nen Fähig­kei­ten, die Qua­li­tät des ange­bo­te­nen Fern­lehr­gangs und des­sen Eig­nung für sei­ne Bedürf­nis­se ein­zu­schät­zen. Ins­be­son­de­re konn­ten sie zur Ver­hin­de­rung des für den Fern­un­ter­richt typi­schen "Scha­dens", näm­lich Ent­täu­schung der Bil­dungs­wil­lig­keit, weni­ger bei­tra­gen 2.

Im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren ist der ursprüng­lich vor­ge­se­he­ne Regie­rungs­ent­wurf, der eine "wie­der­hol­te" und damit min­des­tens zwei­ma­li­ge Über­wa­chung des Lern­er­folgs als Anwen­dungs­vor­aus­set­zung für das Fern­un­ter­richts­ge­setz vor­sah 3, auf Vor­schlag des Bun­des­ra­tes abge­än­dert wor­den. Die­ser erach­te­te eine ein­ma­li­ge Über­wa­chung des Lern­er­folgs als aus­rei­chend, damit sich ein Anbie­ter im Hin­blick auf die­ses Erfor­der­nis dem Anwen­dungs­be­reich des Fern­un­ter­richts­schutz­ge­set­zes nicht ent­zie­hen kön­nen soll­te 4. Wei­te­re Vor­schlä­ge zur Ein­schrän­kung des Anwen­dungs­be­reichs des Fern­un­ter­richts­schutz­ge­set­zes wur­den zurück­ge­wie­sen, damit nicht der­je­ni­ge Fern­un­ter­richt, der den Anfor­de­run­gen des Geset­zes nicht genü­ge, von ihm nicht mehr erfasst wer­de 5.

Der Gesetz­ge­ber ging selbst bei der For­mu­lie­rung des Geset­zes von einem umfas­sen­den und wei­ten Ver­ständ­nis des Begriffs der Über­wa­chung des Lern­er­folgs aus. Der Leh­ren­de oder sein Beauf­trag­ter soll­te sich dabei schrift­li-cher Kor­rek­tu­ren eben­so wie beglei­ten­der Unter­richts­ver­an­stal­tun­gen oder ande­rer Mit­tel bedie­nen kön­nen 6. Des­halb kommt auch eine münd­li­che Kon­trol­le wäh­rend eines beglei­ten­den Direkt­un­ter­richts als hin­rei­chen­de Über­wa­chung des Lern­er­folgs, z.B. durch Fra­ge und Ant­wort, in Betracht 7. Es ist aus­rei­chend, wenn eine indi­vi­du­el­le Anlei­tung des Ler­nen­den vor­ge­se­hen ist 8, die eine Lern­er­folgs­kon­trol­le ermög­licht 9.

Da nach § 2 Abs. 1 i.V.m. § 1 Abs. 1 Fer­nUSG eine Über­wa­chung des Lern­er­folgs nach dem Ver­trag vor­ge­se­hen sein muss, kommt es für die Anwen­dung des Fern­un­ter­richts­schutz­ge­set­zes nicht dar­auf an, ob die­se letzt­lich auch tat­säch­lich durch­ge­führt wird 10. Es reicht des­halb aus, dass nach dem Ver­trag der Ler­nen­de das Recht hat, eine sol­che ein­zu­for­dern, um den Lern­er­folg kon­trol­lie­ren zu las­sen.

Ins­ge­samt ist des­halb eine Über­wa­chung des Lern­er­folgs nach § 1 Abs. 1 Nr. 2 Fer­nUSG bereits dann gege­ben, wenn der Ler­nen­de nach dem Ver­trag den Anspruch hat, z.B. in einer beglei­ten­den Unter­richts­ver­an­stal­tung durch münd­li­che Fra­gen zum erlern­ten Stoff eine indi­vi­du­el­le Kon­trol­le des Lern­er­folgs durch den Leh­ren­den oder sei­nen Beauf­trag­ten zu erhal­ten.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 15. Okto­ber 2009 – III ZR 310/​08

  1. Fern­un­ter­richt­schutz­ge­setz (Fer­nUSG) in der Fas­sung der Bekannt­ma­chung vom 4. Dezem­ber 2000, BGBl. I S. 1670, zuletzt geän­dert durch Gesetz vom 23. März 2005, BGBl. I. S. 931[]
  2. BT-Drucks. 7/​4245 S. 12[]
  3. § 1 Abs. 1 Fer­nUSG-Reg‑E; BT-Drucks. 7/​4245 S. 4, 14[]
  4. BT-Drucks. 7/​4245 S. 22; 7/​4965 S. 7[]
  5. BT-Drucks. 7/​4965 S. 7[]
  6. BT-Drucks. 7/​4245 S. 14[]
  7. vgl. LG Frank­furt am Main, Urteil vom 10.10.1979 – 2/​1 S 153/​79 S. 5[]
  8. Büh­ler, Fern­un­ter­richts­ver­trag und Fern­un­ter­richts­schutz­ge­setz, 1984, S. 94; Faber/​Schade, Fern­un­ter­richts­schutz­ge­setz, 1980, § 1 Rn. 15; Bartl NJW 1976, 1993, 1994[]
  9. Faber/​Schade aaO Rn. 16[]
  10. Büh­ler aaO.; Faber/​Schade, aaO., Rn 14 f[]