Unzu­läs­si­ge Preis­an­pas­sungs­klau­sel in Gas­ver­sor­gungs-Son­der­ver­trag

Nach einem ges­tern ver­kün­de­ten Urteil des Kar­tell­se­nats des Ober­lan­des­ge­richts Koblenz hat ist die in einem Gas­ver­sor­gungs-Son­der­ver­trag ent­hal­te­ne Preis­an­pas­sungs­klau­sel "Die Gas­prei­se ändern sich, wenn eine Ände­rung der all­ge­mei­nen Tarif­prei­se für Gas­prei­se ein­tritt" unwirk­sam.

Unzu­läs­si­ge Preis­an­pas­sungs­klau­sel in Gas­ver­sor­gungs-Son­der­ver­trag

In dem Ver­fah­ren strei­ten die Par­tei­en u. a. um die Wirk­sam­keit von ein­sei­tig vor­ge­nom­me­nen Gas­preis­er­hö­hun­gen. Die Klä­ge­rin ist ein regio­na­les Gas­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men; der Beklag­te ist Eigen­tü­mer eines Anwe­sens. Er schloss mit der Klä­ge­rin im Okto­ber 1996 einen "Gas­ver­sor­gungs-Son­der­ver­trag" zur Ver­sor­gung sei­nes Anwe­sens mit Erd­gas ab. In dem von der Klä­ge­rin vor­for­mu­lier­ten Ver­trag ist die zitier­te Preis­an­pas­sungs­klau­sel ent­hal­ten. Die Klä­ge­rin setz­te wäh­rend der Bezugs­dau­er des Beklag­ten den Arbeits­preis wie­der­holt neu fest. Mit Schrei­ben vom 11. Janu­ar 2006 rüg­te der Beklag­te erst­mals die Unbil­lig­keit der Gas­prei­se.

Mit sei­ner Wider­kla­ge hat der Beklag­te u. a. die Fest­stel­lung begehrt, dass die von der Klä­ge­rin vor­ge­nom­me­nen Preis­er­hö­hun­gen unwirk­sam sei­en. Das Land­ge­richt hat die Wider­kla­ge durch Teil­ur­teil abge­wie­sen.

Die dage­gen gerich­te­te Beru­fung des Beklag­ten hat­te jetzt vor dem Ober­lan­des­ge­richt Koblenz teil­wei­se Erfolg.

Wie der Kar­tell­se­nat aus­führ­te, sei­en die von der Klä­ge­rin gegen­über dem Beklag­ten im Jahr 2006 vor­ge­nom­me­nen und vom Beklag­ten recht­zei­tig bean­stan­de­ten Erhö­hun­gen der Erd­gas­prei­se unwirk­sam. Ein Recht zur ein­sei­ti­gen Ände­rung des Gas­prei­ses ste­he der Klä­ge­rin nicht zu, weil die Preis­an­pas­sungs­klau­sel unwirk­sam sei. Sie sei nicht hin­rei­chend klar und ver­ständ­lich und benach­tei­li­ge die Kun­den der Klä­ge­rin des­halb unan­ge­mes­sen (§ 307 Abs. 1 Satz 2 BGB). Die Klau­sel rege­le zwar die Vor­aus­set­zung für eine Preis­än­de­rung. Nicht hin­rei­chend klar gere­gelt sei aber, wie sich die Gas­prei­se bei Vor­lie­gen der Vor­aus­set­zung ändern sol­len. Unklar sei ins­be­son­de­re, ob die Ände­rung in einem bestimm­ten Ver­hält­nis zur Ände­rung der all­ge­mei­nen Tarif­prei­se erfol­gen und wel­ches Ver­hält­nis dies gege­be­nen­falls sein soll. Es ergä­ben sich zumin­dest drei Aus­le­gungs­mög­lich­kei­ten (nomi­na­le Über­tra­gung der Tarif­preis­än­de­rung, pro­zen­tua­le Über­tra­gung der Tarif­preis­än­de­rung oder ein ein­sei­ti­ges Leis­tungs­be­stim­mungs­recht ohne fes­te rech­ne­ri­sche Bin­dung an die Tarif­preis­än­de­rung). Der Klä­ge­rin sei ein Preis­än­de­rungs­recht auch nicht im Wege der ergän­zen­den Ver­trags­aus­le­gung zuzu­bil­li­gen.

Das Urteil ist noch nicht rechts­kräf­tig, der Kar­tell­se­nat hat die Revi­si­on zum Bun­des­ge­richts­hof zuge­las­sen.

Ober­lan­des­ge­richt Koblenz, Urteil vom 12. Febru­ar 2009 – U 781/​08. Kart