Vege­ta­ri­sche 50 €-Schei­ne

Will ein Schuld­ner sein Dar­lehn mit Geld­schei­nen zurück­zah­len, die mit einem pri­va­ten Stem­pel­auf­druck ver­se­hen sind, ist der Gläu­bi­ger nicht ver­pflich­tet, die­se anzu­neh­men. Zumin­dest dann nicht, wenn er in Mün­chen wohnt. Die Geld­schuld ist eine Wert­ver­schaf­fungs­schuld, kei­ne Sach­schuld. Von daher wer­den nicht bestimm­te Geld­schei­ne geschul­det, son­dern der jewei­li­ge Betrag. Gleich­wohl wer­den Geld­schei­ne mit einem pri­va­ten Stem­pel­auf­druck oft­mals nicht als Zah­lungs­mit­tel akzep­tiert. Sie sind daher nach Ansicht des Amts­ge­richts Mün­chen zur Rück­zah­lung eines Dar­le­hens nicht geeig­net.

Vege­ta­ri­sche 50 €-Schei­ne

In dem dort ent­schie­de­nen Fall gab der spä­te­re Klä­ger der spä­te­ren Beklag­ten einen Kre­dit von 650 €. Als der Ter­min zur Rück­zah­lung anstand, gab sie ihm einen Umschlag mit drei­zehn 50 €-Schei­nen. Der Klä­ger zähl­te zwar die Schei­ne, sah sie sich aller­dings nicht genau­er an. Erst spä­ter merk­te er, dass alle Schei­ne mit einem Stem­pel­auf­druck ver­se­hen waren, durch den auf­ge­for­dert wur­de, zum Schutz für Gesund­heit, Umwelt und Tie­re kein Fleisch zu essen.
Weil er befürch­te­te, dass die­se Schei­ne nicht über­all als Zah­lungs­mit­tel akzep­tiert wer­den, woll­te er unbe­schä­dig­tes Geld von der Dar­le­hens­schuld­ne­rin. Die­se war der Ansicht, dass sie ihre Schuld begli­chen habe. Der Gläu­bi­ger habe kei­nen Anspruch auf eine bestimm­te Qua­li­tät der Geld­schei­ne.

Die Sache kam vor das Amts­ge­richt Mün­chen und das gab dem Gläu­bi­ger Recht: Die Geld­schuld sei eine Wert­ver­schaf­fungs­schuld, kei­ne Sach­schuld. Der Schuld­ner habe dem Gläu­bi­ger die Ver­mö­gens­macht an 650 € zu ver­schaf­fen. Die­se Ver­pflich­tung habe die Beklag­te durch Über­ga­be der mit dem Stem­pel­auf­druck ver­se­he­nen Schei­ne nicht erfüllt. Die­se Schei­ne wür­den im Zah­lungs­ver­kehr oft­mals tat­säch­lich nicht akzep­tiert. Es kön­ne dem Klä­ger auch nicht zuge­mu­tet wer­den, die Geld­schei­ne bei der Bun­des­bank umzu­tau­schen.

Geld­schei­ne, wel­che erst umge­tauscht wer­den müs­sen, um als gesetz­li­ches Zah­lungs­mit­tel akzep­tiert zu wer­den, sei­en zur Rück­zah­lung des Dar­le­hens nicht geeig­net.

Amts­ge­richt Mün­chen, Urteil vom 9. Juni 2010 – 233 C 7650/​10 (rechts­kräf­tig)