Vor­beu­gen­der Ver­let­zungs­un­ter­las­sungs­an­spruch – und die Erst­be­ge­hungs­ge­fahr

Wenn ein Unter­las­sungs­an­spruch als Ver­let­zungs­un­ter­las­sungs­an­spruch gemäß § 8 Abs. 1 Satz 1 UWG oder als vor­beu­gen­der Unter­las­sungs­an­spruch gemäß § 8 Abs. 1 Satz 2 UWG in Betracht kommt, bestimmt sich die Fra­ge, ob es sich um einen Streit­ge­gen­stand oder um zwei ver­schie­de­ne Streit­ge­gen­stän­de han­delt, nach den all­ge­mei­nen Regeln. Es kommt daher bei einem ein­heit­li­chen Kla­ge­an­trag dar­auf an, ob es sich um einen ein­heit­li­chen Sach­ver­halt oder um meh­re­re den Anspruch mög­li­cher­wei­se recht­fer­ti­gen­de Lebens­sach­ver­hal­te han­delt.

Vor­beu­gen­der Ver­let­zungs­un­ter­las­sungs­an­spruch – und die Erst­be­ge­hungs­ge­fahr

Die für einen vor­beu­gen­den Unter­las­sungs­an­spruch erfor­der­li­che Erst­be­ge­hungs­ge­fahr liegt regel­mä­ßig nicht vor, wenn ein Wett­be­wer­ber sei­nen bis­lang in wett­be­werbs­wid­ri­ger Wei­se betrie­be­nen Han­del unter Hin­weis auf die Been­di­gung der Geschäfts­be­zie­hung mit sei­nem bis­he­ri­gen Lie­fe­ran­ten sowie dar­auf aus­ge­setzt hat, dass er an neu­en Pro­duk­ten arbei­te, und zwi­schen die­ser Mit­tei­lung und der Ein­lei­tung gericht­li­cher Maß­nah­men nahe­zu ein­ein­halb Jah­re ver­gan­gen sind, ohne dass der Wett­be­wer­ber wie­der auf dem Markt auf­ge­tre­ten ist oder nach außen erkenn­ba­re Vor­be­rei­tungs­hand­lun­gen dafür getrof­fen hat.

Wenn ein Unter­las­sungs­an­spruch als Ver­let­zungs­un­ter­las­sungs­an­spruch gemäß § 8 Abs. 1 Satz 1 UWG oder als vor­beu­gen­der Unter­las­sungs­an­spruch nach § 8 Abs. 1 Satz 2 UWG in Betracht kommt, bestimmt sich die Fra­ge, ob es sich um einen Streit­ge­gen­stand oder um zwei ver­schie­de­ne Streit­ge­gen­stän­de han­delt, nach den all­ge­mei­nen Regeln. Ist wie im Streit­fall dem Unter­las­sungs­an­trag nicht zu ent­neh­men, ob es sich um einen Ver­let­zungs­un­ter­las­sungs­an­spruch oder einen vor­beu­gen­den Unter­las­sungs­an­spruch han­delt, kommt es auf den Kla­ge­grund, das heißt dar­auf an, ob es sich um einen ein­heit­li­chen Sach­ver­halt oder um meh­re­re den Anspruch mög­li­cher­wei­se recht­fer­ti­gen­de Lebens­sach­ver­hal­te han­delt 1. Im Streit­fall liegt ein ein­heit­li­cher Lebens­sach­ver­halt vor. Die­ser besteht in der Lie­fe­rung von Stirn­lam­pen im Inter­net auf­grund der bean­stan­de­ten Klau­seln der Home­page des Beklag­ten.

Ein auf Erst­be­ge­hungs­ge­fahr gestütz­ter vor­beu­gen­der Unter­las­sungs­an­spruch setzt vor­aus, dass ernst­haf­te und greif­ba­re tat­säch­li­che Anhalts­punk­te für eine in naher Zukunft kon­kret dro­hen­de Rechts­ver­let­zung bestehen 2. Dabei muss sich die Erst­be­ge­hungs­ge­fahr auf eine kon­kre­te Ver­let­zungs­hand­lung bezie­hen. Die die Erst­be­ge­hungs­ge­fahr begrün­den­den Umstän­de müs­sen die dro­hen­de Ver­let­zungs­hand­lung so kon­kret abzeich­nen, dass sich für alle Tat­be­stands­merk­ma­le zuver­läs­sig beur­tei­len lässt, ob sie ver­wirk­licht sind 3.

Sol­che Anhalts­punk­te lagen im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Streit­fall weder im Zeit­punkt der Kla­ge­er­he­bung noch nach­fol­gend wäh­rend des Zeit­raums vor, wäh­rend des­sen die Klä­ge­rin Stirn­lam­pen ver­trie­ben hat. Zwar befan­den sich sei­ner­zeit die Beleh­rung über das Rück­ga­be­recht der Kun­den und die All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen mit der Haf­tungs­re­ge­lung noch auf der Home­page des Beklag­ten. Es ist aber auch zu berück­sich­ti­gen, dass der Beklag­te in sei­ner Mit­tei­lung vom 30.09.2011 dar­auf hin­ge­wie­sen hat, dass er den Han­del mit Stirn­lam­pen im Hin­blick auf die Been­di­gung der Geschäfts­be­zie­hung mit sei­nem bis­he­ri­gen Lie­fe­ran­ten aus­ge­setzt habe und an neu­en Pro­duk­ten arbei­te, deren Ent­wick­lung eini­ge Zeit in Anspruch neh­men wer­de. Wei­ter­hin ist in Rech­nung zu stel­len, dass zwi­schen die­ser Mit­tei­lung und der Erhe­bung der vor­lie­gen­den Kla­ge nahe­zu ein­ein­halb Jah­re ver­gan­gen sind, ohne dass der Beklag­te wie­der auf dem Markt mit Stirn­lam­pen auf­ge­tre­ten ist oder nach außen erkenn­ba­re Vor­be­rei­tungs­hand­lun­gen dafür getrof­fen hat. Danach kann nicht ange­nom­men wer­den, dass im Zeit­punkt der Erhe­bung der vor­lie­gen­den Kla­ge oder nach­fol­gend bis zu dem Zeit­punkt, zu dem die Klä­ge­rin ihrer­seits den Han­del mit Stirn­lam­pen ein­ge­stellt hat, ernst­haf­te und greif­ba­re tat­säch­li­che Anhalts­punk­te für in naher Zukunft kon­kret dro­hen­de Rechts­ver­let­zun­gen bestan­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Ver­sä, umnis­ur­teil vom 10. März 2016 – I ZR 183/​14

  1. BGH, Urteil vom 23.09.2015 – I ZR 15/​14, GRUR 2016, 83 Rn. 41 = WRP 2016, 213 Amplidect/​ampliteq[]
  2. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urteil vom 18.06.2014 – I ZR 242/​12, BGHZ 201, 344 Rn. 35 – Geschäfts­füh­rer­haf­tung; Urteil vom 23.10.2014 – I ZR 133/​13, GRUR 2015, 603 Rn. 17 = WRP 2015, 717 – Keks­stan­gen; Urteil vom 27.11.2014 – I ZR 124/​11, GRUR 2015, 672 Rn. 63 = WRP 2015, 739 – Video­spiel-Kon­so­len II; Urteil vom 19.03.2015 – I ZR 4/​14, GRUR 2015, 1108 Rn. 53 = WRP 2015, 1367 – Green-IT[]
  3. BGH, GRUR 2015, 603 Rn. 17 – Keks­stan­gen, mwN[]