Wer­bung für eine Eizell­spen­de

Es besteht kein wett­be­werbs­recht­li­cher Unter­las­sungs­an­spruch, wenn in Deutsch­land für Vor­be­rei­tungs­hand­lun­gen für eine Eizell­spen­de gewor­ben wird, die in der in der Tsche­chi­schen Repu­blik vor­ge­nom­men wer­den soll.

Wer­bung für eine Eizell­spen­de

Die jetzt letzt­in­stanz­lich vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­ne Unter­las­sungs­kla­ge rich­te­te sich gegen einen an einem Insti­tut für Repro­duk­ti­ons­me­di­zin und Endo­kri­no­lo­gie in der Tsche­chi­schen Repu­blik täti­gen Fach­arzt für Gynä­ko­lo­gie und Frau­en­heil­kun­de. Auf einer Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung in Ham­burg im März 2008 zur Repro­duk­ti­ons­me­di­zin wies er dar­auf hin, in der Tsche­chi­schen Repu­blik sei­en Eizell­spen­den anders als in Deutsch­land nicht ver­bo­ten. Er erklär­te bei der Ver­an­stal­tung in Ham­burg wei­ter, dass in Deutsch­land nie­der­ge­las­se­ne Ärz­te die für Eizell­über­tra­gun­gen nöti­gen Vor­be­hand­lun­gen von Eizell­spen­de­rin­nen und Eizell­emp­fän­ge­rin­nen vor­neh­men. Nach Ansicht des Klä­gers hat er dadurch die Gefahr geschaf­fen, dass sich Frau­en an Ärz­te in Deutsch­land wen­den und die­se ent­spre­chen­de Vor­be­hand­lun­gen vor­neh­men. Der tsche­chi­sche Gynä­ko­lo­ge tra­ge dadurch wis­sent­lich dazu bei, dass sich deut­sche Ärz­te an Ver­stö­ßen gegen das in § 1 Abs. 1 Nr. 1 und 2 des deut­schen Embryo­nen­schutz­ge­set­zes (ESchG)* ent­hal­te­ne Ver­bot der Eizell­spen­de betei­lig­ten. Der Klä­ger begehr­te daher von ihm die Unter­las­sung der Wer­bung für eine Eizell­spen­de am Insti­tut für Repro­duk­ti­ons­me­di­zin und Endo­kri­no­lo­gie in der Tsche­chi­schen Repu­blik unter gleich­zei­ti­gem Hin­weis auf eine Vor­be­hand­lung durch in Deutsch­land nie­der­ge­las­se­ne Ärz­te.

Das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Land­ge­richt Ber­lin hat die Kla­ge abge­wie­sen 1. Dage­gen hat in der Beru­fungs­in­stanz das Ber­li­ner Kam­mer­ge­richt den tsche­chi­schen Gynä­ko­lo­gen antrags­ge­mäß ver­ur­teilt 2. Der tsche­chi­sche Gynä­ko­lo­gie habe, so das Kam­mer­ge­richt, durch sei­ne Äuße­rung die nahe­lie­gen­de Gefahr geschaf­fen, dass Besu­che­rin­nen der Ver­an­stal­tung einen Arzt in Deutsch­land für eine die Eizell­über­tra­gung vor­be­rei­ten­de Behand­lung auf­such­ten und die die Vor­be­hand­lung durch­füh­ren­den Ärz­te Bei­hil­fe zu einer nach deut­schem Recht straf­ba­ren Eizell­spen­de leis­te­ten. Auf die Revi­si­on des Repro­duk­ti­ons­me­di­zi­ners hat nun der Bun­des­ge­richts­hof das Beru­fungs­ur­teil des Kam­mer­ge­richts auf­ge­ho­ben und das klag­ab­wei­sen­de Urteil ers­ter Instanz wie­der­her­ge­stellt:

Das in § 1 Abs. 1 Nr. 1 und 2 ESchG gere­gel­te Ver­bot der Eizell­spen­de stellt nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs kei­ne Markt­ver­hal­tens­re­ge­lung nach § 4 Nr. 11 UWG** dar. Es dient der Wah­rung des Kin­des­wohls und soll ver­hin­dern, dass ein jun­ger Mensch in sei­ner see­li­schen Ent­wick­lung beein­träch­tigt wird, wenn er sich mit einer gene­ti­schen und einer aus­tra­gen­den Mut­ter kon­fron­tiert sieht. Das Ver­bot dient allein dem Kin­des­wohl und hat kein wett­be­werb­li­chen Schutz­zweck und bezweckt auch nicht, den Wett­be­werb der auf dem Gebiet der Kin­der­wunsch­be­hand­lung täti­gen Ärz­te zu regeln.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 8. Okto­ber 2015 – – I ZR 225/​13

  1. LG Ber­lin, Urteil vom 09.08.2011 – 15 O 474/​10[]
  2. KG, Urteil vom 08.11.2013 – 5 U 143/​11, MedR 2014, 498[]