Zulas­sung von Fern­un­ter­richt

Die Bun­des­re­gie­rung möch­te die Regeln für die Zulas­sung von Fern­un­ter­richt teil­wei­se neu gestal­ten und hat hier­zu einen Gesetz­ent­wurf in den Deut­schen Bun­des­tag ein­ge­bracht. Ziel ist eine Anpas­sung des Fern­un­ter­richts­schutz­ge­set­zes an die Euro­päi­sche Dienst­leis­tungs­richt­li­nie. So soll eine Geneh­mi­gungs­fik­ti­on auf­ge­nom­men wer­den und die Mög­lich­keit zur Ein­füh­rung einer ein­heit­li­chen Stel­le zur erleich­ter­ten Abwick­lung von For­ma­li­tä­ten und Ver­fah­ren geschaf­fen wer­den.

Zulas­sung von Fern­un­ter­richt

EU-Dienst­leis­tungs­richt­li­nie

Die Richt­li­nie 2006/​123/​EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 12. Dezem­ber 2006 über Dienst­leis­tun­gen im Bin­nen­markt 1 hat zum Ziel, admi­nis­tra­ti­ve und recht­li­che Hin­der­nis­se für Dienst­leis­ter abzu­bau­en, um die Wett­be­werbs­fä­hig­keit des Dienst­leis­tungs­sek­tors inner­halb der Euro­päi­schen Uni­on zu stär­ken. Sie gilt als Kon­kre­ti­sie­rung der auf euro­päi­scher Ebe­ne geschütz­ten Dienst­leis­tungs-und Nie­der­las­sungs­frei­heit.

Die Richt­li­nie ver­pflich­tet die Mit­glied­staa­ten unter ande­rem dazu, ihre gesam­ten dienst­leis­tungs­be­zo­ge­nen Nor­men auf „Ein­fach­heit" hin zu über­prü­fen und mög­li­che Wider­sprü­che zur Richt­li­nie auf­zu­de­cken. Der jetzt von der Bun­des­re­gie­rung vor­ge­leg­te Gesetz­ent­wurf setzt die Ergeb­nis­se die­ser Nor­men­prü­fung im Zustän­dig­keits­be­reich des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Bil­dung und For­schung um. Dabei folgt er dem Grund­satz der Richt­li­nie, dass Tätig­kei­ten von Dienst­leis­tern auch dadurch erleich­tert wer­den kön­nen, dass die­se ihre dienst­leis­tungs­re­le­van­ten Ver­fah­ren über die "Ein­heit­li­che Stel­le" abwi­ckeln kön­nen, Anträ­ge inner­halb vor­ab fest­ge­leg­ten Ent­schei­dungs­frist bear­bei­tet wer­den müs­sen und bei Ver­strei­chen die­ser Frist eine Geneh­mi­gungs­fik­ti­on ein­tritt. Die­se Rege­lun­gen wur­den bereits in das natio­na­le Ver­fah­rens­recht über­nom­men und sind in den §§ 42a und 71a ff VewVfG gere­gelt. Rege­lungs­tech­nisch muss das als dienst­leis­tungs­re­le­vant ein­ge­stuf­te Fach­recht auf die­se neu­en Ver­fah­ren ver­wei­sen, wozu der vor­lie­gen­de Gesetz­ent­wurf dient.

Im Zustan­dig­keits­be­reich des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Bil­dung und For­schung besteht nur beim Gesetz zum Schutz der Teil­neh­mer am Fern­un­ter­richt, dem sog.
Fem­un­ter­richts­schutz­ge­setz (Fer­nUSG), Anlass zu gering­fü­gi­gen Rechts­an­pas­sun­gen. Um hier­bei eine mög­li­che Inlän­der­dis­kri­mi­nie­rung aus­zu­schlie­ßen, gel­ten die Vor­schrif­ten der EG-Dienst­leis­tungs­richt­li­nie eben­falls für inlän­di­sche und nicht grenz­über­schrei­ten­de Sach­ver­hal­te.

Ein­heit­li­che Stel­le

Die Ein­füh­rung der "Ein­heit­li­chen Stel­le" in § 12a Absatz 1 dient der Umset­zung von Arti­kel 6 der EG-Dienst­leis­tungs­richt­li­nie. Hier­nach stel­len die Mit­glied­staa­ten sicher, dass Dienst­leis­tungs­er­brin­ger Ver­fah­ren und For­ma­li­tä­ten über soge­nann­te Ein­heit­li­che Ansprech­part­ner (in Deutsch­land: ein­heit­li­che Stel­len) abwi­ckeln kön­nen. Das Ver­fah­rens­in­stru­ment der ein­heit­li­chen Stel­le wur­de in den §§ 71a ff. VwVfG gere­gelt. Durch die Anord­nung in § 12a Absatz 1 wird die Mög­lich­keit der Abwick­lung über die ein­heit­li­che Stel­le auch für die Zulas­sungs­ver­fah­ren nach dem Fer­nUSG eröff­net.

Da der Bund durch § 12 a Absatz 1 FernUSG‑E eine Rege­lung über das Ver­wal­tungs­ver­fah­ren schafft, kön­nen die Län­der gemäß Arti­kel 84 Absatz 1 GG hier­von abwei­chen­de Rege­lun­gen tref­fen.

Ent­schei­dungs­frist Geneh­mi­gungs­fik­ti­on

Die Ein­füh­rung der Geneh­mi­gungs­fik­ti­on nach Ablauf einer Ent­schei­dungs­frist dient der Umset­zung des Arti­kels 13 der EG-Dienst­leis­tungs­richt­li­nie, wel­cher natio­nal durch die Ein­füh­rung des § 42a des Ver­wal­tungs­ver­fah­rens­ge­set­zes umge­setzt wur­de. Gemäß Arti­kel 13 Absatz 3 der EG-Dienst­leis­tungs­richt­li­nie sind alle Geneh­mi­gungs­an­trä­ge unver­züg­lich und in jedem Fall inner­halb einer vor­ab fest­ge­leg­ten und bekannt gemach­ten ange­mes­se­nen Frist zu bear­bei­ten. Dabei kann die Frist ein­mal ver­län­gert wer­den, wenn dies durch die Kom­ple­xi­tät der Ange­le­gen­heit gerecht­fer­tigt ist. Nach Arti­kel 13 Absatz 4 FernUSG‑E soll die Geneh­mi­gung als erteilt gel­ten, wenn der Antrag nicht bin­nen der vor­ab fest­ge­leg­ten Frist beant­wor­tet wird.

In Über­ein­stim­mung mit der all­ge­mei­nen Rege­lung ent­spre­chend § 42a Absatz 2 VwVfG soll die Bear­bei­tungs­frist bei der Geneh­mi­gungs­be­hör­de drei Mona­te betra­gen. Inner­halb die­ser Frist kön­nen nach Ansicht der Bun­des­re­gie­rung der Erfah­rung nach nach im All­ge­mei­nen Anträ­ge auf Zulas­sung von Fern­un­ter­richt abschlie­ßend bear­bei­tet wer­den.

In beson­ders gela­ger­ten Aus­nah­me­fäl­len, wie der Betei­li­gung des Bun­des­in­sti­tuts für Berufs­bil­dung nach § 19 Absatz 2, kann von der in der Richt­li­nie und in § 42a Absatz 2 Satz 3 VwVfG vor­ge­se­he­nen Mög­lich­keit der ein­ma­li­gen Ver­län­ge­rung der Bear­bei­tungs­frist Gebrauch gemacht wer­den.

Da der Bund durch die Anord­nung einer Ent­schei­dungs­frist eine Rege­lung über das Ver­wal­tungs­ver­fah­ren schafft, kön­nen auch inso­weit die Bun­des­län­der gemäß Arti­kel 84 Absatz 1 GG hier­von abwei­chen­de Rege­lun­gen tref­fen.

Frei­stel­lung der staat­li­chen Hoch­schu­len

Zwi­schen Bun­des­re­gie­rung und Bun­des­rat umstrit­ten ist noch, ob die staat­li­chen und staat­lich aner­kann­ten Hoch­schu­len von dem Zulas­sungs­er­for­der­nis nach § 12 Abs. 1 Fer­nUSG aus­ge­nom­men wer­den sol­len. Dies hat­te der Bun­des­rat in sei­ner Stel­lung­nah­me zum Gesetz­ent­wurf gefor­dert, wird aller­dings von der Bun­des­re­gie­rung der­zeit abge­lehnt, da die Lan­des­hoch­schul­ge­set­ze jeden­falls nicht die spe­zi­fi­schen Ver­trags­ge­sichts­punk­te und Infor­ma­ti­ons­pflich­ten des Fern­un­ter­richts betref­fen. Eine Frei­stel­lung der Hoch­schu­len vom Erfor­der­nis der Zulas­sung ihrer pri­vat­recht­li­chen Fern­un­ter­richts­an­ge­bo­te wäre des­halb nach Auf­fas­sung der Bun­des­re­gie­rung mit dem Schutz­zweck des Geset­zes nicht ver­ein­bar und wür­de zudem ande­re Anbie­ter von Fern­un­ter­richt benach­tei­li­gen, die einer gebüh­ren­pflich­ti­gen Zulas­sung bedür­fen.

  1. ABI. EG Nr. L 376 S. 36[]