131,7% Totalschaden

Übersteigen die Reparaturkosten den Wiederbeschaffungswert (abzüglich des Restwertes) eines Autos so liegt ein wirtschaftlicher Totalschaden vor, so dass der Geschädigte als Schadensersatz nur den Wiederbeschaffungswert abzüglich des Restwertes des verunfallten Fahrzeugs verlangen kann. Ein Ausnahme hiervon gibt es jedoch: Liegen die Reparaturkosten bei höchstens 130% des Wiederbeschaffungswertes (ohne Berücksichtigung des Restwertes), so wird dem Geschädigten nicht zugemutet, sich nach einem neuen Fahrzeug umzusehen, sondern er kann, wenn das Unfallfahrzeug tatsächlich repariert wird, auf Basis der Reparaturkosten abrechnen.

131,7% Totalschaden

Wird jedoch diese Grenze von 130% überschritten, so scheidet eine Abrechnung auf Reparaturkostenbasis in jedem Fall aus. Auch bei einer Überschreitung der 130%-Grenze um nur 1,7% kann daher nur noch Ersatz des Wiederbeschaffungsaufwandes (abzüglich des Restwertes) verlangt werden.

In einem vom Amtsgericht München entschiedenen Rechtsstreit war die Ehefrau des späteren Klägers mit dessen PKW Renault Scenic 1,9 dCi im Oktober 2008 in München unterwegs. Verkehrsbedingt musste sie hinter einem anderen Auto halten, da Fußgänger die Strasse überquerten. In diesem Moment spürte sie einen Schlag gegen das Fahrzeug. Ein anderer Verkehrsteilnehmer war hinten rechts aufgefahren. Dabei wurde der Heckbereich rechts beschädigt. So wurde z.B. der Stoßfänger eingedrückt, ebenso die Heckklappe, die nicht mehr richtig schloss. Insgesamt ermittelte ein Sachverständiger Reparaturkosten in Höhe von 7243 €.

Diesen Betrag wollte der Autobesitzer ersetzt haben. Weder der Unfallverursacher noch seine Versicherung wollten jedoch eine solche Summe bezahlen. Schließlich sei das Auto nur noch 2500 € wert. Auch die Wiederbeschaffung würde nur 5500 € kosten.

Die Versicherung zahlte daher nur 3000 €.

Das war dem Autobesitzer zuwenig. Für 3000 € sei ein entsprechendes Fahrzeug nicht zu bekommen. Er wolle es daher reparieren lassen und weiter nutzen. Das Amtsgericht München wies seine Klage jedoch ab:

Übersteigen die voraussichtlichen Reparaturkosten den Wiederbeschaffungswert um mehr als 130%, so liege ein irtschaftlicher Totalschaden vor. Dann könne lediglich der Wiederbeschaffungswert verlangt werden. Der Ersatz der Reparaturkosten sei unverhältnismäßig. Diese Überschreitung sei hier gegeben. Zwar liege nur eine Überschreitung um 1,7 Prozent vor. Es bestehe aber keine Veranlassung, die von der Rechtssprechung entwickelte Grenze weiter auszudehnen. Durch die 130%-Grenze werde dem Wunsch des Autobesitzers, sein Auto zu behalten, weil er daran vielleicht hänge und mit ihm vertraut sei, hinreichend Rechnung getragen. Eine schrittweise weitere Ausdehnung würde nur zu großen Unbilligkeiten führen. Es sei schließlich auch keine unerhebliche Überschreitung. Umgerechnet würde es um 93 Euro gehen. Dies sei keine Bagatelle.

Soweit der Kläger einwende, er bekomme für 3000 € kein gleichwertiges Auto, verkenne er, dass er durch den Verkauf noch 2500 € Restwert erzielen könne. Ihm stünden daher 5500 € zur Verfügung. Damit könne er ein gleichwertiges Fahrzeug kaufen. Die Versicherung habe daher korrekt abgerechnet.

Amtsgericht München, Urteil vom 20. Mai 2009 – 345 C 4756/09

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