Anwalts­haf­tung – und die Ver­mu­tung bera­tungs­ge­mä­ßen Ver­hal­tens

Die Ver­mu­tung des bera­tungs­ge­mä­ßen Ver­hal­tens kommt zur Anwen­dung, wenn im Hin­blick auf die Inter­es­sen­la­ge oder ande­re objek­ti­ve Umstän­de eine bestimm­te Ent­schlie­ßung des zutref­fend infor­mier­ten Man­dan­ten mit Wahr­schein­lich­keit zu erwar­ten wäre.

Anwalts­haf­tung – und die Ver­mu­tung bera­tungs­ge­mä­ßen Ver­hal­tens

Vor­aus­set­zung sind danach tat­säch­li­che Fest­stel­lun­gen, die im Fal­le sach­ge­rech­ter Auf­klä­rung durch den recht­li­chen Bera­ter aus der Sicht eines ver­nünf­tig urtei­len­den Man­dan­ten ein­deu­tig eine bestimm­te tat­säch­li­che Reak­ti­on nahe­ge­legt hät­ten.

Die Beweis­erleich­te­rung zuguns­ten des Man­dan­ten gilt also nicht gene­rell. Sie setzt einen Tat­be­stand vor­aus, bei dem der Ursa­chen­zu­sam­men­hang zwi­schen der Pflicht­ver­let­zung des Bera­ters und einem bestimm­ten Ver­hal­ten sei­nes Man­dan­ten typi­scher­wei­se gege­ben ist, beruht also auf Umstän­den, die nach der Lebens­er­fah­rung eine bestimm­te tat­säch­li­che Ver­mu­tung recht­fer­ti­gen 1.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 17. März 2016 – IX ZR 142/​14

  1. BGH, Urteil vom 30.09.1993 – IX ZR 73/​93, BGHZ 123, 311, 314 f; vom 10.05.2012 – IX ZR 125/​10, BGHZ 193, 193 Rn. 36[]