Auf­he­bung eines ding­li­chen Rechts – bei bestehen­der Gesamt­be­rech­ti­gung

Zur Auf­he­bung eines ding­li­chen Rechts, für das eine Gesamt­be­rech­ti­gung im Sin­ne des § 428 BGB besteht, ist, sofern sich aus dem zugrun­de­lie­gen­den Schuld­ver­hält­nis nicht etwas ande­res ergibt, die Auf­ga­be­er­klä­rung aller Gesamt­gläu­bi­ger erfor­der­lich.

Auf­he­bung eines ding­li­chen Rechts – bei bestehen­der Gesamt­be­rech­ti­gung

Einem Gesamt­gläu­bi­ger steht grund­sätz­lich nicht das Recht zu, über die For­de­rung zu Las­ten der ande­ren Gesamt­gläu­bi­ger zu ver­fü­gen 1.

Für ding­li­che Rech­te gilt nichts ande­res. Zur Auf­he­bung eines ding­li­chen Rechts, für das eine Gesamt­be­rech­ti­gung im Sin­ne des § 428 BGB besteht, ist, sofern sich aus dem zugrun­de­lie­gen­den Schuld­ver­hält­nis nicht etwas ande­res ergibt, die Auf­ga­be­er­klä­rung (§ 875 Abs. 1 BGB) aller Gesamt­gläu­bi­ger erfor­der­lich 2. Dem­ge­mäß genügt die Bewil­li­gung (§ 19 GBO) nur eines Gesamt­gläu­bi­gers nicht, um das gesam­te Recht zur Löschung zu brin­gen 3.

Bei einem ding­li­chen Vor­kaufs­recht (§ 1094 BGB), um des­sen Löschung es hier geht, ist die­se Rechts­fra­ge aller­dings ohne Rele­vanz. Denn ein sol­ches Recht kann nicht wirk­sam für meh­re­re Berech­tig­te als Gesamt­gläu­bi­ger im Sin­ne von § 428 BGB bestellt wer­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 13. Okto­ber 2016 – V ZB 98/​15

  1. vgl. BGH, Urteil vom 04.03.1986 – VI ZR 234/​84, NJW 1986, 1861, 1862; Urteil vom 05.05.2009 – VI ZR 208/​08, NJW-RR 2009, 1534 Rn. 23; eben­so Staudinger/​Looschelders, BGB [2012], § 429 Rn.19; Münch­Komm-BGB/­Byd­lin­ski, BGB, 7. Aufl., § 429 Rn. 5; Palandt/​Grüneberg, BGB, 76. Aufl., § 429 Rn. 1; Beck­OK-BGB/Gehr­lein, 39. Edi­ti­on, § 429 Rn. 2; PWW/​Müller, BGB, 11. Aufl., § 429 Rn. 4; Selb, Mehr­hei­ten von Gläu­bi­gern und Schuld­nern, S. 257; aA Erman/​L. Bött­cher, BGB, 14. Aufl., § 429 Rn. 5; juris­PK-BGB/­Rüß­mann, 7. Aufl., § 429 Rn. 12[]
  2. eben­so BayO­bLGZ 1975, 191, 195; Staudinger/​Gursky, BGB [2012], § 875 Rn. 36; Münch­Komm-BGB/­Koh­ler, 7. Aufl., § 875 Rn. 14; Palandt/​Herrler, BGB, 76. Aufl., § 875 Rn. 5; aA BayO­bLGZ 1962, 205, 209; OLG Ham­burg, OLGR 2003, 496; OLG Bre­men, OLGZ 1987, 29, 30; OLG Zwei­brü­cken, FGPrax 2014, 59, 60; KG, JW 1937, 3158, offen gelas­sen dage­gen in OLGZ 1965, 92, 95[]
  3. vgl. Dem­har­ter, GBO, 30. Aufl., § 19 GBO Rn. 44; Schöner/​Stöber, Grund­buch­recht, 15. Aufl. Rn. 2734; aA Meikel/​R. Bött­cher, GBO, 11. Aufl., § 19 GBO Rn. 58, wohl auch KEHE/​Munzig, Grund­buch­recht, 7. Aufl., § 19 GBO Rn. 47[]