Aus- und Ein­bau­kos­ten in der Sach­män­gel­haf­tung

Hat ein Hand­wer­ker gegen­über sei­nem Lie­fe­ran­ten bei Män­geln des gelie­fer­ten Mate­ri­als Anspruch auf Ersatz der Ein- und Aus­bau­kos­ten hat, die dem Hand­wer­ker dadurch ent­ste­hen, dass er gegen­über sei­nem Auf­trag­ge­ber zur Nach­er­fül­lung ver­pflich­tet ist? Mit die­ser Fra­ge hat­te sich jetzt der Bun­des­ge­richts­hof zu befas­sen.

Aus- und Ein­bau­kos­ten in der Sach­män­gel­haf­tung

Die Beklag­te betreibt einen Fach­groß­han­del für Bau­be­darf. Der Klä­ger stellt Holz­fens­ter mit einer Alu­mi­ni­um­ver­blen­dung her. Er erhielt einen Auf­trag zur Lie­fe­rung und zum Ein­bau von Alu­mi­ni­um-Holz­fens­tern in ein Neu­bau­vor­ha­ben und bestell­te dafür bei der Beklag­ten die lis­ten­mä­ßig ange­bo­te­nen, für die Alu­mi­ni­um-Außen­scha­len benö­tig­ten Pro­fil­leis­ten im Farb­ton grau­me­tal­lic. Die Beklag­te beauf­trag­te ein ande­res Unter­neh­men – ihre Streit­hel­fe­rin – mit der Farb­be­schich­tung der Pro­fil­leis­ten und lie­fer­te sie dann an den Klä­ger, der die fer­ti­gen Fens­ter ein­bau­te. Anschlie­ßend rüg­te der Bau­herr Lack­ab­plat­zun­gen an den Alu­mi­ni­um-Außen­scha­len, die – wie sich her­aus­stell­te – auf Feh­lern wäh­rend des Beschich­tungs­pro­zes­ses beru­hen. Eine Nach­be­hand­lung an den ein­ge­bau­ten Fens­tern ist nicht mög­lich; die Alu­mi­ni­um-Außen­scha­len müs­sen mit erheb­li­chem Auf­wand (u.a. Neu­ver­put­zung des Hau­ses) aus­ge­tauscht wer­den. Der Bau­herr ver­langt vom Klä­ger Man­gel­be­sei­ti­gung und schätzt die Gesamt­kos­ten auf 43.209, 46 €. Der Klä­ger hat von der Beklag­ten unter Berück­sich­ti­gung eines bereits zuer­kann­ten Kos­ten­vor­schus­ses von 20.000 € zunächst Zah­lung wei­te­rer 23.209, 46 € begehrt.

Das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Land­ge­richt Gie­ßen hat der Kla­ge über­wie­gend statt­ge­ge­ben [1]. Das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main hat die Beru­fung der Beklag­ten – nach ent­spre­chen­der Umstel­lung des Kla­ge­an­tra­ges – mit der Maß­ga­be zurück­ge­wie­sen, dass die Beklag­te ver­ur­teilt wird, den Klä­ger von Scha­dens­er­satz­an­sprü­chen des Bau­herrn in Höhe von 22.209, 46 € frei­zu­stel­len [2].

Die vom Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt zuge­las­se­ne Revi­si­on hat­te nun Erfolg. Der Bun­des­ge­richts­hof befand, dass der Klä­ger kei­nen Anspruch auf Frei­stel­lung von den Ansprü­chen des Bau­herrn wegen des erfor­der­li­chen Aus­tau­sches der Alu­mi­ni­um-Außen­scha­len gemäß § 437 Nr. 3, §§ 280, 281, 439, 440 BGB hat. Ein Anspruch auf Scha­dens­er­satz statt der Leis­tung wegen ver­wei­ger­ter Nach­er­fül­lung (Ersatz­lie­fe­rung man­gel­frei­er Alu­mi­ni­um-Pro­fi­le) besteht nicht, weil die Aus- und Ein­bau­kos­ten bei einem – hier vor­lie­gen­den – Kauf­ver­trag zwi­schen Unter­neh­mern – anders als bei einem Ver­brauchs­gü­ter­kauf – nicht vom Anspruch auf Nach­er­fül­lung umfasst sind; sie wären des­halb auch bei ord­nungs­ge­mä­ßer Nach­er­fül­lung (Ersatz­lie­fe­rung) ent­stan­den. Es besteht auch kein Scha­dens­er­satz­an­spruch wegen des Man­gels der von der Beklag­ten gelie­fer­ten Alu­mi­ni­um-Pro­fi­le, weil die Beklag­te den Man­gel nicht zu ver­tre­ten hat (§ 280 Abs. 1 Satz 2 BGB). Eige­nes Ver­schul­den ist ihr unstrei­tig nicht vor­zu­wer­fen. Das Ver­schul­den der Streit­hel­fe­rin bei der Farb­be­schich­tung ist ihr nicht zuzu­rech­nen, weil die Streit­hel­fe­rin nicht Erfül­lungs­ge­hil­fin der Beklag­ten im Hin­blick auf deren kauf­ver­trag­li­che Pflich­ten gegen­über dem Klä­ger ist (§ 278 BGB).

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 2. April 2014 – VIII ZR 46/​13

  1. LG Gie­ßen, Urteil vom 13.05.2011 – 9 O 20/​10[]
  2. OLG Frank­furt am Main, Urteil vom 24.01.2013 – 3 U 142/​11[]