Beru­fung unter der Bedin­gung der PKH-Bewil­li­gung

Eine Beru­fung, die unter der Bedin­gung ein­ge­legt wird, dass die zugleich bean­trag­te Pro­zess­kos­ten­hil­fe bewil­ligt wird, darf nicht als unzu­läs­sig ver­wor­fen wer­den, bevor über den Pro­zess­kos­ten­hil­fe­an­trag ent­schie­den wor­den ist.

Beru­fung unter der Bedin­gung der PKH-Bewil­li­gung

Eine bedürf­ti­ge Pro­zess­par­tei, die eine gegen sie ergan­ge­ne Ent­schei­dung mit der Beru­fung angrei­fen will, kann sich dar­auf beschrän­ken, inner­halb der Beru­fungs­frist einen Antrag auf Bewil­li­gung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe unter Bei­fü­gung der nach § 117 Abs. 2 ZPO erfor­der­li­chen Erklä­rung über ihre per­sön­li­chen und wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se nebst ent­spre­chen­den Bele­gen beim Pro­zess­ge­richt ein­zu­rei­chen und die Beru­fungs­ein­le­gung bis zur Ent­schei­dung über den Pro­zess­kos­ten­hil­fe­an­trag zurück­zu­stel­len [1]. Ist dies gesche­hen, so muss das Beru­fungs­ge­richt zunächst über den Pro­zess­kos­ten­hil­fe­an­trag ent­schei­den. Wird über den Antrag nach Ablauf der Beru­fungs­frist ent­schie­den, ist dem Antrag­stel­ler Wie­der­ein­set­zung in die ver­säum­te Frist zu gewäh­ren, wenn Pro­zess­kos­ten­hil­fe bewil­ligt wird oder – im Fal­le ihrer Ver­sa­gung – der Antrag­stel­ler ver­nünf­ti­ger­wei­se nicht mit der Ableh­nung sei­nes Antrags wegen feh­len­der Bedürf­tig­keit rech­nen muss­te und die ver­säum­te Pro­zess­hand­lung – die Ein­le­gung der Beru­fung – inner­halb der Wie­der­ein­set­zungs­frist (§ 234 Abs. 1 Satz 1 ZPO), die regel­mä­ßig nicht vor der Bekannt­ga­be der Ent­schei­dung über den Pro­zess­kos­ten­hil­fe­an­trag zu lau­fen beginnt [2], nach­ge­holt wird.

Die unwirk­sa­me, weil beding­te Ein­le­gung der Beru­fung [3] vor der Ent­schei­dung über den gleich­zei­tig ein­ge­reich­ten Pro­zess­kos­ten­hil­fe­an­trag hin­dert den Beru­fungs­klä­ger nicht, nach der – bis­lang noch aus­ste­hen­den – Ent­schei­dung des Beru­fungs­ge­richts über den Pro­zess­kos­ten­hil­fe­an­trag nun­mehr wirk­sam Beru­fung ein­zu­le­gen. Die dazu erfor­der­li­che Wie­der­ein­set­zung in die ver­säum­te Beru­fungs­frist wird dem Beru­fungs­klä­ger nicht des­we­gen zu ver­sa­gen sein, weil sein Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ter bereits vor der bean­trag­ten Bewil­li­gung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe die Beru­fung – wenn auch unwirk­sam – ein­ge­legt hat.

Zwar kommt nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs eine Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand nur in Betracht, wenn die Mit­tel­lo­sig­keit der betrof­fe­nen Par­tei für die Frist­ver­säu­mung kau­sal gewor­den ist [4]. Das ist hier indes­sen der Fall, weil der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te des Beru­fungs­klä­ger eine unbe­ding­te Beru­fung noch nicht ein­ge­legt, son­dern – wenn auch pro­zes­su­al unbe­hel­flich – die Wirk­sam­keit der erklär­ten beding­ten Beru­fungs­ein­le­gung von der Bewil­li­gung der zugleich bean­trag­ten Pro­zess­kos­ten­hil­fe abhän­gig gemacht hat.

Bun­des­ge­richth­s­of, Beschluss vom 5. Febru­ar 2013 – VIII ZB 38/​12

  1. BGH, Beschluss vom 11.11.1992 – XII ZB 118/​92, NJW 1993, 732 unter II 2[]
  2. BGH, Beschlüs­se vom 23.03.2011 – XII ZB 51/​11, NJW-RR 2011, 995 Rn. 9; vom 27.10.2011 – III ZR 31/​11, NJW-RR 2012, 308 Rn. 22[]
  3. BGH, Urteil vom 31.05.1995 – VIII ZR 267/​94, NJW 1995, 2563 unter I 2 a[]
  4. BGH, Beschluss vom 16.11.2010 – VIII ZB 55/​10, NJW 2011, 230 Rn.19 mwN[]