Beru­fungs­be­grün­dungs­frist, Frist­ver­län­ge­rung und die Rück­fra­ge bei Gericht

Ein wei­te­res Urteil zur Fris­ten­or­ga­ni­sa­ti­on in der Anwalts­kanz­lei:

Beru­fungs­be­grün­dungs­frist, Frist­ver­län­ge­rung und die Rück­fra­ge bei Gericht

Ein Rechts­an­walt darf regel­mä­ßig erwar­ten, dass einem ers­ten Antrag auf Ver­län­ge­rung der Beru­fungs­be­grün­dungs­frist ent­spro­chen wird, wenn er einen erheb­li­chen Grund – in dem jetzt vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen fall ein stän­di­ger Aus­lands­auf­ent­halt des Beklag­ten sowie Aus­lands­auf­ent­hal­te und Arbeits­über­las­tung des Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten wegen vor­ran­gi­ger Frist­sa­chen – vor­trägt 1. Gleich­wohl muss er vor Ablauf der ers­ten Frist bei Gericht nach­fra­gen, wie das aktu­el­le Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs zeigt:

Bei Zustel­lung des Urteils sind die Beru­fungs­frist und die Beru­fungs­be­grün­dungs­frist im Fris­ten­ka­len­der ein­zu­tra­gen.

Wird die Ver­län­ge­rung der Beru­fungs­be­grün­dungs­frist bean­tragt, darf sie nicht in der Wei­se vor­ge­merkt wer­den, dass schon mit der Antrag­stel­lung der End­punkt der Frist im Kalen­der ein­ge­tra­gen wird, als ob sie bereits zu die­sem Zeit­punkt bewil­ligt wor­den sei. Es han­delt sich näm­lich zunächst um eine hypo­the­ti­sche Frist, da der Vor­sit­zen­de die Frist auch auf einen kür­ze­ren Zeit­raum als bean­tragt bewil­li­gen kann. Der Ein­trag des end­gül­ti­gen Frist­ab­laufs ist des­halb erst dann zuläs­sig, wenn die Ver­län­ge­rung tat­säch­lich gewährt wor­den ist.

In jedem Fall ist durch geeig­ne­te Maß­nah­men sicher­zu­stel­len, dass vor dem Ablauf der Frist, deren Ver­län­ge­rung bean­tragt wor­den ist, das wirk­li­che Ende der Frist – gege­be­nen­falls durch Rück­fra­ge bei Gericht – fest­ge­stellt wird 2. Das gilt auch, wenn die Frist­ver­län­ge­rung bereits eini­ge Tage vor Frist­ab­lauf bean­tragt wird 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 24. Novem­ber 2009 – VI ZB 69/​08

  1. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 13.12.2005 – VI ZB 52/​05, VersR 2006, 568; vom 20.06.2006 – VI ZB 14/​06; vom 16.10.2007 – VI ZB 65/​06[]
  2. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 20.06.2006 – VI ZB 14/​06; vom 16.10.2007 – VI ZB 65/​06; vom 26.06.2006 – II ZB 26/​05, VersR 2007, 713, jeweils m.w.N.[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 14. Juli 1999 – XII ZB 62/​99NJW-RR 1999, 1663[]