Beschwer bei Kla­ge­häu­fung

Der Wert der Beschwer des infol­ge einer Kla­ge­häu­fung (§ 260 ZPO) sowohl auf Her­aus­ga­be eines Grund­stücks als auch auf Besei­ti­gung von Bau­wer­ken oder Ein­rich­tun­gen ver­ur­teil­ten Beklag­ten, der sich auf ein Miet- oder Pacht­ver­hält­nis beru­fen hat, bestimmt sich gemäß § 5 ZPO durch Addi­ti­on des nach § 8 ZPO zu bestim­men­den Werts der Beschwer der Ver­ur­tei­lung zur Her­aus­ga­be und des nach § 3 ZPO zu bemes­sen­den Werts der Beschwer für die Besei­ti­gung [1].

Beschwer bei Kla­ge­häu­fung

Der Wert der Beschwer der Beklag­ten durch die Ver­ur­tei­lung zur Her­aus­ga­be des Grund­stücks bestimmt sich – wenn das Bestehen eines Pacht­ver­hält­nis­ses strei­tig ist – nach § 8 ZPO und ist daher nach dem auf die strei­ti­ge Zeit ent­fal­len­den Nut­zungs­ent­gelt zu berech­nen. Das ent­spricht der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs [2].

Der Wert der Beschwer einer Ver­ur­tei­lung zur Räu­mung, die die Beklag­te auch dazu ver­pflich­tet, die von ihr ange­brach­ten Ein­rich­tun­gen und Anpflan­zun­gen auf dem ver­mie­te­ten oder ver­pach­te­ten Grund­stück zu ent­fer­nen, bemisst allein nach § 8 ZPO . Der Kos­ten­auf­wand der Beklag­ten zur Erfül­lung der Räu­mungs­pflicht ist nach dem Wort­laut des § 8 ZPO ohne Bedeu­tung [3].

Ver­fehlt ist es jedoch, auch bei einer Ver­ur­tei­lung auf Grund einer Kla­ge­häu­fung gemäß § 260 ZPO den Wert des Beschwer­de­ge­gen­stands nur nach dem Wert der Kla­ge auf Her­aus­ga­be des Grund­stücks zu bestim­men, den Wert der Kla­ge auf Besei­ti­gung eines Gebäu­des oder einer Ein­rich­tung – und im Fall ihres Erfolgs die dar­aus fol­gen­de zusätz­li­che Beschwer der Beklag­ten – jedoch unbe­rück­sich­tigt zu las­sen. Der Wert der Beschwer der infol­ge einer Kla­ge­häu­fung (§ 260 ZPO) sowohl auf Her­aus­ga­be eines Grund­stücks als auch auf Besei­ti­gung von Bau­wer­ken oder Ein­rich­tun­gen ver­ur­teil­ten Beklag­ten, die sich auf ein Miet- oder Pacht­ver­hält­nis beru­fen hat, bestimmt sich viel­mehr gemäß § 5 ZPO durch Addi­ti­on des nach § 8 ZPO zu bestim­men­den Werts der Beschwer der Ver­ur­tei­lung zur Her­aus­ga­be und des nach § 3 ZPO zu bemes­sen­den Werts der Beschwer für die Besei­ti­gung [4]. Durch die Kla­ge­häu­fung nach § 260 ZPO wer­den zwei Kla­gen mit nach den Anträ­gen unter­schied­li­chen Streit­ge­gen­stän­den ver­bun­den, die – wenn ihnen statt­ge­ge­ben wird – auch zu unter­schied­lich zu voll­stre­cken­den Titeln (für die Räu­mung nach § 885 ZPO, für die Besei­ti­gung nach § 887 ZPO) füh­ren. Der Wert der Beschwer der Beklag­ten ist daher bei einer sol­chen Kla­ge­ver­bin­dung nicht gerin­ger als in den Fäl­len, in denen die Beklag­te in zwei Pro­zes­sen zur Her­aus­ga­be und (sodann) zur Besei­ti­gung ver­ur­teilt wor­den ist.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 16. März 2012 – LwZB 3/​11

  1. Anschluss an BGH, Beschluss vom 15.06.2005 – XII ZR 104/​02, NZM 2005, 677[]
  2. BGH, Beschluss vom 07.11.2002 – LwZR 9/​02, BGH-Report 2003, 757; Beschluss vom 10.05.2000 – XII ZR 335/​99, NJW-RR 2000, 1739; und Urteil vom 17.03.2005 – III ZR 342/​04, WuM 2005, 351[]
  3. BGH, Beschluss vom 14.10.1993 – LwZB 6/​93, NJW-RR 1994, 256 und BGH, Beschluss vom 04.07.1996 – III ZR 34/​96, BGHR ZPO § 8 Räu­mungs­kla­ge 7[]
  4. BGH, Beschluss vom 15.06.2005 – XII ZR 104/​02, NZM 2005, 677[]