Brau­chen Sie eine Rech­nung?

Auch bei einer nach­träg­li­chen Schwarz­ar­beits­ab­re­de bestehen kei­ne Gewähr­leis­tungs­an­sprü­che.

Brau­chen Sie eine Rech­nung?

Dies ent­schied jetzt der Bun­des­ge­richts­hof und hat damit sei­ne Recht­spre­chung zur Unwirk­sam­keit von Werk­ver­trä­gen fort­ge­führt, die gegen § 1 Abs. 2 Nr. 2 des Schwarz­ar­beits­be­kämp­fungs­ge­set­zes (Schwarz­ArbG) ver­sto­ßen.

In dem hier ent­schie­de­nen Fall begehr­te der Kun­de vom Unter­neh­mer Rück­erstat­tung geleis­te­ten Werk­lohns in Höhe von 15.019, 57 €, nach­dem er wegen Män­geln der Arbei­ten (Ent­fer­nung des alten sowie Beschaf­fung und Ver­le­gung eines neu­en Tep­pich­bo­dens in sei­nem pri­va­ten Wohn­haus) den Rück­tritt vom Ver­trag erklärt hat.

Die Kla­ge ist in den Vor­in­stan­zen vom Land­ge­richt Würz­burg 1 und dem Ober­lan­des­ge­richt Bam­berg 2 abge­wie­sen wor­den. Das OLG Bam­berg hat hier­zu fest­ge­stellt, dass die Par­tei­en zunächst einen Ver­trag über die Arbei­ten zum Preis von 16.164, 38 € geschlos­sen haben. Kur­ze Zeit spä­ter habe man sich dann geei­nigt, dass der Unter­neh­mer eine Rech­nung ledig­lich über einen Betrag von 8.619, 57 € erstellt. Wei­te­re 6.400 € soll­ten in bar gezahlt wer­den. Den Betrag der so erstell­ten Rech­nung über­wies der Kun­de; wei­te­re – in der Höhe strei­ti­ge – Zah­lun­gen leis­te­te er in bar. Das OLG Bam­berg beur­teil­te den Ver­trag dar­auf­hin wegen Ver­sto­ßes gegen § 1 Abs. 2 Nr. 2 Schwarz­ArbG als nich­tig, § 134 BGB. Des­halb habe der Kun­de kei­ne Män­gel­an­sprü­che und kön­ne Rück­zah­lung weder aus Rück­tritt noch aus unge­recht­fer­tig­ter Berei­che­rung ver­lan­gen.

Die hier­ge­gen gerich­te­te; vom OLG Bam­berg im Beru­fungs­ur­teil zuge­las­se­ne Revi­si­on, mit der der Kun­de sei­nen Antrag wei­ter ver­folg­te, wies der Bun­des­ge­richts­hof eben­falls ab und bestä­tig­te die Ent­schei­dung der Vor­in­stan­zen:

Der Bun­des­ge­richts­hof hat bereits in meh­re­ren Urtei­len seit 2013 ent­schie­den, dass bei einer (auch nur teil­wei­sen) "Ohne-Rech­nung-Abre­de" ein Werk­ver­trag nich­tig ist, wenn die Par­tei­en bewusst gegen § 1 Abs. 2 Nr. 2 Schwarz­ArbG ver­sto­ßen, indem sie ver­ein­ba­ren, dass für eine Bar­zah­lung kei­ne Rech­nung gestellt und kei­ne Umsatz­steu­er gezahlt wer­den soll­te (vgl. § 14 UStG). In sol­chen Fäl­len bestehen kei­ne gegen­sei­ti­gen Ansprü­che der Par­tei­en, weder Män­gel­an­sprü­che noch Rück­zah­lungs­an­sprü­che des Bestel­lers noch Zah­lungs­an­sprü­che des Werk­un­ter­neh­mers 3.

Er hat nun­mehr ent­schie­den, dass die­se Grund­sät­ze in glei­cher Wei­se gel­ten, wenn ein zunächst nicht gegen ein gesetz­li­ches Ver­bot ver­sto­ßen­der Ver­trag nach­träg­lich durch eine "Ohne-Rech­nung-Abre­de" so abge­än­dert wird, dass er nun­mehr von dem Ver­bot des § 1 Abs. 2 Nr. 2 Schwarz­ArbG erfasst wird.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 16. März 2017 – VII ZR 197/​16

  1. LG Würz­burg, Urteil vom 06.05.2015 – 91 O 1354/​14[]
  2. OLG Bam­berg, Urteil vom 29.06.2016 – 8 U 63/​15[]
  3. BGH, Urtei­le vom 01.08.2013 – VII ZR 6/​13; vom 10.04.2014 – VII ZR 241/​13; vom 11.06.2015 – VII ZR 216/​14; vom 10.04.2014; und vom 15.06.2015[]