Dar­le­gungs­an­for­de­run­gen bei Soft­ware­män­geln

Mit den Anfor­de­run­gen an die Dar­le­gung von Män­geln eines Werks, das die Lie­fe­rung und Instal­la­ti­on von Soft­ware zum Gegen­stand hat, hat­te sich aktu­ell der Bun­des­ge­richts­hof zu befas­sen:

Dar­le­gungs­an­for­de­run­gen bei Soft­ware­män­geln

Dabei war der Ver­trag der Par­tei­en als Werk­ver­trag ein­zu­ord­nen: Gegen­stand des Ver­tra­ges war die Anpas­sung der Soft­ware der Beklag­ten an die Bedürf­nis­se der Klä­ge­rin und die Schaf­fung von Schnitt­stel­len zu den Online-Shops. Damit schul­de­te die Beklag­te die Her­bei­füh­rung des ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Erfolgs als Ergeb­nis einer indi­vi­du­el­len Tätig­keit für die Klä­ge­rin 1. Die Her­bei­füh­rung des geschul­de­ten Erfolgs war nicht von nur unter­ge­ord­ne­ter Bedeu­tung, so dass es sich nicht um einen Kauf­ver­trag (vgl. §§ 433, 434 Abs. 2 Satz 1 BGB) han­delt.

Der Bestel­ler genügt sei­ner Dar­le­gungs­last, wenn er Man­gel­er­schei­nun­gen, die er der feh­ler­haf­ten Leis­tung des Unter­neh­mers zuord­net, genau bezeich­net. Zu den Ursa­chen der Man­gel­er­schei­nung muss der Bestel­ler nicht vor­tra­gen. Ob die Ursa­chen der Man­gel­er­schei­nung tat­säch­lich in einer ver­trags­wid­ri­gen Beschaf­fen­heit der Leis­tung des Unter­neh­mers zu suchen sind, ist Gegen­stand des Bewei­ses und nicht des Sach­vor­trags 2.

Die­sen Anfor­de­run­gen ent­spricht der Sach­vor­trag der Klä­ge­rin. Die Klä­ge­rin hat von Beginn des Rechts­streits an vor­ge­tra­gen, die Beklag­te sei ver­pflich­tet gewe­sen, die Schnitt­stel­len zu den Online-Por­ta­len her­zu­stel­len und die­se Schnitt­stel­len hät­ten nicht funk­tio­niert, d.h. ein auto­ma­ti­scher Daten­aus­tausch habe nicht statt­ge­fun­den. Die­se Pro­ble­me beruh­ten nicht auf eigen­mäch­ti­gen Ände­run­gen des von der Beklag­ten instal­lier­ten Sys­tems. Die­ses sei viel­mehr durch­ge­hend nicht funk­ti­ons­fä­hig gewe­sen.

Wenn das Gericht auf die­ser Grund­la­ge aus­führt, die Klä­ge­rin habe bereits nicht dar­ge­legt, was Inhalt des ursprüng­li­chen Ver­tra­ges gewe­sen sei 3, ist das nicht nach­voll­zieh­bar. Soweit das Beru­fungs­ge­richt Ver­mu­tun­gen dar­über anstellt, ob der Vor­trag der Klä­ge­rin zu Ein­grif­fen in das instal­lier­te Sys­tem zutref­fend ist, ver­mischt es in unzu­läs­si­ger Wei­se die Dar­le­gungs- und Beweis­ebe­ne.

Abnah­me im Sin­ne von § 640 Abs. 1 Satz 1 BGB bedeu­tet die kör­per­li­che Ent­ge­gen­nah­me des Werks durch den Bestel­ler ver­bun­den mit des­sen Bil­li­gung des Werks als im Wesent­li­chen ver­trags­ge­recht 4. Die Bil­li­gung des Werks kann aus­drück­lich erfol­gen, indem der Bestel­ler dem Unter­neh­mer das Ein­ver­ständ­nis mit der Werk­leis­tung mit­teilt.

Nach den bis­he­ri­gen Fest­stel­lun­gen kann weder von einer aus­drück­li­chen noch von einer kon­klu­den­ten Abnah­me des Wer­kes der Beklag­ten aus­ge­gan­gen wer­den. Denn zum Zeit­punkt der Über­nah­me­er­klä­rung war das Werk nicht bzw. nicht voll­stän­dig funk­ti­ons­tüch­tig, weil ins­be­son­de­re Schnitt­stel­len zu den Online­por­ta­len noch funk­ti­ons­fä­hig her­ge­stellt wer­den muss­ten. Ange­sichts der Bedeu­tung die­ser Schnitt­stel­len konn­te die Beklag­te nicht davon aus­ge­hen, dass in dem Ver­hal­ten der Klä­ge­rin oder der Lea­sing­ge­be­rin eine Bil­li­gung ihres Werks als im Wesent­li­chen ver­trags­ge­recht zu sehen war. Viel­mehr hat­te unter die­sen Umstän­den die Über­nah­me­er­klä­rung der Klä­ge­rin allein den Zweck, die kör­per­li­che Über­ga­be der Soft­ware im ein­wand­frei­en Zustand zu doku­men­tie­ren.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 5. Juni 2014 – VII ZR 276/​13

  1. vgl. BGH, Urteil vom 25.03.2010 – VII ZR 224/​08, NJW 2010, 2200 Rn. 14[]
  2. BGH, Urteil vom 17.01.2002 – VII ZR 488/​00, BauR 2002, 784, 785 = NZBau 2002, 335 m.w.N.[]
  3. so OLG Cel­le, Urteil vom 12.09.2013 – 5 U 63/​12[]
  4. BGH, Urteil vom 25.03.1993 – X ZR 17/​92, NJW 1993, 1972, 1974[]