Das feh­len­de Ent­ei­sungs­mit­tel fürs Flug­zeug

Ein Luft­fahrt­un­ter­neh­men muss dafür sor­gen, dass für von ihm ein­ge­setz­te Flug­zeu­ge die erfor­der­li­chen Betriebs­stof­fe bereit­ste­hen. Hier­zu zählt bei win­ter­li­chen Wet­ter­be­din­gun­gen auch Ent­ei­sungs­mit­tel.

Das feh­len­de Ent­ei­sungs­mit­tel fürs Flug­zeug

Mit die­ser Begrün­dung hat das Bran­den­bur­gi­sche Ober­lan­des­ge­richt in dem hier vor­lie­gen­den Fall einem Klä­ger eine Ent­schä­di­gung für eine Flug­an­nul­lie­rung wegen Man­gels an Ent­ei­sungs­mit­teln zuge­spro­chen. Der Klä­ger buch­te für den 10. Dezem­ber 2010 für 24 Per­so­nen einen Flug von Ber­lin nach Rom. Der Flug wur­de nicht durch­ge­führt. Das beklag­te Luft­fahrt­un­ter­neh­men begrün­de­te dies damit, dass ein all­ge­mei­ner Man­gel an Ent­ei­sungs­mit­teln geherrscht habe. Der Klä­ger mach­te auf der Grund­la­ge von Art. 7 Abs. 1 Flug­gast­rech­te­ver­ord­nung Aus­gleichs­an­sprü­che gel­tend. Das Land­ge­richt Pots­dam hat die beklag­te Flug­ge­sell­schaft zur Zah­lung einer pau­scha­len Ent­schä­di­gung in Höhe von 250,00 Euro pro Flug­gast ver­ur­teilt. Dage­gen rich­tet sich die Beru­fung der Beklag­ten.

Nach Auf­fas­sung des Bran­den­bur­gi­schen Ober­lands­ge­richts müs­se ein Luft­fahrt­un­ter­neh­men dafür sor­gen, dass für von ihm ein­ge­setz­te Flug­zeu­ge die erfor­der­li­chen Betriebs­stof­fe bereit­ste­hen. Hier­zu zäh­le bei win­ter­li­chen Wet­ter­be­din­gun­gen auch Ent­ei­sungs­mit­tel. Nach dem Zweck der Ver­ord­nung, Flug­gast­rech­te zu stär­ken, spie­le es kei­ne Rol­le, ob die Beschaf­fung des Ent­ei­sungs­mit­tels an dem betrof­fe­nen Flug­ha­fen einem Dienst­leis­ter obliegt.

Das Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs vom 24. Sep­tem­ber 2013 1 zum Fall der Flug­an­nul­lie­rung infol­ge Vogel­schlags zwin­ge nicht zu einer abwei­chen­den Bewer­tung. Vogel­schlag grei­fe von außen in den Flug­be­trieb ein und sei nicht vor­her­seh­bar.

Die Ent­ei­sung gehö­re dem­ge­gen­über zur vor­her­seh­bar not­wen­di­gen Vor­be­rei­tung eines Flu­ges unter win­ter­li­chen Bedin­gun­gen. Ein Man­gel an Ent­ei­sungs­mit­teln sei auch tat­säch­lich beherrsch­bar, denn er las­se sich durch recht­zei­ti­ge Beschaf­fung und Vor­rats­hal­tung ver­mei­den. Ein im Ein­zel­fall auf­tre­ten­der Lie­fer­eng­pass mache einen Man­gel an Ent­ei­sungs­mit­tel nicht sei­ner Natur nach unbe­herrsch­bar, und zwar auch dann nicht, wenn die ent­spre­chen­de Bevor­ra­tung mit zusätz­li­chen Kos­ten ver­bun­den wäre.

Der Schutz der Flug­gäs­te recht­fer­ti­ge auch erheb­li­che nega­ti­ve wirt­schaft­li­che Fol­gen für das jewei­li­ge Luft­fahrt­un­ter­neh­men.

Bran­den­bur­gi­sches Ober­lan­des­ge­richt, Urteil vom 19. Novem­ber 2013 – 2 U 3/​13

  1. BGH, Urteil vom 24.09.2013 – X ZR 160/​12[]