Das kryp­ti­sche Gut­ach­ten – und die Gewäh­rung recht­li­chen Gehörs

Die Gewäh­rung des recht­li­chen Gehörs erfor­dert auch, dass einer gericht­li­chen Ent­schei­dung nur sol­che Tat­sa­chen und Bewei­se zugrun­de gelegt wer­den, zu denen sich die Betei­lig­ten vor­her äußern konn­ten 1.

Das kryp­ti­sche Gut­ach­ten – und die Gewäh­rung recht­li­chen Gehörs

Wenn der vom Gericht ernann­te Sach­ver­stän­di­ge die wesent­li­chen tat­säch­li­chen Grund­la­gen sei­nes Gut­ach­tens nicht offen legt, kann nicht nur das Gericht sei­ner Pflicht aus § 286 ZPO, Gut­ach­ten gericht­li­cher Sach­ver­stän­di­ger sorg­fäl­tig und kri­tisch zu wür­di­gen, nicht nach­kom­men, son­dern ver­letzt die Ver­wer­tung die­ses Gut­ach­tens auch das Recht der Par­tei auf recht­li­ches Gehör 2, da es einer Ver­hin­de­rung des Vor­trags zu ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Punk­ten gleich kommt, wenn der Par­tei nicht die Gele­gen­heit gege­ben wird, sich mit allen Grund­la­gen des Gut­ach­tens kri­tisch aus­ein­an­der­zu­set­zen.

Das Gericht muss daher den Gerichts­sach­ver­stän­di­gen gemäß § 407a Abs. 4 ZPO auf­ge­ben, die sei­nem Gut­ach­ten zugrun­de lie­gen­den wei­te­ren Gut­ach­ten her­aus­zu­ge­ben, und gemäß § 404 Abs. 1 Satz 1 ZPO die genann­ten Gut­ach­ter oder ande­re Sach­ver­stän­di­ge für die­se Fach­be­rei­che zu Sach­ver­stän­di­gen ernen­nen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 16. Sep­tem­ber 2014 – VI ZR 118/​13

  1. BVerfGE 55, 95 ff.; BVerfGE 84, 188 ff.; BVerfG, NVwZ 2009, 580 f.[]
  2. BGH, Urteil vom 12.11.1991 – KZR 18/​90, BGHZ 116, 47, 58[]