Der Dro­gen­händ­ler und der Schein­kauf

Ein Dro­gen­händ­ler muss dem Land den Kauf­preis zurück erstat­ten, den er von dem Schein­käu­fer bei Über­ga­be der Dro­gen erhal­ten hat.

Der Dro­gen­händ­ler und der Schein­kauf

Nach­dem ein Dro­gen­händ­ler, der sich auf einen Ver­kauf von ca. 45 Kilo­gramm Can­na­bis­harz für einen Kauf­preis von knapp 50.000,00 EUR an einen Schein­käu­fer des Kri­mi­nal­amts ein­ge­las­sen hat­te, des­halb straf­recht­lich ver­ur­teilt wor­den war, hat­te nun das Kam­mer­ge­richt über die zivil­recht­li­chen Fol­gen die­ses „Deals“ zu ent­schei­den. Das Land, ver­tre­ten durch den Prä­si­den­ten des Kri­mi­nal­am­tes, hat­te in einer Kla­ge vor dem Land­ge­richt Ber­lin von dem Dro­gen­händ­ler die Rück­zah­lung von 49.350 € ver­langt. Die­ses Geld hat­te der Schein­käu­fer dem Dro­gen­händ­ler gegen Erhalt der Dro­gen über­ge­ben. Die vom Kri­mi­nal­amt mit die­sem Schein­kauf beab­sich­tig­te Auf­de­ckung von Hin­ter­män­nern war erfolg­los geblie­ben. Der Dro­gen­händ­ler konn­te nach­fol­gend zwar fest­ge­nom­men wer­den; das Geld war aller­dings nicht mehr auf­find­bar.

Das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Land­ge­richt Ber­lin hat­te die Kla­ge abge­wie­sen 1. Das Kam­mer­ge­richt änder­te in der Beru­fungs­in­stanz jedoch das land­ge­richt­li­che Urteil ab und ver­ur­teil­te den ver­klag­ten Dro­gen­händ­ler zur Rück­zah­lung der 49.300 €. Die­ser haf­te aus soge­nann­ter unge­recht­fer­tig­ter Berei­che­rung gemäß § 817 Satz 1 BGB. Das „Ver­trau­en“ des Dea­lers, dass sein Käu­fer kein Schein­käu­fer, son­dern Rausch­gift­händ­ler sei, sei nicht schutz­wür­dig gewe­sen. Jener kön­ne auch nicht gel­tend machen, er habe ledig­lich als Bote für die Hin­ter­män­ner gehan­delt, selbst wenn er das Geld nur für kur­ze Zeit in sei­nem Besitz gehabt habe.

Schließ­lich ste­he der Rück­zah­lung auch nicht die Vor­schrift des § 817 Satz 2 BGB ent­ge­gen. Danach sei zwar ein Rück­for­de­rungs­an­spruch aus­ge­schlos­sen, wenn bei­den Sei­ten ein Ver­stoß gegen gesetz­li­che Vor­schrif­ten oder gegen die guten Sit­ten vor­ge­wor­fen wer­den kön­ne. Der Schein­käu­fer habe sich jedoch nicht nach den Vor­schrif­ten des Geset­zes über den Ver­kehr mit Betäu­bungs­mit­teln straf­bar gemacht, da er kei­nen Han­del mit Rausch­gift gewollt habe, son­dern der Schein­kauf auch dem Zweck gedient habe, das Can­na­bis aus dem Ver­kehr zu zie­hen wie nach­fol­gend gesche­hen. Eben­so wenig habe er den Dro­gen­händ­ler zum Schein­kauf ange­stif­tet; viel­mehr habe die­ser sich aus eige­nem Ent­schluss nach einem Abneh­mer des Rausch­gifts umge­hört. Auch sei das Han­deln des Kri­mi­nal­amts durch den beauf­trag­ten Schein­käu­fer in sitt­li­cher Hin­sicht nicht zu bean­stan­den: Schein­käu­fe sei­en ein legi­ti­mes Mit­tel der Prä­ven­ti­on und Straf­ver­fol­gung.

Kam­mer­ge­richt, Urteil vom 12. Febru­ar 2015 – 27 U 112/​14

  1. LG Ber­lin, Urteil vom 28.07.2014 – 33 O 114/​14[]