Der gesperr­te Weg zum Gast­haus

Ein Fels­sturz wird aus­schließ­lich durch Natur­kräf­te aus­ge­löst. Er ist weder auf eine von Men­schen­hand vor­ge­nom­me­ne Ver­än­de­rung des Hang­grund­stücks noch auf des­sen wirt­schaft­li­che Nut­zung zurück­zu­füh­ren. Daher besteht kein Anspruch auf die Durch­füh­rung von Siche­rungs­maß­nah­men.

Der gesperr­te Weg zum Gast­haus

Mit die­ser Begrün­d­ug hat das Land­ge­richt Mag­de­burg in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Kla­ge eines Gast­wirts abge­wie­sen, der vom Land Sach­sen-Anhalt Scha­dens­er­satz wegen Umsatz­ein­bu­ßen auf­grund der Sper­rung eines Weges begehrt hat. Der Klä­ger betreibt ein Gast­haus im Bode­tal im Harz. Das Gast­haus liegt an einem Wan­der­weg, der durch stei­le Hang- und Fels­for­ma­tio­nen führt, die im Eigen­tum des Lan­des Sach­sen-Anhalt ste­hen. Im Jahr 2010 kam es zu einem Fels­sturz, der dazu führ­te, dass der Wan­der­weg über meh­rer Mona­te gesperrt wur­de. Der Klä­ger behaup­tet, dass infol­ge der Sper­rung des stark fre­quen­tier­ten Wan­der­we­ges er star­ke Umsatz­ein­bus­sen erlit­ten habe Zudem soll ein Stein­schlag sei­ne Gara­ge beschä­digt haben. Als Scha­dens­er­satz for­der­te er vom Land ins­ge­samt rund 42.000 €. Der Gast­wirt ist der Mei­nung das Land habe sei­ne Ver­kehrs­si­che­rungs­pflich­ten ver­letzt, da es kei­nen Ener­gie­auf­fang­zaun zum Schutz des Weges und der Anlie­ger errich­tet habe.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Land­ge­richt Mag­de­burg aus­ge­führt, dass das Land sei­ne Ver­kehrs­si­che­rungs­pflich­ten nicht ver­letzt hat. Ein Fels­sturz wird aus­schließ­lich durch Natur­kräf­te aus­ge­löst. Er ist weder auf eine von Men­schen­hand vor­ge­nom­me­ne Ver­än­de­rung des Hang­grund­stücks noch auf des­sen wirt­schaft­li­che Nut­zung zurück­zu­füh­ren. Der Klä­ger kann daher nicht ver­lan­gen, dass das Land Siche­rungs­maß­nah­men durch­führt. Der Klä­ger könn­te ledig­lich auf eige­ne Kos­ten auf dem Grund­stück des Lan­des Siche­rungs­maß­nah­men tref­fen.

Grund für die Gefähr­dung des Nach­barn ist letzt­lich sein eige­nes Han­deln, weil sein Haus an einer der­art gefähr­li­chen Stel­le steht. Die­ser Gedan­ke lässt sich hier noch wei­ter ver­fol­gen. Der Klä­ger, des­sen Grund­stück von den steil auf­ra­gen­den, und daher stein­schlag-gefähr­de­ten Fel­sen umge­ben ist, pro­fi­tiert von den natür­li­chen Gege­ben­hei­ten, weil sie der Grund für die Nut­zung des Wan­der­we­ges und für den Besuch der Tou­ris­ten in sei­ner Gast­stät­te sind. Es wäre nicht gerecht, wenn der Klä­ger Gewinn aus der ein­ma­li­gen Lage zie­hen könn­te, ihre Risi­ken aber auf ande­re abwäl­zen dürf­te.

Land­ge­richt Mag­de­burg, Urteil vom 12. Juni 2013 – 10 O 1357/​12